"Horch amol" und Klimacamp: "Wir sind nicht zum Selbstzweck da"

3.3.2021, 21:52 Uhr

Auf die Frage warum die Menschheit trotz der eindringlichen Warnungen von Wissenschaftlern weiterhin sehenden Auges in Richtung Klimakatastrophe marschiert, haben Heidrun Lang und Erik Stenzel keine rechte Antwort. "Es ist schon ein großes Thema", meint Stenzel, "aber es wirkt alles so weit entfernt". Der 33-Jährige ist einer Aktiven des Klimacamps am Sebalder Platz und von Anfang an dabei. Seit über180 Tagen harren dort mal mehr, mal weniger Menschen aus, um auf das fortschreitende Klimaerwärmung aufmerksam zu machen.

Da es beim Klimaschutz um unangenehme Entscheidungen gehe, die langfristige Auswirkungen haben, scheuen sich die Politiker vor wegweisenden Beschlüssen, lautet ein Erklärungsversuch, warum so wenig vorangeht. Heidrun Lang vermutet, dass in der Politik Angst vor den nötigen Beschlüssen herrscht. "Sie befürchten, dass es nicht mehrheitsfähig ist oder dass es am Rückhalt in der Bevölkerung fehlt", mutmaßt die 23-jährige Instrumentenbauerin. Dabei sei mit dem Pariser Klimaabkommen, dem inzwischen 195 Länder beigetreten sind, eigentlich die Grundlage dafür vorhanden, um aktiven Klimaschutz betreiben zu können.


Klimacamp: Die längste politische Versammlung Nürnbergs


Vor Ort sei es ärgerlich, dass beispielsweise der Nürnberger Stadtrat 2020 einen Klimaschutz-Fahrplan beschlossen habe, der unter anderem das ehrgeizige Ziel hat, die Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre um 20 Prozent zu reduzieren. "Dafür ist gerade mal eine Person in der Stadtverwaltung abgestellt worden", beklagt Stenzel den aktuellen Stand. Viele Beschlüsse von Stadt, Land, Bund oder der EU würden einfach nicht umgesetzt, stellt das Du klar. "Wir fordern ja nichts, was nicht schon versprochen worden wäre", erläutert Heidrun Lang ihre Position. Das Problem sei vielmehr die "Lücke zwischen Versprechen und Realität".

Da es ein lockerer Zusammenschluss ist, die das Klimacamp organisieren, sei zwar jede(r) willkommen, aber bestehe auch keine Verpflichtung zu einer regelmäßigen Mitarbeit. "Wir sind eine Art ´melting pot´, ist Stenzel überzeugt. Rund 60 Prozent der Aktiven seien nicht in Verbänden oder Parteien aktiv, sondern bringen sich aus ihrer persönlichen Überzeugung ein. Der Klimaschutz ist das verbindende Glied, sagen beide unisono und Heidrun Lang schiebt nach: "Wir machen das ja nicht zum Selbstzweck."

Ihr wäre es sowieso am liebsten, Gesellschaft und Politik würden endlich die notwendigen Schritte einleiten. "Wenn wir morgen feststellen, dass sich unsere Forderungen erledigt haben, dann würd´ ich ein fröhlich´ Lied singen und dazu helfen, das Klimacamp abzubauen - auch wenn es schade um das Camp wäre", sagt Heidrun Lang. Dass dies so schnell nicht geschehen wird, davon ist Erik Stenzel überzeugt und sagt: "Ich plane schon mit den nächsten zehn Jahren." Doch hören Sie selbst.....