Nach SPD-Schlappe: Bleibt Vogel Bürgermeister in Nürnberg?

Sabine Stoll
Sabine Stoll

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31.3.2020, 06:00 Uhr
Seit 2014 ist Christian Vogel als Bürgermeister in Nürnberg im Amt. Doch sollte die CSU ihr Versprechen umsetzen, wird nun Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) zur Kulturbürgermeisterin befördert

Seit 2014 ist Christian Vogel als Bürgermeister in Nürnberg im Amt. Doch sollte die CSU ihr Versprechen umsetzen, wird nun Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) zur Kulturbürgermeisterin befördert © Stadt Nürnberg

Wenn die CSU ihr Wahlversprechen umsetzt, wird Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) zur Kulturbürgermeisterin befördert. Christian Vogel (SPD) könnte dann wohl allenfalls als Dritter Bürgermeister weitermachen. Doch das hängt vom künftigen Rathaus-Bündnis ab. Auch am Tag nach der Stichwahl sitzt Vogel frühmorgens in seinem holzgetäfelten Büro im zweiten Stock des Rathauses Wolffscher Bau mit Blick auf die Sebalduskirche.


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Man kann sich gut vorstellen, dass er keine besonders ruhige Nacht hinter sich hat. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagt er am Telefon. Enttäuscht vom Abschneiden von Thorsten Brehm (SPD), der Marcus König in einem spannenden Wahlkrimi unterlegen ist. Die Schlappe für die Genossen könnte sich auch auf Vogels Karriere auswirken. Dabei würde er gern weitermachen als Bürgermeister. Er sei "verwurzelt" mit dieser Aufgabe, "ich mache das mit Herzblut", sagt er, was wohl auch von der politischen Konkurrenz niemand bestreiten dürfte.

Kommunalwahl hat die Machtverhältnisse umgekehrt

Vogel ist seit 2014 Zweiter Bürgermeister und damit der erste Vertreter von OB Ulrich Maly (SPD). Er könne sich auch die Rolle des Dritten Bürgermeisters vorstellen, meint Vogel. "Wenn die Vorzeichen passen", schiebt der 50-Jährige nach. Wohl auch unter der Voraussetzung, dass er seinen Geschäftsbereich behalten kann: Aktuell ist Vogel für Nürnbergs Bäder, die Feuerwehr, den Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör), den Tiergarten, die Bürgerämter und das Stadion zuständig. Macht rund 2000 Mitarbeiter.


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Die Kommunalwahl hat die Machtverhältnisse umgekehrt im Rathaus. Bislang stellte die SPD den OB und als stärkste Fraktion im Stadtrat mit Vogel auch den Zweiten Bürgermeister. Die zweitgrößte Fraktion, zuletzt die CSU, konnte als Bündnispartner der SPD den Dritten Bürgermeister-Posten besetzen. Die Konservativen hatten Klemens Gsell (CSU), zuständig für Schule und Sport, dorthin entsandt. Wer jetzt den Job des Dritten Bürgermeisters übernimmt, hängt vom künftigen Rathaus-Bündnis ab. "Es hängt davon ab, wie die Gespräche mit der CSU laufen und wie die Zusammenarbeit aussehen wird", so Vogel weiter. "Dann werden wir sehen, ob wir einen Bürgermeister stellen und ob ich das dann mache."

"Das darf aber keine Rosinenpickerei werden"

Vogel würde sich eine Zusammenarbeit der großen Parteien im Rathaus wünschen. "Es muss im Sinne der Stadt ein möglichst breites Miteinander geben. Das hat unter Maly funktioniert." Vogel zeigt sich optimistisch, dass das auch unter dem neuen OB König klappen könnte. Er persönlich sieht dabei auch die Grünen mit im Boot. Wenn sich eine Partei von sechs auf 14 Mandate verbessere, dürfe sie auch den Anspruch erheben, stärker berücksichtigt zu werden.


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"Das darf aber keine Rosinenpickerei werden", schränkt Vogel ein. Würden die Grünen an der Stadtregierung beteiligt, müssten sie auch schwierige Entscheidungen mittragen. Marcus König hatte sich lange vor der Wahl, genauso wie sein Kontrahent Thorsten Brehm, für ein breites Bündnis im Rathaus ausgesprochen, falls er gewählt würde. Er will jetzt mit der SPD, aber auch mit den Grünen Gespräche suchen. Es kursieren verschiedene Spekulationen, wie die Grünen an einem solchen Bündnis mit mehr Macht beteiligt werden könnten.

Manche Grüne träumen sogar von einem Bürgermeister-Posten. Eine andere Variante ist: Für die erstarkte Öko-Partei könnte theoretisch ein neues und damit ein zweites Referat geschaffen werden. Bislang stellen die Grünen mit Peter Pluschke den Umweltreferenten. Britta Walthelm (Grüne) wird ihm im Mai nachfolgen. Julia Lehner, die mit Maly zusammen an die Macht kam und seit dem Jahr 2002 Kulturreferentin der Stadt ist, könnte nun also Kulturbürgermeisterin werden.

"Das ist nichts absolut Neues für mich"

Mit dieser Aussage ist die CSU in den Wahlkampf gezogen. "Sie soll unsere Stadt als Kulturbürgermeisterin weit über die Grenzen hinaus vertreten", lautete die Devise. Das Kalkül der CSU war auch, auf die bekannteste Kommunalpolitikerin, die die Partei in Nürnberg hat, zu setzen. Als Zweite Bürgermeisterin würde Lehner die Aufgaben weiterführen, die sie jetzt als Kulturreferentin hat. Lehner verantwortet die Bewerbung Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören zum Beispiel auch die städtischen Museen, das Amt für Kultur und Freizeit, der Bildungscampus, das KunstKulturQuartier oder das Stadtarchiv.

Zusätzlich würden Repräsentationspflichten auf sie zukommen, weil die Bürgermeister den OB vertreten. Bei Vogel machen diese bislang seinen Angaben zufolge etwa die Hälfte seiner Arbeit aus. Sie reichen von Veranstaltungen bei Kleingartenvereinen, über die Gratulation zum 100. Geburtstag bis hin zu Empfängen für die unterschiedlichsten Organisationen. "Das ist nichts absolut Neues für mich", sagt Lehner. "Ich habe auch heute schon immer mal den OB vertreten." Die Kultur würde mit dem Bürgermeister-Posten deutlich aufgewertet in Nürnberg. "Das hat die Kultur auch verdient", sagt die Referentin. Denn Kultur trage sehr viel zur Stadtentwicklung bei. Womöglich gäbe diese Aufwertung auch dem Bewerbungsprozess um den Titel Kulturhauptstadt 2025 einen Schub mit. Lehner: "Das könnte sehr gut wahrgenommen werden."

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