Sonntag, 08.12.2019

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Ferkel tot: Überhitzter Schweinetransporter bei Nürnberg gestoppt

Laster wohl massiv überladen - Tiere lagen in ihren eigenen Exkrementen - 26.07.2019 21:03 Uhr

Links ist der Lastwagen zu sehen, in dem die Schweine transportiert worden. Rechts eine Nahaufnahme eines Tieres. © Wolfgang Fellner


Der Gestank war entsetzlich, so skizzieren es Augenzeugen. Der Parkplatz in einem Industriegebiet in Altdorf unweit eines Schnellrestaurants wurde überschwemmt mit Exkrementen und Dreck - Hinterlassenschaften eines Transportes, der bereits Hunderte Kilometer quer durch Europa unterwegs war, ein Transport, der auf der A3 unweit von Nürnberg ein Ende fand. Passanten bemerkten den Lastwagen, aus dem Ferkel nach Luft schnappten, während der Fahrt auf der Autobahn. Sie alarmierten die Polizei, die den Fahrer in der Nähe der Ausfahrt Altdorf stoppte und auf einen Parkplatz eskortierte.

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Polizei stoppt überhitzten Tiertransporter auf A3 bei Nürnberg

Am Freitag hat die Autobahnpolizei Feucht einen überhitzten Tiertransporter mit rund 800 Ferkeln gestoppt. Auch die Feuerwehr rückte an und versorgte bei über 38 Grad Außentemperatur die Tiere mit Wasser. Für vereinzelte Ferkel kam jeder Hilfe zu spät.


Die Feuerwehr rückte an und begann sofort, die Tiere mit Wasser zu versorgen. Die Retter spritzten aus allen Richtungen in den Lastwagen, dort waren 785 Ferkel eingezwängt. "Zwei Tiere überlebten den Transport nicht, teilt die Feuchter Verkehrspolizei auf nordbayern.de-Nachfrage mit. Ein Tierrechtler, der zufällig vor Ort war, beobachtete, dass der Fahrer die Tränkanlage erst nach Aufforderung anschaltete - nach kurzer Zeit sei der Tank bereits leer gewesen. Sie funktionierte wohl nicht nicht wirklich. "Da steckt eine gewisse kriminelle Energie dahinter", sagte der Polizei-Sprecher. "Bei solchen Temperaturen gleicht das einem Todesurteil."

Der Lastwagen war auf dem Weg von den Niederlanden nach Kroatien - eine Strecke von über 1000 Kilometern. Erst in Österreich war ein erneuter Stopp eingeplant. Bis mindestens dahin wären die Tiere ohne Wasser geblieben.

"Das ist kein Einzelfall"

In dem Wagen, das ergaben Messungen der Polizei, herrschten Temperaturen von 35 bis 40 Grad. Die Tiere seien massiv dehydriert gewesen, teilt das Deutsche Tierschutzbüro mit. Die Aktivisten wollen zeitnah gegen den Fahrer und das Speditionsunternehmen Anzeige erstatten. Ein Experte des Veterinäramtes begutachtete den Transporter, er ist zuständig für die Strafverfolgung. "Der Fahrer wird wohl eine Sicherheitsleistung in nicht geringer Höhe hinterlegen müssen", erklärte ein Polizeisprecher. "Das wird aber derzeit noch geklärt." 

"In den jüngsten Tagen kommt es leider vermehrt zu überhitzten Tiertransporten", sagt Jan Pfeifer, Vorsitzender des Tierschutzbüros. "Das was heute in Altdorf passiert ist, ist kein Einzelfall. Solange Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nicht endlich konsequent durchgreift und internationale sowie nationale Tiertransporte in den Sommermonaten grundsätzlich verbietet, wird es zu solchen Katastrophen auf Kosten der Tiere kommen."

 

Die Diskussion um Tiertransporte schwelt seit Wochen. Aktivisten fordern ein grundsätzliches Verbot in den Sommermonaten. Vier Millionen Tiere werden Jahr für Jahr über Deutschlands Straßen transportiert. Der Tierschutz müsse auch in den letzten Lebensstunden gelten, erklärte der Bayerische Bauernverband erst kürzlich auf Anfrage der Nürnberger Nachrichten. "Wir erwarten deshalb, dass auch bei Tiertransporten diese hohen Standards fortgeführt werden und mit größtmöglicher Sorgfalt gearbeitet wird."

Tiere zum Schlachthof transportiert

Das ist jedoch nicht immer der Fall. Der Transport, der bei Altdorf gestoppt wurde - darauf deutet zumindest nach aktuellem Kenntnisstand vieles hin - sei massiv überbelegt gewesen. Die Ermittlungen laufen, auch ein Veterinär begutachtete den Lastwagen. 

Die Tiere wurden zum Erlanger Schlachthof transportiert, Helfer luden sie dort ab und versorgten sie. "Über die Hälfte ist nicht mehr transportfähig", sagte ein Sprecher der Verkehrspolizei. Das habe eine erste Prüfung ergeben. Die Tiere erholen sich jetzt auf dem Schlachthof, dann wird entschieden, ob sie gekeult werden müssen, oder doch noch den Transport antreten können. 

Auch erfahrene Feuerwehrleute, die zu dem Lastwagen eilten, sind entsetzt. "Man isst ja gerne einen Schweinebraten", sagte einer der Retter, "aber was mit den Ferkeln hier passiert, ist eine Reisensauerei."


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