Riss in der Außenwand: Schwere Schäden an der Lorenzkirche

23.4.2021, 18:19 Uhr
Wie ein Kunstwerk: Das Langhaus der Lorenzkirche ist eingerüstet, die Sanierung soll 2024 abgeschlossen sein.

Wie ein Kunstwerk: Das Langhaus der Lorenzkirche ist eingerüstet, die Sanierung soll 2024 abgeschlossen sein. © Roland Fengler/NNZ

Direkt am Eingang steht neben dem wuchtigen Opferstock aus Holz eine schlanke, elektronische Säule: "So wird digitales Spenden leicht gemacht", erklärt Günter Stibbe von der Evangelischen Bank, die der Kirchengemeinde das Gerät geschenkt hat.

Der Betrag wird individuell ausgewählt, dann kann man die Zuwendung bargeldlos mit Giro- oder Kreditkarte, Smartphone oder Smartwatch erledigen. Es ist bargeldloses Bezahlen wie im Einzelhandel.

700.000 Besucher pro Jahr

Vor der Pandemie kamen rund 700.000 Besucher pro Jahr in das mittelalterliche Gotteshaus und hinterließen Spenden in Höhe rund 300.000 Euro. Die Kirchengemeinde benötigt das Geld dringend für die auf 5,9 Millionen Euro geschätzte Sanierung des Langhauses und des Hallenchors, die seit 2019 läuft und bis 2024 abgeschlossen sein soll.

Massive Schäden müssen beseitigt werden: "Ein Riss geht durch die dicke Außenwand, man kann ins Freie hinausschauen", berichtet Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein. Der schwere Dachstuhl aus der Nachkriegszeit drückt die Wände nach außen, massive Zugbänder sollen die Kirche zusammenhalten.

Mittelalterliche Glasfenster wellen sich

Durch das schwere Gewicht kippt der sogenannte Apothekereingang, durch den die meisten Besucher die Kirche betreten, leicht nach außen. Und auch an den einzigartigen mittelalterlichen Glasfenstern zeigen sich beunruhigende Veränderungen: Sie beginnen sich zu wellen. Für die Verantwortlichen ist klar, dass der Erhalt der Substanz absoluten Vorrang hat.

Die evangelische Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein probiert den digitalen Geldspender aus. Die Säule ist ein Geschenk der Evangelischen Bank, die Günter Stibbe (rechts) vertritt.

Die evangelische Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein probiert den digitalen Geldspender aus. Die Säule ist ein Geschenk der Evangelischen Bank, die Günter Stibbe (rechts) vertritt. © Roland Fengler/NNZ

Unabhängig von der unverzichtbaren Sanierung steht noch die geplante Neugestaltung des westlichen Kirchenbereichs im Raum. Nach der massiven öffentlichen Kritik, einen riesigen Kubus (24 Meter lang, elf Meter hoch, elf Meter tief) einzubauen, ist man von dem Vorhaben in dieser Größe abgerückt.

"Planungen sind gestoppt"

Auch ein deutlicher Protest von 76 Professoren für Kunstgeschichte, Dombaumeisterinnen, Kunsthistorikerinnen, Museumsleitungen, Denkmalpflegern und Restauratoren hatte zum Umdenken geführt.

"Die Planungen sind gestoppt, wir geben dem Architekten bis Sommer Bescheid, wie es weitergeht", erklärt Pfarrerin Voigt-Grabenstein, "zuvor klären wir, was für den Betrieb der Kirche nötig ist."

Darüber machen sich ein Bauherren-Gremium unter Beteiligung von Landeskirche und Dekanat sowie der Kirchenvorstand derzeit Gedanken. Auch aus finanziellen Gründen soll das Vorhaben viel kleiner ausfallen. Im Herbst will man die Ergebnisse in einer Gemeindeversammlung vorstellen.

Von Termindruck befreit

Die evangelische Geistliche räumt ein, "dass wir manches zu schnell wollten, weil alles zum Kirchentag 2023 fertig sein sollte." Von diesem Termindruck habe man sich befreit. Die Überlegungen zur Umgestaltung finden jetzt ohne Verknüpfung mit der Großveranstaltung statt.

2 Kommentare