Polizei spricht von störungsfreiem Aufzug

Corona-Demo in Nürnberg: Über 2000 Teilnehmer bei "Montagsspaziergang"

Tobi Lang
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14.12.2021, 09:25 Uhr
Videos auf Twitter zeigen, wie Hunderte zwischen Plärrer und Hauptbahnhof demonstrieren.

© twitter.com/blyatbobruysk Videos auf Twitter zeigen, wie Hunderte zwischen Plärrer und Hauptbahnhof demonstrieren.

Zwischen Plärrer und Hauptbahnhof ging zwischenzeitlich nichts mehr. Tausende Menschen demonstrierten mit einem "Montagsspaziergang" gegen Corona-Maßnahmen und eine mögliche Impfpflicht. Zum Auftakt gab es eine Kundgebung auf dem Kornmarkt, dann zogen die Teilnehmenden über die Färberstraße auf den Frauentorgraben in Richtung Hauptbahnhof. Von dort bewegte sich der Demonstrationszug über die Königstraße zurück zum Kornmarkt. Dort hatte es dann noch eine Abschlusskundgebung gegeben, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte.

Gegen 18.30 Uhr versammelten sich in der Spitze bis zu 2100 Menschen. Die Nürnberger Bürgerinitiative "Team Menschenrechte" hatte zuvor im Internet einen entsprechenden Umzug angekündigt. Laut Polizei finden montags regelmäßig "Spaziergänge" statt. "Sonst mit wenigen hundert Menschen", sagte ein Polizeisprecher, "heute aber mit deutlich mehr."

Zwischen 19 und 20 Uhr kam es an der Wegstrecke zu Verkehrsbehinderungen. Der Aufzug selbst, betont das zuständige Präsidium, sei störungsfrei verlaufen. "Die Mindestabstände wurden versucht einzuhalten, auch wenn das nicht immer geklappt hat." Die Menschen zogen mit Trommeln, Pfeifen und Plakaten durch die Innenstadt. Unter Leitung der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte waren Beamte der Einsatzhundertschaften des Polizeipräsidiums Mittelfranken sowie der Verkehrspolizei Nürnberg im Einsatz.

Videos etwa im Kurznachrichtendienst Twitter zeigen, wie Menschen ohne Maske dicht an dicht durch die Innenstadt laufen. Tatsächlich ist bei Demonstrationen aktuell keine Mund-Nase-Bedeckung vorgeschrieben. Es muss lediglich ein Abstand von eineinhalb Metern zwischen den Teilnehmern eingehalten werden. Die zuständigen Behörden müssen zudem sicherstellen, dass "die Infektionsgefahren (...) auf ein vertretbares Maß beschränkt bleiben", wie es in der entsprechenden Verordnung heißt. Sie können dabei eine Maskenpflicht veranlassen - müssen das aber nicht tun.

Herrmann spricht von "echter, neuer Gefahr"

Seit Wochen warnen Extremismusexperten vor einer wachsenden Radikalisierung der Maßnahmen-Gegner. "Ich sehe diese Entwicklung mit großer Sorge", sagte Innenminister Joachim Herrmann dem Bayerischen Rundfunk. Unter den Demonstranten seien "viele ganz normale Bürger", deren Ärger etwa über die mögliche Impfpflicht "absolut zulässig" sei. In Fürth und Neumarkt gab es Kundgebungen, die fast störungsfrei verliefen. Aber: Die Gewaltbereitschaft, die von Teilen der Teilnehmer ausgehe, sei eine "echte, neue Gefahr".

In Schweinfurt wurden zwei Männer, die Polizisten attackierten, im Eilverfahren zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Zwei Verdächtige versuchten zudem, ein ziviles Polizeiauto mit Brandbeschleuniger anzuzünden.


In einer früheren Version des Artikels berichteten wir mit Verweis auf einen Polizeisprecher, dass die Demonstration vom Nürnberger "Querdenken"-Ableger initiiert wurde. Tatsächlich war das "Team Menschenrechte" Veranstalter der Kundgebung.

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