Grüne schicken Tessa Ganserer in den Bundestagswahlkampf

27.2.2021, 16:31 Uhr
Tessa Ganserer gehört dem Landtag seit 2013 an und will nun nach Berlin wechseln.

© Matthias Balk Tessa Ganserer gehört dem Landtag seit 2013 an und will nun nach Berlin wechseln.

Ganserer formulierte dabei offen den Anspruch, in Nürnberg-Nord das Direktmandat für die Grünen zu erobern: „Wir werden mit der CSU um Platz eins kämpfen.“ Die 43-Jährige setzte sich in der virtuellen Nominierungsversammlung mit 34 zu neun Stimmen gegen den 1961 geborenen Datenwissenschaftler und Epidemiologen Berthold Lausen durch.

Merkel-Jahre sind "verlorene Jahre"

In ihrer Bewerbungsrede bezeichnete Ganserer die Regierungszeit von Angela Merkel (CDU) als „verlorene Jahre“ für das Klima. Anders als vor 23 Jahren, als die Grünen an die Regierung kamen, sei die Erderhitzung keine abstrakte Gefahr mehr. Neben dem Klimaschutz stellte die Landtagsabgeordnete den Einsatz für die Rechte transgeschlechtlicher Menschen in den Mittelpunkt ihrer Rede. Mit ihrem Coming-out habe sie anderen Mut gemacht, nun wolle sie auch in Berlin für die Rechte von Transgender-Personen einstehen.

Ein Nürnberger würde nachrücken

Die gelernte Forstwirtin hat bis 2018 unter dem Namen Markus Ganserer gelebt; sie ist die erste Abgeordnete in Deutschland, die ihre transgeschlechtliche Identität publik machte. In ihrer Rede sagte sie, dass sie an dem früheren Versteckspiel beinahe kaputt gegangen wäre.
Ganserer gehört genau wie ihre Nürnberger Kollegin Verena Osgyan dem Landtag seit 2013 an. Falls sie es nach Berlin schafft, rückt Grünen-Kreisschatzmeister Elmar Hayn in den Landtag nach, in dem somit wieder zwei Nürnberger Grünen-Abgeordnete vertreten wären.

Sohn von Club-Torwart Manfred Müller

Sascha Müller zog schon 2017 für die Grünen als Direktkandidat in den Bundestagswahlkampf.

Sascha Müller zog schon 2017 für die Grünen als Direktkandidat in den Bundestagswahlkampf.

Dem Bundestag wiederum gehörten seit Petra Kelly (1983–1987) und Dieter Burgmann (1983–1985) keine Parlamentarier der Umweltpartei aus den beiden Nürnberger Wahlkreisen mehr an. Ganserer und Müller wollen diese lange Phase beenden.
Müller kandidiert wie schon 2017 für den Wahlkreis Nürnberg-Süd/Schwabach. Der 50-jährige Sportjournalist, Sohn des früheren Fußball-Bundesligatorhüters Manfred Müller (Club, Bayern München), hatte keinen Gegenkandidaten und bekam 27 von 28 Stimmen (eine Enthaltung).

"Auch Grüne sind bürgerlich"

Er thematisierte in seiner Rede die Forderung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass die Grünen sich zwischen „links“ und „bürgerlich“ entscheiden müssten. Das hält Müller für Unsinn. Man sei eine Partei des Mitte-Links-Spektrums, die aber auch bürgerliche Werte vertrete, wenn es um Anstand, Respekt und Aufrichtigkeit gehe. „In manchen Punkten bin ich vielleicht sogar bürgerlicher als Söder.“

In Berlin will sich Müller für mehr Transparenz im politischen Betrieb und eine sanktionsfreie Grundsicherung einsetzen.
Mit Ausnahme der CSU haben nun alle im Bundestag vertretenen Parteien ihre Kandidaten für die Nürnberger Wahlkreise aufgestellt.

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