Nürnbergs Freibad-Saison: Schlechtestes Ergebnis seit 20 Jahren

Hartmut Voigt
Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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12.10.2020, 05:54 Uhr
Die Reinigungsarbeiten waren in der Freibadsaison 2020 - wie hier im Westbad - coronabedingt noch gründlicher als gewöhnlich.

Die Reinigungsarbeiten waren in der Freibadsaison 2020 - wie hier im Westbad - coronabedingt noch gründlicher als gewöhnlich. © Michael Matejka

Zwar ist die Besucherzahl weiterhin begrenzt, um der Infektion mit dem gefährlichen Virus vorzubeugen. Doch die drei Saunas (im Südstadtbad, Langwasserbad und Katzwangbad) sind seit 1. Oktober in Betrieb. Jeweils bis zu 30 Personen dürfen dort gleichzeitig schwitzen - bei entsprechendem Abstand.

Nur die beliebten Aufgüsse und Schüttungen sind verboten: Aerosole könnten sich in dem Dampf verbreiten. Auch das Duschen ist in den Hallenbädern wieder erlaubt, allerdings dürfen nur zwei Gäste gleichzeitig die Brausen benutzen.

Ein mickriges Ergebnis

Damit sind die guten Nachrichten schon nahezu erschöpft, die Freibadsaison gibt heuer keinen Anlass zum Jubel. Nur 160.602 Schwimmer(innen) hatten Online-Tickets für Westbad, Stadionbad oder Naturgartenbad gelöst. Ein mickriges Ergebnis, wenn man an die 263.063 Besucher im Jahr 2019 denkt.

Am Eingang zum Westbad wurden Metallgitter aufgestellt, um geordnete Warteschlangen mit Abstand zueinander zu bilden und einen Menschenauflauf direkt vor dem Eingang zu vermeiden.

Am Eingang zum Westbad wurden Metallgitter aufgestellt, um geordnete Warteschlangen mit Abstand zueinander zu bilden und einen Menschenauflauf direkt vor dem Eingang zu vermeiden. © Michael Matejka

Doch natürlich sind die mageren Zahlen mit den Zugangsbeschränkungen erklärbar. Nur jeweils 500 Menschen durften sich gleichzeitig in den Freibädern aufhalten, anfangs war sogar nur 320 für das Naturgartenbad und 360 für West- und Stadionbad erlaubt.

Freibäder öffneten erst im Juni

"Wir sind froh, dass wir unseren Kunden überhaupt ein Angebot machen konnten", berichtet Manuela Schneider, Verwaltungsleiterin beim NürnbergBad. Denn zunächst blieben die Freibäder geschlossen. Statt wie üblich Ende April/Anfang Mai waren sie erstmals am 8. Juni geöffnet.

Ein ausgefeiltes Hygiene-Konzept sollte zugleich verhindern, dass die Freibäder zu Corona-Ansteckungsherden werden: Das hat offenbar geklappt, denn die namentlich erfassten Besucher mussten kein einziges Mal wegen Corona-Verdachts an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Daten wurden jeweils nach vier Wochen vernichtet, versichert NürnbergBad.

Während der Desinfektion stundenweise zu

Die Bäder waren täglich mehrfach für eine Stunde geschlossen, um Umkleidekabinen, Toiletten, Handläufe, Türklinken und anderes mehr zu desinfizieren. Während dieser Reinigungsintervalle mussten sämtliche Gäste die Anlagen verlassen.

Auch für das Schwimmen gab es feste Regeln: Nur "Kreisverkehr" war in den Becken erlaubt. Das Personal achtete darauf, dass auch im Wasser der geforderte Sicherheitsabstand eingehalten wurde. Gleiches galt für die Liegewiesen.

Mehrkosten für Personal

"Wir sind überrascht, wie gut alles geklappt hat", meint Schneider. Weniger zufrieden dürfte man mit der finanziellen Seite sein: Geringere Einnahmen aufgrund der personellen Beschränkungen auf der einen Seite, Mehrkosten für Desinfektionsmittel und zusätzliches Personal - etwa für die Reinigung oder Security am Eingang.

Bürgermeister Christian Vogel räumt ein, dass dieses Jahr "die rote Laterne" übernommen hat, wenn man es mit den 20 zurückliegende+n Jahren vergleicht. Finanziell war 2020 alles andere als erfreulich. "Wenn man aber die Gesamtsituation bewertet, dann ist das Ergebnis mehr als beachtlich: eine erfolgreiche Freibadsaison unter erschwerten Bedingungen", meint der Sozialdemokrat.

Hundebadetag fiel nicht aus

Beliebte Sonderveranstaltungen wie die "Vintage Pool Party" oder die "Sommer-Filmnächte" wurden abgesagt. Dagegen konnte der "Hundebadetag" zum Abschluss der Freibadsaison stattfinden.

Unfälle gab es glücklicherweise deutlich weniger als in den Vorjahren: Neun Vorfälle wurden in den städtischen Freibädern gemeldet, die aber meist glimpflich ausgegangen sind. Mal musste eine Platzwunde versorgt werden, ein andermal behandelten Sanitäter einen Badegast mit Kreislaufproblemen.

Rutschen und Sprungtürme gesperrt

Für die Hallenbäder hat die Saison Mitte Juli begonnen, auch hier gelten neben den üblichen Corona-Regeln besondere Bestimmungen. So können nur 60 Besucher gleichzeitig ins Südstadt-, Langwasser- oder ins Nordostbad. Beim kleineren Katzwangbad liegt die Grenze bei 40 Personen. Die Eintrittskarten müssen ebenfalls online erworben werden.

Außerdem sind in den Hallen Rutschen und Sprungtürme vorsorglich gesperrt. Auch die Sprudeldüsen in den Becken des Südstadtbads und des Langwasserbads sind abgeschaltet. Man wolle keine Gefährdung durch Aerosole schaffen, heißt es zur Begründung.