Airport: Beschwerden über Fluglärm nehmen deutlich zu

24.10.2017, 06:00 Uhr
Ein Vorteil des Nürnberger Flughafen ist, dass er nahe bei seinen Kunden ist. Doch nicht alle Anlieger sind darüber begeistert.

Ein Vorteil des Nürnberger Flughafen ist, dass er nahe bei seinen Kunden ist. Doch nicht alle Anlieger sind darüber begeistert. © Foto: Horst Linke

Reiner Lux, Lärmschutzbeauftragter vom Luftamt Nordbayern, ist zuständig für Beschwerden. Er erklärt den starken Anstieg damit, dass alleine 96 Eingaben, das sind immerhin 57 Prozent, von drei Beschwerdeführern erfolgten. "Die drei Bürger sind erst kürzlich näher an den Flughafen und an die An- und Abflugwege hingezogen. Folglich waren sie im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch nicht als Beschwerdeführer aktiv", so Lux. Die Situation hat sich am Flughafen demnach nicht grundlegend geändert, aber die Beschwerdeführer.

Insgesamt stieg die Zahl der Beschwerdeführer von 35 auf 40 an. 105 Beschwerden gab es zum Flugbetrieb am Tag, von 6 bis 22 Uhr, 62 Beschwerden zum Flugbetrieb in der Nacht, von 22 bis 6 Uhr.

Laut Dieter Herold, Umweltbeauftragter des Albrecht Dürer Flughafens, besteht am Flughafen eine Nachtflugbeschränkung: Starten und Landen dürfen nur Flugzeuge, die auf der Bonusliste des Bundesverkehrsministeriums stehen und bei denen eine Zertifizierung der Lärmwerte vorgenommen wurde. Auch Rettungshubschrauber oder -flugzeuge dürfen natürlich rund um die Uhr aufsteigen. Seit 1994 gibt es die Bonusliste und sie wird immer wieder aktualisiert. Flughäfen können Flugzeugen, die nicht auf der Bonusliste stehen und damit laut sind, die Landung versagen.

Für Maschinen, die auf der Bonusliste stehen und damit als leise gelten, werden in der Nacht zeitlich gestaffelt Zuschläge verlangt. Je später ein Flugzeug landen will, desto teurer wird es. Fluggesellschaften wollen deshalb späte Starts und Landungen in der Nacht vermeiden, denn sie müssen dann Zuschläge von bis zu 500 Prozent bezahlen. "Es dürfen zwischen 22 und fünf Uhr in Nürnberg nur leise Maschinen landen. Doch auch diese Flugzeuge machen Lärm", räumt Herold ein. Die Wahrnehmung von Lärm sei aber sehr subjektiv.

Ein Beispiel: Der Nürnberger Flughafen verlangt für Start und Landung einer Boeing 737 am Tag 2154 Euro, zwischen null und fünf Uhr kostet es 2446,68 Euro. Der Anstieg der Gebühren, die sich aus unterschiedlichen Leistungen zusammensetzen, liegt unter anderem am Lärmzuschlag, der von 29,21 Euro auf 146,05 Euro steigt. Laut Herold hat es 2016 durchschnittlich zwischen 24 und 5 Uhr je neun Starts und Landungen gegeben.

In der Urlaubszeit gibt es mehr Probleme

Die Zahl variiert stark, in den Sommermonaten liegt sie höher. Im Juli dieses Jahres lag die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen, das sind Starts und Landungen, bei 31. Das sind 16,2 Prozent mehr als noch im Juli 2016. Die meisten Beschwerden über Fluglärm beziehen sich seit Jahren auf die Flugbewegungen am Tag.

Renate Blumenstetter, SPD-Stadträtin, lange wohnhaft in Buchenbühl und Vorsitzende der Fluglärmkommission, kennt die Problematik aus allen Perspektiven. Sie erinnert sich daran, dass ihre Tochter früher beim Spielen im Garten sich die Ohren zugehalten hat, weil die Flugzeuge so laut waren oder sie ist gleich ins Haus gestürmt. Vor allem neu hinzugezogene Bürgerinnen und Bürger würden sich über den Fluglärm ärgern: "Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie sich das vorher gar nicht überlegt haben, dass es einen Flughafen in der Nähe gibt."

Die Situation habe sich aber in den vergangenen Jahren beruhigt. "In der Urlaubszeit nehmen aber jedes Jahr die Beschwerden zu, weil mehr Charterflugzeuge starten und landen. Es gibt aber derzeit keinen Anlass, etwas zu ändern", so Blumenstetter. In Buchenbühl sei Fluglärm derzeit kein großes Thema mehr. Sie gibt zu bedenken, dass Lärm die Begleiterscheinung eines Flughafens ist, der wächst. Auch sei es im Westen etwas lauter als im Osten.

Nach den Worten von Herold wird jeder Beschwerde über Lärmbelastung genau verfolgt und überprüft, ob gegen Regularien verstoßen wurde. Die Ergebnisse der Messstationen in der Einflugschneise, die den Lärm von an- und abfliegenden Flugzeugen dauerhaft messen, werden auf der Internetseite des Flughafens veröffentlicht.

Nach Angaben des Lärmschutzbeauftragten, der bei der Regierung von Mittelfranken angesiedelt ist, konnten in den letzten Jahren keine Verstöße gegen Lärmschutzvorgaben festgestellt werden. Grundsätzlich gilt, so Lux, dass die Anzahl der Beschwerden stark schwanken kann, weil besonders aktive Bürgerinnen und Bürger mehrfach Beschwerden einreichen. Nachdem ab 2008 es möglich war, sich über das Internet zu beschweren, stieg die Zahl der Eingaben bis 2011 stark an, um dann wieder zurückzugehen. 409 Beschwerden im ersten Halbjahr 2009 waren der Höchststand, der nie mehr erreicht wurde. 2010 waren es nur noch 144.

Unter www.airport-nuernberg.de finden sich die Immissionsberichte und auch die Formulare für Beschwerden. Das Luftamt Nordbayern bietet unter www.regierung.mittelfranken.bayern.de Informationen an.

Hat Nürnberg ein Fluglärm-Problem? Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen oder diskutieren Sie mit unter nz.de/senf im NZ-Blog "Senf dazu.

38 Kommentare