Hearing in St. Egidien

Nürnberg: Heftige Diskussion um Schwarzes Pellerhaus

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Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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5.10.2021, 09:42 Uhr
Eine Montage des Kunsthistorikers Theo Noll zeigt direkt am historischen Pellerhaus (Bildmitte) den möglichen Neubau des Schwarzen Pellerhauses (links).

Eine Montage des Kunsthistorikers Theo Noll zeigt direkt am historischen Pellerhaus (Bildmitte) den möglichen Neubau des Schwarzen Pellerhauses (links). © Theo Noll

Soll das Schwarze Pellerhaus als Rekonstruktion an das denkmalgeschützte Pellerhaus gebaut werden? Bei einem öffentlichen Hearing in der Egidienkirche prallten die Meinungen aufeinander. Auf Einladung des Baureferats lieferten sich Vertreter der Altstadtfreunde, des Baukunstbeirats, der Initiative Pro Pellerhaus und der Regionalgruppe des Bunds der Architekten eine lebhafte Diskussion.

Den ganzen Egidienberg im Blick behalten

Eine wesentliche Forderung war, das Bauvorhaben des Schwarzen Pellerhauses nicht isoliert zu betrachten, sondern den ganzen Egidienberg in den Blick zu nehmen. Dieser Appell ist zwar keineswegs neu. Doch die Podiumsteilnehmer hatten den Eindruck, dass die Gesamtheit der Fläche immer noch viel zu wenig berücksichtigt wird. "Die Bevölkerung nimmt den Egidienplatz nicht als Platz wahr, sondern nur als Parkplatz", merkte Hausherr Martin Brons, Pfarrer von St. Egidien, an.

Es geht neben der Reduzierung von Stellplätzen und mehr Grün auch um die Frage, wie die obere Raumkante des Platzes angemessen zu gestalten ist. Professor Barbara Engel vom städtischen Baukunstbeirat wollte wissen: Wie fügt sich ein Neubau in die Umgebung ein? Welchen Beitrag leistet er für die Zukunft des Quartiers?

Damit war man bei der Frage, ob neben dem historischen Pellerhaus überhaupt ein weiteres Gebäude benötigt wird und wie sich dies mit der vorhandenen Grünfläche auf dem Areal des einstigen Schwarzen Pellerhauses und des zerstörten Peststadels verträgt.

Vorschlag der Stadt

Der Hintergrund: Die Stadt hatte den Altstadtfreunden vorgeschlagen, das Schwarze Pellerhaus zu bauen. Denn das geplante, kommunale "Haus des Spiels" im Pellerhaus muss auf dem dortigen Grundstück einen zweiten Rettungsweg schaffen - ein Treppenhaus mit Aufzug. Die Altstadtfreunde zeigten sich bereit, diesen Rettungsweg in einen schmalen Neubau zu integrieren, wenn dieser die historische Fassade des Schwarzen Pellerhauses trägt.

"Die Stadt hat Verhandlungen im Hinterzimmer geführt, obwohl noch gar nicht klar ist, was man an dieser Stelle benötigt. Und am Schluss hat sie klein beigegeben", kritisierte Brigitte Sesselmann von Pro Pellerhaus, die eine Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses entschieden ablehnt. Sie fordert "Respekt" vor dem historischen Pellerhaus und der Leistung des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit.

"Keine dramatische Beeinträchtigung"

Professor Thomas Will, Vorsitzender des städtischen Baukunstbeirats, hält dagegen eine Rekonstruktion nicht für unmöglich und sieht darin auch "keine dramatische Beeinträchtigung" des Pellerhauses, aber: "Zuerst muss man das Projekt sorgfältig vorbereiten, das hat die Stadt nicht getan." Er forderte eine sachliche Diskussion und eine Klärung der offenen Fragen: "Mir fehlt die eigentliche Bauaufgabe: "Wozu soll das Haus überhaupt dienen?" Will hat den Eindruck, dass es nur Teilideen gibt, die sich nicht zu einem Ganzen zusammenfügen.

Eine zweite Montage: So würde sich das Schwarze Pellerhaus - aus weiterer Entfernung gesehen - in die Umgebung einfügen.

Eine zweite Montage: So würde sich das Schwarze Pellerhaus - aus weiterer Entfernung gesehen - in die Umgebung einfügen. © Theo Noll

Karl-Heinz Enderle als Vorsitzender der Altstadtfreunde verteidigte das Vorhaben: Ein Architekt hat bereits einen ersten Entwurf erstellt. Auf engstem Raum wäre Platz für Büros, der Rettungsweg mit Aufzug wirft jedoch Probleme auf. Denn die Stockwerke des geplanten Neubaus und des historischen Pellerhauses sind unterschiedlich. Trotzdem: "Es würde funktionieren und das Haus würde auch die Platzkante oben am Berg schließen", meint Enderle.

Deutlicher Widerstand

Ihm ist unverständlich, dass gerade dieses Projekt so deutlichen Widerstand hervorruft. Schließlich gebe es in Nürnberg viele Neubauten unmittelbar neben denkmalgeschützten Häusern. Und häufig hätten diese keine Rücksicht auf die Umgebung genommen. Kunsthistoriker Theo Noll befürwortet ebenfalls eine Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses, auch wenn es nur eine Fassade wäre: "Sie würde eine wunderbare Verzahnung mit dem Vorhandenen schaffen", meint der Vertreter des Fördervereins Kulturhistorisches Museum.

"Es sind noch viele Hausaufgaben zu machen, sowohl bei den Überlegungen für das Schwarze Pellerhaus wie auch für die Weiterentwicklung des Platzes", fasste Moderator André Fischer, Chefredakteur der Nürnberger Zeitung, als Ergebnis des Hearings zusammen.​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

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