Für zwölf Tage: St. Lorenz wird jetzt grüner

14.9.2020, 05:47 Uhr
Vor der Lorenzkirche wird es bald grün - zumindest temporär.

Vor der Lorenzkirche wird es bald grün - zumindest temporär. © Günter Distler

Die Umwelt- und Kunstaktion soll vom 16. bis 27. September für eine besondere Atmosphäre sorgen und die öffentliche Debatte anregen. Die Aktiven der regionalen "grünen Branche", also Landschaftsarchitekten, Landschaftsbautriebe und Zulieferer, gebündelt im Verein Grünclusiv "zaubern temporäre Grünflächen, die Sehnsucht wecken und hoffentlich beim jeder und jedem einzelnen weitere Entwicklungen anstoßen", sagt Daniela Bock vom Vorstand. Im Schulterschluss mit der Kirchengemeinde fügt sich die Präsentation nahtlos in deren Jahresmotto "Schöpfer Gott Macht Mensch".

So soll sie nicht nur Spiritualität, Kunst und Ökologie zusammenbringen, sondern ist auch als Brückenschlag von Nürnbergs reicher Vergangenheit in eine Zukunft gedacht, in der sich die Städte verstärkt auf den Klimawandel einstellen müssen – eben mit mehr Grün.

Coronabedingte Planänderungen

Weil es genau um derartige Perspektiven auch bei der Bewerbung Nürnbergs um den Titel als Kulturhauptstadt geht, erhielt das Vorhaben auch weitere Unterstützung. Schließlich illustriert es beispielhaft, was in Nürnberg möglich und als auch international attraktives Programm vorstellbar ist.

Einen Eindruck davon wollte und sollte sich genau in diesen Tagen die dafür zuständige Fachkommission in Nürnberg verschaffen. Wegen der Corona-Auswirkungen wurde das allerdings abgesagt; die Mitglieder scheinen sich nun mit Digital-Impressionen statt Live-Eindrücken zu begnügen.

Grünclusiv wollte dabei nicht zuletzt von der großen Fach- und Leitmesse GaLaBau profitieren. Dieser Branchentreff für den Garten- und Landschaftsbau sollte ebenfalls ab Mittwoch im Nürnberger Messezentrum über die Bühne gehen, fiel aber Corona zum Opfer. Genauer gesagt gibt es "nur" ein Alternativprogramm und eine virtuelle Version. Eine Reihe von Bäumen aber, die längerfristig geordert worden waren, sollen trotzdem auf dem Platz vor der Westfassade postiert werden.

Mensch und Natur

Dazu kommen Rasen und Büsche in den Turmnischen, auf der nördlichen Längsseite und vor dem Hauptportal. Bänke sollen zum Ausruhen einladen (mit Abstand, versteht sich). "Über die Schwelle der Kirche hinweg verbinden sich Geschäftigkeit und Stille. Die Karolinenstraße findet ihre Verlängerung bis zum Hauptaltar im Ostchor von St. Lorenz", formulieren die Veranstalter. Und auf dem nördlichen Lorenzer Platz, gegenüber dem Heimatministerium, soll ein "Paradiesgärtlein" Impulse für ein gutes Miteinander von Mensch und Natur geben. Drinnen mahnt derweil eine Installation des Künstlers Stephan Wurmer, Maß zu halten. Seine "Babylonische Konstruktion" stellt die Frage nach der Rolle des Menschen als Schöpfer, der die Natur vielfach hemmungslos ausbeutet statt sie zu bewahren. So droht das labile Gleichgewicht, wo es nicht längst aus den Fugen geraten ist, jederzeit zu kippen und die ganze Existenz in Frage zu stellen.

Das Grün-Projekt nimmt sich aber nicht zuletzt auch als eine Art Vorspiel für weitergehende Planungen aus. Im engen Zusammenwirken mit der Stadt und dem Denkmalschutz auf städtischer und auf Landesebene will die evangelische Kirche ihr "Flaggschiff" im Herzen von Nürnberg noch besser zur Geltung bringen. Vor allem dadurch, dass – statt des schmalen Seiteneingangs durch die sogenannte Apothekertür – künftig die großen Portale als Hauptzugang dienen.

Vertrauliche Pläne

Um die Stufen zu beseitigen, soll das Pflaster auf dem Vorplatz entsprechend angehoben werden. Im Inneren ist ein Windfang erforderlich, der aber den Blick ins Innere nicht behindern darf. Bisher werden die Hauptportale nur zu besonderen, festlichen Gelegenheiten geöffnet, weil sonst neben Staub zuviel Feuchtigkeit in den Kirchenraum eindringt und in Verbindung mit Temperaturschwankungen für enorme Schäden an Kunstwerken wie auch an den Orgeln sorgt.

Die Pläne dafür, die noch vertraulich behandelt werden, sind aber offenbar schon weit gediehen. Der gesamte Bereich unter der Orgelempore samt Seitenkapelle soll neu und attraktiv gestaltet werden. Mit den Architekten des renommierten Würzburger Büros Brückner und Brückner und maßgeblichen Vertretern der Landeskirche waren an den Abstimmungen unter anderem der Generalkonservator des Landesamts für Denkmalschutz und Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich beteiligt.

Keine Kommentare