Geflüchtete aus Moria kommen nicht nach Nürnberg

3.11.2020, 19:32 Uhr

Er bedanke sich für das konkrete Angebot der Stadt, geflüchtete Familien aus Griechenland aufzunehmen, erklärt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einem Schreiben an Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, das Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung vorliegt.

Angebote anderer Städte

"Ich darf Dir hierzu mitteilen, dass wir aufgrund der Vielzahl der mir von Kommunen und Organisationen angebotenen Plätze in Wohnungen nicht auf das von der Stadt Nürnberg unterbreitete Angebot zurückgreifen müssen", schreibt Herrmann darin an seinen Duz-Freund König. Er hoffe aber, dass die Bereitschaft der Stadt, geflüchtete Menschen aufzunehmen, prinzipiell bestehen bleibe - "für Asylbewerber gerne auch durch die verteilungsgerechte Schaffung dezentraler Asylunterkünfte".

Bei der Stadtspitze zeigt man sich offen. Es sei einerseits schade, dass Nürnberg nicht zum Zug komme, sagt Oberbürgermeister Marcus König gegenüber der Redaktion. "Wir waren ja die ersten, die gesagt haben, wir nehmen gerne welche auf." Letztlich nehme Nürnberg ohnehin schon mehr Asylbewerber auf, als die Stadt nach dem Königssteiner Schlüssel, der die Verteilung regelt, tun müsste. Auch daher habe er fast angenommen, dass die Stadt nicht zum Zug kommen werde.

Man habe aber schon Gespräche mit freien Trägern geführt, wo man die Moria-Flüchtlinge unterbringen könne. "Wir halten das Angebot aber weiter aufrecht. Wenn uns jemand braucht, sind wird da."

Brehm: "Bayern bleibt unter seinen Möglichkeiten"

Für SPD-Fraktionschef Thorsten Brehm hat die Absage zwei Seiten: Sie zeige einigerseits, dass die Solidarität und Bereitschaft, Geflüchtete aufzunehmen, in vielen Städten ungebrochen groß sei. "Zugleich wird aber auch deutlich, dass Deutschland und Bayern unter seinen Möglichkeiten bleibt", sagt Brehm.

"Wir könnten mehr Menschen helfen und aufnehmen. Das wäre in Anbetracht der Bilder aus Griechenland und der anbrechenden Wintermonate ein Gebot der Stunde."

Diskussion über die Zahl

Die Parteien im Nürnberger Stadtrat waren sich in weiten Teilen einige darüber gewesen, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen, das dortige Lager war nach einem Brand zerstört. Diskussionen hatte es aber über die Anzahl der aufzunehmenden Menschen gegeben.

Auch andere Städte hatten sich bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen, darunter die Stadt Fürth.