16°

Montag, 25.05.2020

|

zum Thema

Nach SPD-Schlappe: Bleibt Vogel Bürgermeister in Nürnberg?

CSU versprach, Julia Lehner zur Kulturbürgermeisterin zu befördern - 31.03.2020 06:00 Uhr

Seit 2014 ist Christian Vogel als Bürgermeister in Nürnberg im Amt. Doch sollte die CSU ihr Versprechen umsetzen, wird nun Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) zur Kulturbürgermeisterin befördert © Stadt Nürnberg


Wenn die CSU ihr Wahlversprechen umsetzt, wird Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) zur Kulturbürgermeisterin befördert. Christian Vogel (SPD) könnte dann wohl allenfalls als Dritter Bürgermeister weitermachen. Doch das hängt vom künftigen Rathaus-Bündnis ab. Auch am Tag nach der Stichwahl sitzt Vogel frühmorgens in seinem holzgetäfelten Büro im zweiten Stock des Rathauses Wolffscher Bau mit Blick auf die Sebalduskirche.


Markus König gewinnt: Reaktionen zur Nürnberger Stichwahl im Netz


Man kann sich gut vorstellen, dass er keine besonders ruhige Nacht hinter sich hat. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagt er am Telefon. Enttäuscht vom Abschneiden von Thorsten Brehm (SPD), der Marcus König in einem spannenden Wahlkrimi unterlegen ist. Die Schlappe für die Genossen könnte sich auch auf Vogels Karriere auswirken. Dabei würde er gern weitermachen als Bürgermeister. Er sei "verwurzelt" mit dieser Aufgabe, "ich mache das mit Herzblut", sagt er, was wohl auch von der politischen Konkurrenz niemand bestreiten dürfte.

Bilderstrecke zum Thema

"Unglaublicher Erfolg": Die Reaktionen zum Machtwechsel in Nürnberg

Nürnberg hat gewählt! CSU-Mann Marcus König setzte sich in der Stichwahl knapp gegen Thorsten Brehm (SPD) durch - ein historischer Erfolg. Hier kommen die Reaktionen zum Ergebnis der Stichwahl.


Kommunalwahl hat die Machtverhältnisse umgekehrt

Vogel ist seit 2014 Zweiter Bürgermeister und damit der erste Vertreter von OB Ulrich Maly (SPD). Er könne sich auch die Rolle des Dritten Bürgermeisters vorstellen, meint Vogel. "Wenn die Vorzeichen passen", schiebt der 50-Jährige nach. Wohl auch unter der Voraussetzung, dass er seinen Geschäftsbereich behalten kann: Aktuell ist Vogel für Nürnbergs Bäder, die Feuerwehr, den Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör), den Tiergarten, die Bürgerämter und das Stadion zuständig. Macht rund 2000 Mitarbeiter.


Marcus König: So tickt der neue OB von Nürnberg


Die Kommunalwahl hat die Machtverhältnisse umgekehrt im Rathaus. Bislang stellte die SPD den OB und als stärkste Fraktion im Stadtrat mit Vogel auch den Zweiten Bürgermeister. Die zweitgrößte Fraktion, zuletzt die CSU, konnte als Bündnispartner der SPD den Dritten Bürgermeister-Posten besetzen. Die Konservativen hatten Klemens Gsell (CSU), zuständig für Schule und Sport, dorthin entsandt. Wer jetzt den Job des Dritten Bürgermeisters übernimmt, hängt vom künftigen Rathaus-Bündnis ab. "Es hängt davon ab, wie die Gespräche mit der CSU laufen und wie die Zusammenarbeit aussehen wird", so Vogel weiter. "Dann werden wir sehen, ob wir einen Bürgermeister stellen und ob ich das dann mache."

Bilderstrecke zum Thema

Herzlichen Glückwunsch! Das sind die neuen Bürgermeister in der Region

Die Wähler haben entschieden, wer von nun an die Geschicke in den Städten in der Region Nürnberg leiten darf. In einigen Fällen kam es aber wie erwartet zur Stichwahl am 29. März. Wir haben die Übersicht über alle Gewinner!


"Das darf aber keine Rosinenpickerei werden"

Vogel würde sich eine Zusammenarbeit der großen Parteien im Rathaus wünschen. "Es muss im Sinne der Stadt ein möglichst breites Miteinander geben. Das hat unter Maly funktioniert." Vogel zeigt sich optimistisch, dass das auch unter dem neuen OB König klappen könnte. Er persönlich sieht dabei auch die Grünen mit im Boot. Wenn sich eine Partei von sechs auf 14 Mandate verbessere, dürfe sie auch den Anspruch erheben, stärker berücksichtigt zu werden.


"Unglaublicher Erfolg": Alle Stimmen zum OB-Beben bei der Stichwahl in Nürnberg


"Das darf aber keine Rosinenpickerei werden", schränkt Vogel ein. Würden die Grünen an der Stadtregierung beteiligt, müssten sie auch schwierige Entscheidungen mittragen. Marcus König hatte sich lange vor der Wahl, genauso wie sein Kontrahent Thorsten Brehm, für ein breites Bündnis im Rathaus ausgesprochen, falls er gewählt würde. Er will jetzt mit der SPD, aber auch mit den Grünen Gespräche suchen. Es kursieren verschiedene Spekulationen, wie die Grünen an einem solchen Bündnis mit mehr Macht beteiligt werden könnten.

Bilderstrecke zum Thema

Amtlich: Das sind die zwölf Landräte in der Region

Wer regiert das Land? Natürlich die Landräte: Nach den Stichwahlen stehen jetzt auch alle Amtsinhaber in der Metropolregion Nürnberg fest. In einer Stadt geriet die Stichwahl sogar zum Krimi. Hier ist die Übersicht!


Manche Grüne träumen sogar von einem Bürgermeister-Posten. Eine andere Variante ist: Für die erstarkte Öko-Partei könnte theoretisch ein neues und damit ein zweites Referat geschaffen werden. Bislang stellen die Grünen mit Peter Pluschke den Umweltreferenten. Britta Walthelm (Grüne) wird ihm im Mai nachfolgen. Julia Lehner, die mit Maly zusammen an die Macht kam und seit dem Jahr 2002 Kulturreferentin der Stadt ist, könnte nun also Kulturbürgermeisterin werden.

"Das ist nichts absolut Neues für mich"

Mit dieser Aussage ist die CSU in den Wahlkampf gezogen. "Sie soll unsere Stadt als Kulturbürgermeisterin weit über die Grenzen hinaus vertreten", lautete die Devise. Das Kalkül der CSU war auch, auf die bekannteste Kommunalpolitikerin, die die Partei in Nürnberg hat, zu setzen. Als Zweite Bürgermeisterin würde Lehner die Aufgaben weiterführen, die sie jetzt als Kulturreferentin hat. Lehner verantwortet die Bewerbung Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören zum Beispiel auch die städtischen Museen, das Amt für Kultur und Freizeit, der Bildungscampus, das KunstKulturQuartier oder das Stadtarchiv.

Zusätzlich würden Repräsentationspflichten auf sie zukommen, weil die Bürgermeister den OB vertreten. Bei Vogel machen diese bislang seinen Angaben zufolge etwa die Hälfte seiner Arbeit aus. Sie reichen von Veranstaltungen bei Kleingartenvereinen, über die Gratulation zum 100. Geburtstag bis hin zu Empfängen für die unterschiedlichsten Organisationen. "Das ist nichts absolut Neues für mich", sagt Lehner. "Ich habe auch heute schon immer mal den OB vertreten." Die Kultur würde mit dem Bürgermeister-Posten deutlich aufgewertet in Nürnberg. "Das hat die Kultur auch verdient", sagt die Referentin. Denn Kultur trage sehr viel zur Stadtentwicklung bei. Womöglich gäbe diese Aufwertung auch dem Bewerbungsprozess um den Titel Kulturhauptstadt 2025 einen Schub mit. Lehner: "Das könnte sehr gut wahrgenommen werden."

24

24 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg