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Linke Aktivisten verbrennen Hunderte Fahnen in Nürnberg

Video zeigt Aktion auf dem Gelände der Umladehallen - Polizei ermittelt - 25.07.2018 14:46 Uhr

Luftaufnahmen zeigen die Flaggen, das Video wurde wohl mit einer Drohne gedreht. © Screenshot: YouTube/Capture the Flag


Mehrere Männer tragen prallgefüllte Plastik-Säcke und stapeln sie inmitten einer Ruine. Auf dem Boden liegt Schutt, Stahlträger ragen aus dem Beton. Eine riesige Deutschlandfahne wird ausgebreitet, auf ihr prangt der Bundesadler. Dutzende kleine Fahnen werden auf den Boden geworfen, Caps, Shirts, jede Menge Fanutensilien. Am Ende entsteht, zumindest aus der Luft gesehen, ein durchaus buntes Bild. Hunderte Flaggen, akurat zu einem Rechteck ausgelegt. "No <3 for a Nation" steht daneben. Und: "Capture The Flag 2018". Dann flammt ein Feuer auf. 

Es sind Bilder aus einem Video, dass linke Aktivisten bereits vor einigen Tagen auf YouTube veröffentlichten. Es zeigt, so sagen es die Initiatoren selbst, geklaute Fahnen, die auf dem Areal der alten Umladehallen im Nürnberger Süden verbrannt wurden. Es ist die Beute einer wochenlangen Aktion. Unmittelbar vor der Fußball-Weltmeisterschaft rief etwa die Linksjugend dazu auf, "Deutschland zu knicken". Konkret geht es darum, so viele Fan-Artikel wie möglich zu stehlen und zu vernichten.

Die Linksjugend wollte so den "vermeintlich harmlosen Party-Patriotismus" kritisieren, der während Fußball-Weltmeisterschaften hochkocht - und in Gewalttaten gegen Ausländer und Andersdenkende mündet. Zahlen nannte die Jugendorganisation der Partei Die Linke dafür aber nicht. In der Ankündigung damals hieß es: "Gerade vor dem Hintergrund des rechten Rollbacks müssen wir uns dem WM-Nationalismustaumel jetzt konsequent entgegenstellen."

Punkte für jeden geklauten Fan-Artikel

Der Aufruf fand offenbar Resonanz, auch in Franken. In einem Blog sammelten linke Aktivisten aus Nürnberg, Erlangen und Fürth ihre Ergebnisse. Neun Teams sind dort gelistet, sie heißen etwa "Markus Söder Hooligans" oder "NationHaterz". Für jeden Fan-Artikel sammelten sie während des Wettbewerbs Punkte. Eine Rückspiegelbezug etwa brachte fünf Zähler, eine Fahne im XXL-Format 160 - und Sonderartikel wie Polizeimützen oder Reichskriegsflaggen gleich 350 Punkte. Ein durchaus groteskes Kräftemessen. 

Die Nürnberger Polizei hatte bis zum Dienstag keine Kenntnis von dem Vorfall. Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Mittwoch mitteilte, sei nach der entsprechenden Anfrage das Gelände der Umladehallen am ehemaligen Nürnberger Südbahnhof aber untersucht worden. Dabei hätten die Kollegen "Rückstände" vorgefunden, die auf die Aktion hindeuten. Die Beamten haben nun Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruch und der Verunglimpfung von Staatssymbolen gestellt.

"Dürfen uns die Flagge nicht nehmen lassen" 

600 Artikel seien zusammengekommen, sagen die Aktivisten selbst. "Mit Voranschreiten der WM und insbesondere mit dem Ausscheiden der Deutschen nahm die Herausforderung zu: Um einen wirklich guten Schnapp zu machen, mussten sich die Teams immer wieder aus ihren Vierteln und Comfortzones herausbewegen", heißt es etwa auf dem linksextremistischen Blog indymedia.org. "Einige Teams entdeckten ungeahnte Ingenieurfähigkeiten und bastelten raffinierte Werkzeugkonstruktionen, um auch an scheinbar unerreichbare Punkte zu gelangen, die in einiger Höhe warteten." Die Liste an riskanten Coups sei lang - und dennoch sei keiner bei den Straftaten, immerhin geht es um Diebstahl, erwischt worden. Die Aktivisten resümieren: "Die deutsche Volksseele ist am Boden zerstört – so schön kann Fußball sein!"

Bereits vor der WM sorgte die Aktion für jede Menge Kritik, besonders in den sozialen Netzwerken. Die Unterstützung der DFB-Elf habe nichts mit Nationalismus zu tun, die Initiative sei deshalb völlig übertrieben. Die Junge Union stellt sogar Strafanzeige gegen die Linksjugend. "Wir haben keinen Grund uns für unser Land und unsere Errungenschaften, wie der Freiheit, in der wir leben können, zu schämen", sagte etwa der Wiesbadener JU-Chef Dennis Friedrich. "Wir dürfen uns unsere Flagge nicht nehmen lassen." 

tl, jru

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