Alles neu, außer der Inhalt: Tucher Weizen künftig im neuen Look

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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20.2.2021, 10:43 Uhr
Setzt auf den heimischen Biermarkt: Tucher-Chef Heinz Christ. Als Konkurrenz wertet er weniger die kleinen Brauer, sondern die nationale Konkurrenz.

© Andre de Geare Setzt auf den heimischen Biermarkt: Tucher-Chef Heinz Christ. Als Konkurrenz wertet er weniger die kleinen Brauer, sondern die nationale Konkurrenz.

Neues Logo, neue Flaschen, altes Ziel: Dieser Dreiklang steht für die Aktivitäten der größten Nürnberger Brauerei im angebrochenen Jahr. Ab März soll es die neuen Flaschen zu kaufen geben, auch Mehrwegkästen werden dann verwendet. "Wir wollen in Nürnberg stärker werden", gab Brauereichef Heinz Christ im Januar als Devise für 2021 aus. Dabei setzt die Tucher Bräu weiterhin auf das Konterfei des Heiligen Mauritius. Die im Volksmund als "Tucher-Mohr" bekannte Figur stand bei der Neukreation des Firmenlogos nicht zur Disposition, betonen Christ und Marketingleiter Kai Eschenbacher.

Die immer wieder aufflammende Kritik an der Mohren-Darstellung, mit der sich neben der Brauerei vor allem auch die Mohren-Apotheke im Zentrums Nürnbergs beschäftigten mussten, ficht die Tucher-Verantwortlichen nicht an: Der Heilige Mauritius sei als "Schutzheiliger von Nürnberg ein wichtiger Bestandteil im historischen Wappen der Familie von Tucher und damit auch unserer Brauerei-Tradition".

Rückkehr zur Euroflasche

Auffälliger als das leicht veränderte Logo dürfte für Bierfreunde die Rückkehr zu den Euroflaschen werden. Diese lösen die längeren "NRW-Flaschen" ab, die in den vergangenen Jahren bei Tucher im Einsatz waren. Dazu kommen neue Etiketten sowie ein aufwändig gestalteter Bierkasten.


Tucher: So will die Großbrauerei die Corona-Krise überleben


All diese Mosaiksteine sollen zu mehr Marktanteilen in den heimischen Getränkemärkten beitragen. Tucher leidet, darin sich die beiden Brauereivorstände Christ und Gunther Butz einig, nach wie vor unter einem Jahrzehnte zurückliegenden Imageverlust. Der Image-Abstieg begann als der Rosenheimer März-Konzern 1985 die Aktienmehrheit übernahm.

Ansehen hat sich verbessert

Als der Münchner Bauunternehmer Hans Inselkammer 1994 wiederum die Mehrheit der vormaligen Tucher Bräu AG übernommen hatte, setzte sich die Konzentration fort: Es kam zur Fusion mit der Patrizier Bräu AG, die ehemals eigenständigen Fürther Brauereien (Humbser, Grüner, Geismann, Bergbräu und Evora&Meyer) gingen ebenfalls in der neuen Großbrauerei auf. Und als Jannik Inselkammer, Tucher-Geschäftsführer ab 1997 die Brauerei veräußerte, blieben die Immobilien im Besitz der Münchener Familie. Auch dies trug nicht zur Verbesserung des Ansehens bei.

Längst hat Tucher, mittlerweile zur Radeberger Gruppe gehörend, sich der kleineren Marken wieder besonnen, die Renaissance von Grüner steht exemplarisch dafür. Neuerdings wird sogar wieder an der Ursprungsbraustätte im Norden Nürnbergs, am Schillerplatz, gebraut – seit 2018 hat Tucher dort das in Nürnberg einst traditionsreiche Rotbier wiederbelebt.

Jetzt soll mit dem Sortiment weiter um Marktanteile gekämpft werden. „Fünf Sorten gibt es“, kündigt Marketingdirektor Kai Eschenbacher an. „Während unser Tucher Kristallweizen und Hefe Weizen Leicht nur in Bayern erhältlich sein wird, gibt es Tucher Helles Hefe Weizen, Hefe Weizen Alkoholfrei und Dunkles Hefeweizen nicht nur in ihrer Heimatregion“. Das Trio soll verstärkt bundesweit in Gast-, Brau- und Wirtshäuser erhältlich sein, sobald diese wieder öffnen dürfen. Brauereichef Christ, seit 2019 am Ruder, ist überzeugt, dass Tucher wesentlich mehr Potential hat. Es müsse wieder selbstverständlicher werden, zu heimischem Bier zu greifen. Dabei hat der Vorstand vor allem nationale Großbrauereien als Wettbewerber ausgemacht. Um diesen Paroli bieten zu können, will Tucher sich weitgehend auf den Markt in der Franken und der Oberpfalz konzentrieren – mit einer Ausnahme: Das Weizenbier soll einen nationalen Siegeszug antreten.

Königlicher Titel

Deshalb wurde beim neuen Markenauftritt besonders Hand an das Weißbier angelegt: Mit dem deutlich erkennbaren Zusatz "Ehem. königlich-bayerisches Weizenbräuhaus" wird ein Stück fast in Vergessenheit geratener Geschichte ausgegraben. Das 1672 gegründete Städtische Weizenbrauhaus ging 1855 an die damalige Dr.-Lorenz-Tucher-Stiftung, also in die spätere Tucher‘sche Brauerei. 1806 hatte der damalige König Maximilian I. die Braustätte mit dem Titel "königlich-bayerischen Weizenbräuhaus" geadelt.

Dies wird nun deutlich herausgestellt. Weitere Neuerungen für 2021: Das beliebte Grünerla in der 0,25-Liter-Flasche gibt es nicht mehr, stattdessen wird auf 0,33-Liter-Euroflaschen umgestellt. Das gilt auch für "Zirni", der kleinen Ausgaben des Zirndofer Bieres.

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