Bürgerversammlung

Nürnberg: Riesenärger über E-Roller und Nachverdichtung in Hinterhöfen

Das
Alexander Brock

Lokales

E-Mail zur Autorenseite

30.10.2021, 11:02 Uhr
Sie stehen kreuz und quer auf Gehwegen und Grünanlagen: Die Empörung über abgestellte E-Roller im öffentlichen Rum wächst. Bei einer Bürgerversammlung in Nürnberg haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrem Ärger Luft gemacht.

Sie stehen kreuz und quer auf Gehwegen und Grünanlagen: Die Empörung über abgestellte E-Roller im öffentlichen Rum wächst. Bei einer Bürgerversammlung in Nürnberg haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrem Ärger Luft gemacht. © imago images/Achille Abboud, NN

Eine der Tribünen in der Kia Metropolarena ist gut besetzt. Unten auf dem Spielfeld sitzt die Stadtspitze um Oberbürgermeister Marcus König (CSU) und bemüht sich um Harmonie. Es ist Bürgerversammlung und es gilt, freundlich zu bleiben - auch wenn Teilnehmer das Wort ergreifen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Etwa so: "Jetzt sind Sie schon so lange im Amt, gegen den Saustall in Nürnberg haben Sie aber noch nichts gemacht." Worte an OB König von einem Südstadt-Bürger, der sich über "zunehmende Vermüllung" ärgert.

Die meisten Redner aber werden konkret und benennen, wo es hakt. Eingeladen sind Bürger aus dem Süden und Westen Nürnbergs aus insgesamt 27 Stadtteilen. Die größten Themen: die Verdichtung bereits sehr dicht bebauter Quartiere, Ärger mit E-Rollern, Parkplatzmangel, Lichtverschmutzung und Müll.

Hinterhöfe werden "vollgestopft"

Klaus Thaler vom Bürgerverein St. Leonhard/Schweinau macht mit Blick auf die Stadtplanung auf die "trübe Seite" aufmerksam. "St. Leonhard etwa hat das Zehnfache der Verdichtung von Erlenstegen", sagt er. Dennoch gehe man hier so weit, dass immer mehr Hinter- und Innenhöfe freigeräumt und mit sogenannten Town-Häusern "vollgestopft" werden. Thaler nennt Bauprojekte an der Ecke Orff- / Kreuzerstraße; Orff- und Heinrichstraße sowie in der Gustav-Adolf-Straße 25 - 27.

Doch die Wohnquartiere seien im Sommer "Glutöfen" und mit dem Klimawandel werde es schlimmer. "Paradox" sei, dass die Stadt zwar Begrünungen bezuschusse und immer wieder von Frischluftschneisen gegen eine Überhitzung spreche, aber bauliche Verdichtungen in sowieso schon engen Stadtteilen zulasse.

"Wahllos abgestellte E-Roller"

Baureferent Daniel Ulrich gibt dem Bürgervereins-Vorsitzenden Recht: "Inzwischen finden wir Nachverdichtung nicht mehr so toll." Hilfreich wäre, so Ulrich, wenn die Verwaltung frühzeitig von solchen Bauprojekten erfahre. "Wir kriegen das aber oft erst mit, wenn der Bebauungsplan eingereicht wird. Doch dann ist es zu spät." Sozialreferentin Elisabeth Ries ergänzt: "Jede Nachverdichtung löst auch einen Bedarf an Infrastruktur aus, also eine weitere Verdichtung." Dazu gehören Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen.

Albrecht Kippes vom Bürgerverein Siedlungen Süd ärgert sich über "wahllos abgestellte E-Roller". Ins selbe Horn stößt auch Ümit Sormaz vom Bürgerverein Nürnberg-Süd. "Die Roller werden einfach irgendwo hingeworfen, stehen kreuz und quer", sagt er. Doch die Hoffnung, das Roller-Chaos regeln zu können, dämpft Baureferent Ulrich: "Die Roller sind über alle Städte gekommen. Die Städte wollten das nicht, aber der Bund ließ das zu. Bleibt zu hoffen, dass die neue Regierung nachbessert und wir eine Satzung bilden können, in der Regeln definiert werden."

Leichenwagen auf öffentlichen Stellplätzen

Wie die Anwohner überhaupt noch öffentliche Parkplätze finden sollen, wenn in den Quartieren weiter nachverdichtet wird, das fragen einige Teilnehmer in ihren Wortmeldungen. Ein Anwohner aus der Südstadt moniert, dass "zunehmend gewerbliche Fahrzeuge den öffentlichen Raum zuparken". Er kenne einen Metzger mit 15 Lieferwagen, für nur einen gebe es Platz im Hof des Unternehmens. Der Rest stehe auf öffentlichem Grund. Auch die Leichenwagen eines Bestatters blockierten Stellplätze im Stadtteil. "Das kann doch nicht sein, dass jemand ein Gewerbe ausübt und im öffentlichen Raum seine Flotte parkt!"

Für Ulrich ist das nicht neu. "Manche Unternehmer geben ihren Mitarbeitern die Lieferwagen freundlicherweise auch als Dienstfahrzeuge nach Hause mit. Das ist unschön." Doch Fahrzeuge, die bis zu 7,5 Tonnen zugelassen sind, dürfen im öffentlichen Raum stehen. Anders sieht es mit Lkw aus, die 7,5 Tonnen überschreiten.

"Festbeleuchtung" im Südpunkt

Licht wird in manchen Ländern als Foltermittel eingesetzt, vor allem nachts, um Menschen am Schlaf zu hindern. Eine Anwohnerin der neuen BMW-Niederlassung in Schweinau regt sich dort über das "greislichste Licht überhaupt" auf. "Der Parkplatz der Niederlassung wird beleuchtet, eine Werbetafel strahlt grell rotierende Motive die ganze Nacht ab." Der Baureferent will das prüfen, ab 23 Uhr dürfe die Werbung nicht mehr leuchten, sagt er. ​​​​​​​Über die "Festbeleuchtung" ​​​​​​​des Südpunktes an der Pillenreuther Straße lässt sich ein anderer Bürger aus: "Das Licht dort ist nachts an, obwohl niemand mehr im Gebäude ist." Selbst in der monatelangen Corona-Phase habe ständig Licht gebrannt. "Ich hab da mal einen Mitarbeiter gefragt, der sagte, dass sich das Licht nicht ausschalten lasse."

Zuständig für das Lern-, Kultur- und Bildungshaus Südpunkt ist Kulturbürgermeisterin Julia Lehner. Dass ausgerechnet im Niedrigenergiehaus überflüssigerweise Licht brenne, sei nicht gut. "Ich hab gleich meine Mitarbeiter angeschrieben." Der Hinweis werde geprüft.

10 Kommentare