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Gewerkschaft: Protest gegen ICE-Werk in Nürnberg bremst Verkehrswende

EVG setzt sich für Standort Nürnberg ein - 17.05.2021 14:45 Uhr

Anwohner protestieren gegen den Bau des ICE-Werks, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wirbt hingegen dafür und hat ein Positionspapier erstellt.

03.05.2021 © Stefan Hippel, NN


Um ihren Standpunkt zu bekräftigen, hat die EVG eine "Nürnberger Erklärung" veröffentlicht, die sie mit "Ja zum neuen ICE-Werk in Nürnberg" überschreibt. Matthias Birkmann, der Leiter der EVG-Geschäftsstelle Nürnberg hält ein klares Plädoyer für den Standort. Die Diskussion werde sehr hitzig geführt und sei stark emotional aufgeladen. Deshalb sehe sich die Gewerkschaft gefordert, nun auch Stellung zu beziehen. "Wir sind vom Fach und kennen uns mit den Details aus. Von allen Seiten kommt Widerstand, aber wir sind ganz klar für den Standort in der Region Nürnberg."

Wichtiger Verkehrsknotenpunkt

Warum das so sei, erklärt Birkmann zunächst mit der verkehrstechnisch günstigen Lage. "Wir haben hier einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Geographisch ist Nürnberg als Standort prädestiniert. Hier treffen wichtige Bahnstrecken aufeinander, auch im Güterverkehr kommt Nürnberg durch den großen Rangierbahnhof, den Bayernhafen und das Güterverkehrszentrum eine wichtige Bedeutung zu."

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Die Bahn, sagt Birkmann, wolle den Fernverkehr vorantreiben, die Flotte werde weiter aufgestockt. Doch die Züge müssten auch gewartet werden. "Wir wollen eine sozial-ökologische Verkehrswende. Dazu müssen wir mehr Verkehr auf die Schiene bringen und deshalb in die Infrastruktur investieren." Ziel der Politik sei, deutschlandweit alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern an den Fernverkehr anzubinden und einen 30-Minuten-Takt einzuführen. "Dieses Ziel begrüßen wir. Dazu brauchen wir aber auch Personal und Züge. Und diese Züge müssen gewartet werden. Dafür liege Nürnberg strategisch günstig, der Standort könne aus allen Richtungen angefahren werden. Das neue Werk sollte nach Ansicht der EVG maximal 25 Kilometer von Nürnberg entfernt liegen. "Denn es sollten lange Fahrten vom Hauptbahnhof aus vermieden werden."

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Die Bahn selbst hat insgesamt neun mögliche Areale ins Gespräch gebracht, darunter auch in Fischbach/Altenfurt. Die Gewerkschaft, räumt Birkmann ein, wolle nicht zu den einzelnen Standort-Vorschlägen Stellung beziehen. "Nicht jeder ist aus unserer Sicht geeignet."

Kein Braunkohlekraftwerk

Klar sei aber, dass das Werk eine nachhaltige Investition in die Verkehrswende bedeute und dass es ohne Einschnitte in die Natur nicht gehe. "Freilich müssen die so gering wie möglich gehalten werden. Wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Fläche", fügt er hinzu und warnt davor, die Verkehrswende gegen den lokalen Umweltschutz auszuspielen. "Wenn man die Maßnahme vor Ort blockiert, wird die Verkehrswende ausgebremst und gleichzeitig mehr in den Straßenbau investiert." Schließlich relativiere sich auch der Flächenverbrauch für das neue Werk, wenn man betrachte, wie viel Platz für den Autobahnausbau bereit gestellt werde. "Und schließlich bauen wir hier kein Braunkohlekraftwerk, sondern ein ICE-Werk."

Seine Befürchtung sei, betont der Gewerkschafter, dass es sich die Bahn angesichts der vielen Proteste in der Region anders überlegt und das Werk an anderer Stelle errichten wird. Damit gingen auch rund 450 feste, tarifgebundene neue Arbeitsplätze verloren.

Natürlich, so Birkmann weiter, müssten auch die Anwohner gehört und Ängste abgebaut werden. "Die Einbindung der Anwohner hätte früher beginnen müssen. Wir müssen gemeinsam eine gute Lösung finden."

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