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NN und NZ: Die ungleichen Schwestern

Beide Zeitungen arbeiten enger zusammen – um sich mehr zu unterscheiden - 30.01.2018 09:54 Uhr

Redaktionen unter einem Dach: NN, NZ und das gemeinsame Online-Portal nordbayern.de haben ihren Sitz im Pressehaus an der Marienstraße in Nürnberg. © Foto: Klaus Lehnberger


Die massiven Stahltüren im Inneren des Pressehauses, die die Redaktionen von NN und NZ trennen, sind meistens geschlossen. Nicht, weil man die Kolleginnen und Kolleginnen aus dem jeweils anderen Haus nicht riechen könnte; nein, der Brandschutz fordert seinen Tribut. Jetzt aber wird der Verkehr zwischen den beiden Häusern an der Marienstraße 9 zunehmen. Der "Integrierte Newsdesk" im zweiten Stock des NN-Gebäudes nimmt die Arbeit auf, und an diesem sitzen gemeinsam mit den Kollegen von "nordbayern.de" die planenden Redakteurinnen und Redakteure von NN wie von NZ.

Ziel dieser verstärkten Zusammenarbeit ist es, aus der Mannigfaltigkeit der Themen, die die Redaktionen täglich erarbeiten, das für die jeweiligen Leser Optimale zu machen. Es gibt weit über den Großraum Nürnberg hinaus kein anderes Medienhaus, das durch die Redaktionszentralen in Nürnberg, die Außenredaktionen und den Kooperationsverbund mit den zahlreichen Heimatverlagen im Umland eine vergleichbare Dichte und Qualität von Nachrichten, die die Öffentlichkeit angehen, liefern kann. Im Vordergrund steht nun aber nicht mehr das Denken in getrennten Produkten – gedruckten und digitalen -, sondern die Wichtigkeit und das publizistische Potenzial jedes Themas in Bezug auf die einzelnen Medien. Das wird mit dem "Integrierten Desk" erheblich einfacher. Und in für Presseverlage schwierigen Zeiten ist es einfach sinnvoll, alle Mittel konzentriert einzusetzen.

Schnelligkeit und Plakativität sind Merkmale, die für den Online-Journalismus wesentlich sind. NN und NZ erheben den Anspruch, dass sie die Schnellsten und Besten sind, die über ihr gemeinsames Online-Portal nordbayern.de und die sozialen Medien wesentliche Neuigkeiten aus Nürnberg und der Region verbreiten. Mit der klassischen Zeitung, ob nun gedruckt oder als digitales E-Paper, ist der Aktualitätenwettbewerb im Zeitalter der Internetmedien nicht zu gewinnen.

Die Redaktionen von NN und NZ haben daher längst begonnen, den vermeintlichen Nachteil, dass die Zeitungen immer erst einen Tag, nachdem etwas passiert ist, erscheinen, zu ihrem Vorteil zu machen. Indem die Zeit genutzt wird für tiefergehende Recherche, facettenreichere Betrachtung, hintergründigere Analyse und fundiertere Bewertung.

Wie schon bisher, so wird es der Ehrgeiz von NN und NZ bleiben, sich an jedem Erscheinungstag ganz wesentlich zu unterscheiden und dabei Sie, die Leser, im Blick zu haben. Die jeweiligen Profile entwickeln sich nicht aus dem, was zur täglichen Chronistenpflicht gehört und in jeder Zeitung stehen muss. Die Unterschiede sind es, die NN und NZ ausmachen. Das war in der Vergangenheit so, und es wird in der Zukunft so bleiben.

NN und NZ verbindet seit Anfang der 1960er Jahre eine gemeinsame Geschichte, die Wurzeln der NZ aber reichen viel weiter zurück. Man schrieb das Jahr 1804, als drei angesehene Herren in Nürnberg, der fürstlich hohenlohische Gesandte beim Fränkischen Kreistag, Josef von Schaden, der württembergische Gesandte Graf von Taube und der Kartograph Major Hammer den "Fränkischen Kreiscorrespondenten" gründeten und die Zielsetzung so beschrieben. "Die politisch-literarische Zeitung erscheint seit dem 1. Oktober 1804 in Nürnberg. Bisher ist die Lage dieser Stadt, in dem Mittelpunkte von Deutschland, in dieser Hinsicht nicht benutzt worden; und dennoch ist sie eine der vorteilhaftesten, die sich denken lässt. Beinahe jede Stunde kommen aus allen Teilen Europas Journalposten an und gehen wieder dahin (. . .) Keine deutsche Zeitung aus dem südlichen Deutschland kann französische, spanische und holländische Nachrichten so früh geben, als diese (. . .)". Seit 1913 erscheint das Blatt als "Nürnberger Zeitung". 1943 wurde die NZ von der "Fränkischen Tageszeitung", dem Parteiblatt der Nationalsozialisten, übernommen. Das wurde ihr nach dem Krieg zum Verhängnis, denn die Besatzungsmächte waren es nun, die Lizenzen für den Druck von demokratisch gesinnten Zeitungen ausgaben.

In Nürnberg erhielt diese Lizenz Joseph Drexel, der im Widerstand gegen Hitler engagiert war. Mit der Zeitungslizenz Nummer drei in Bayern kamen die "Nürnberger Nachrichten" auf den Markt, erstmals am 11. Oktober 1945. Von Anfang an verstanden sich die NN als Medium mit einer eher linksliberalen Tendenz. Die NZ konnte erst im Herbst 1949 den Neuanfang wagen – als bürgerlich-konservative Alternative.

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Der Newsdesk von NN, NZ und nordbayern.de

Der Verlag Nürnberger Presse hat umgebaut: NN, NZ und nordbayern.de arbeiten seit Januar 2018 an einem gemeinsamen Newsdesk. Kommen Sie mit auf einen Rundgang durch unsere rund 400 Quadratmeter große Schaltzentrale!


Während die NN nicht nur in Nürnberg erschienen, sondern mit ihren Ablegern zum Beispiel auch in Erlangen und Fürth, blieb die NZ auf die Stadt beschränkt. Zudem schlossen die NN unter dem späteren Verleger Bruno Schnell ab 1959 Kooperationen mit den zahlreichen Heimatverlagen im Nürnberger Umland – das sogenannte "Nürnberger Modell" entstand. 1961 dann erwarben die Gesellschafter der Nürnberger Nachrichten in mehreren Schritten die Anteile am Verlag der Nürnberger Zeitung, die seit dieser Zeit zur Unternehmensgruppe Nürnberger Nachrichten gehört. Von Anfang an war das Ziel nicht der Verdrängungswettbewerb, sondern publizistische Vielfalt. So wurde ab 1971 das "Nürnberger Modell" erweitert und den Partnern im Umland schrittweise ermöglicht, die Leser ihrer Zeitungen zwischen beiden überregionalen "Zeitungs-Mänteln" wählen zu lassen. Auch dies ist ein Erfolgsmodell.

Und auch die Kunden des gemeinsamen Werbeträgers aus beiden Zeitungstiteln und ihrer Partnerverlage profitieren von der größten Reichweite aller Medien in Franken und der besonderen Bindung zwischen Lesern und ihren Zeitungen.

Durch die intensivere Zusammenarbeit der Redaktionen haben Sie auch in Zukunft die Möglichkeit, zwischen zwei Qualitätszeitungen zu wählen, die sich in Inhalt, Optik und journalistischer Bewertung stark unterscheiden – und somit ihren Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten, die für eine funktionierende Demokratie essentiell ist. Sie werden eigenständig erstellt und von den jeweiligen Chefredaktionen verantwortet.

Die vielfältigen technischen Hilfsmittel am "Integrierten Desk" werden uns die Arbeit erleichtern. Freuen Sie sich auf interessante Zeitungen, ein noch besseres Internet-Angebot und maßgeschneiderte neue Produkte in der Zukunft.

Stephan Sohr E-Mail

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