Corona-Auswirkungen 

Ins Krankenhaus wegen Covid-19: Schock auch für die Psyche

16.6.2021, 05:22 Uhr
Gespräche können helfen, dem Patienten wieder Mut zu machen und die Angst zu nehmen. 

Gespräche können helfen, dem Patienten wieder Mut zu machen und die Angst zu nehmen.  © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Mental ist die Isolation für einige Menschen schwer zu verkraften. Doch Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten sind nach eineinhalb Jahren Pandemie gut auf die schwierige Situation eingestellt. Am Klinikum Nürnberg unterstützt ein psychosoziales Kriseninterventionsteam die Erkrankten, ihre Angehörigen und auch Mitarbeiter.

"Einige Betroffene bangen, ob die Krankheit bei ihnen einen schweren Verlauf nimmt und sie möglicherweise sogar daran versterben", sagt Eva Krauß-Köstler, leitende Oberärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg. Für viele sei die Diagnose zunächst schwierig zu verarbeiten.


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Wenn Ärzte oder Pflegepersonal eine depressive Verstimmung bei einem Patienten bemerken, ziehen sie das Krisenteam hinzu, das behutsam mit den Patienten versucht, Ängste abzubauen. Ganz verschwinden sie meist nicht.

Dabei ist es essentiell, dass besorgte Patienten auch psychologisch betreut werden. Forschende haben in früheren Studien nachgewiesen, dass das, was im Gehirn passiert, einen Einfluss auf den Körper haben kann. Wer eine positive Einstellung hat, kann körperliche Leiden oftmals besser wegstecken. "Natürlich verschwindet eine Corona-Infektion nicht durch gute Gedanken. Aber man kann mit Optimismus und Zuversicht seine Situation verbessern. Meist könne man schon mit Kleinigkeiten Effekte erzielen", sagt Krauß-Köstler.

Das können mitunter banale Dinge sein. "Wir ermuntern die Angehörigen, Care-Pakete zu schicken", sagt Nadine Heym, pflegerische Leiterin der Klinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg Süd. In den Paketen sind beispielsweise Kuscheltiere, das Lieblingsshirt oder eine CD mit der Lieblingsmusik des Erkrankten. Auch das regelmäßige Telefonieren mit der Familie und den Freunden könne helfen, die Isolation besser wegzustecken.


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"Die Patienten vergessen sich für einen Moment und nehmen Anteil am Leben der Anderen", erläutert Heym. Ablenkung und feste Strukturen während der Isolation, die mitunter mehrere Wochen dauern kann, seien wichtig. "Meist steht die Angst im Raum, auf die Intensivstation verlegt zu werden", sagt Krauß-Köstler. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen versuchen dann zu ergründen, was genau den Patienten bedrückt. "Wir geben dem Patienten oder der Patientin Raum für das Traurigsein", sagt die Fachärztin. "Er oder sie kann uns alles sagen. Und dann überlegen wir gemeinsam, wie man die Situation auffangen kann."

Ablenkung ist dabei ein wichtiger Punkt. "Wenn ein Patient gern Gitarre spielt - und dazu auf Station in der Lage ist - fordern wir die Angehörigen auf, die Gitarre ins Klinikum zu bringen", so Krauß-Köstler. Vielleicht habe dem Erkrankten Musik bereits durch eine andere schwierige Situation geholfen. "So kann man positive Erinnerungen wecken".


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Die Erkrankten sollen sich zudem auf ihre Ressourcen konzentrieren und überlegen, wie sich diese positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können, sagt Krauß-Köstler. "Wenn man seine Situation aktiv selbst verbessern kann, erzeugt das ein Erfolgserlebnis und lenkt von dem Hauptgefühl Angst ab."

Das Team am Klinikum kümmert sich nicht nur um die Patienten, sondern auch um Angehörige, deren Belastungen meist ebenfalls vielfältig sind. Wenn diese mit Schuldgefühlen kämpfen, weil sich innerhalb einer Familie mehrere angesteckt haben und einer von ihnen mit schweren Symptomen stationär aufgenommen werden muss, ist das für oft belastend.

"Wir versuchen in solchen Fällen, den Druck herauszunehmen und die Lage mit gesundem Menschenverstand einzuordnen", sagt Krauß-Köstler. "Das Pflegepersonal stemmt seine Aufgaben mit viel Energie und unterstützt, wo es nur kann", ergänzt Nadine Heym. "Wir versuchen, Zuversicht zu verbreiten. So etwas ist für alle Beteiligten eine Ausnahmesituation."