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So kämpft sich Nürnberger Müllabfuhr durch die Corona-Krise

Reserveteam im Einsatz - Müllberge nehmen in diesen Tagen zu - 26.03.2020 20:18 Uhr

Noch laufen in Nürnberg die Abholung und Entsorgung von Müll weitgehend reibungslos. Einschränkungen gibt es derzeit bei Problemmüll und Gartenabfällen. © picture alliance/dpa


"Der dramatische Flaschenhals ist die Müllverbrennung", sagt Reinhard Arndt, der Chef des kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebs ASN. Es ist nicht zu überhören, dass ihm mulmig ist, wenn er an den Fall der Fälle denkt. Der wäre: die Müllverbrennung abschalten, den Abfall aus Nürnberg, Fürth, Schwabach, den Landkreisen Nürnberger Land und Fürth provisorisch verpacken und auf der Deponie Süd am Marthweg zwischenlagern. Würde in der Anlage in St. Leonhard eine Schicht krankheitsbedingt ausfallen, stünde man schnell mit dem Rücken zur Wand, sagt Arndt. "Dort arbeiten schwer ersetzbare Spezialisten."



Die 100 Ingenieure, Techniker, Elektriker und Kranführer, die in zwei Schichten den 24-Stunden-Betrieb am Laufen halten, gehen sich jetzt zwar aus dem Weg, soweit das möglich ist. Gestaffelte Anfangszeiten in Büros und Werkstätten sind das eine, ein Reserveteam, das zuhause auf seinen Noteinsatz wartet, das andere. Doch Arndt gibt zu, dass sich soziale Kontakte nicht ganz vermeiden lassen: "Wenn zwei Mann eine schwere Pumpe einheben müssen, geht das nicht mit eineinhalb Metern dazwischen." In anderen Kommunen denkt man offenbar bereits darüber nach, sämtliche Mitarbeiter der Müllverbrennungsanlagen zu kasernieren und Zelte und Feldbetten aufzubauen.

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Erhebliche Staus vor Wertstoffhöfen

In Nürnberg hält man davon nichts. Wenn in solch einer "Kaserne" nur einer krank werde, müssten alle in Quarantäne, gibt Reinhard Arndt zu bedenken. Außerdem möchte er seinen Leuten ein Minimum an außerbetrieblichen Kontakten gönnen. Wer daheim sitzt, produziert mehr Müll. Der Werkleiter spricht hier bereits von einem "leichten Anstieg", den mittlerweile statt 41 nur noch 38 Teams an den Haustüren abholen. 30 Prozent der 200 Männer und wenige Frauen starken Belegschaft seien als Reserve nach Hause geschickt worden. Die Personallücken werden aus der Biomüll-Abfuhr gefüllt, die deshalb nur noch alle 14 Tage kommt.


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Die Nürnberger sind hier offenbar verwöhnt, die meisten anderen Städte, auch München, leeren Biotonnen mit größerem Zeitabstand. Zum Glück habe man aus den Zeiten von Vogel- und Schweinegrippe noch ausreichend Masken auf Lager, so Werkleiter Arndt. Im Müllauto, wo man sich nahekommt, werden sie aufgesetzt. Die meist fünfköpfigen Mannschaften bleiben fest zusammen, um das Infektionsrisiko zu minimieren "Das sind quasi eingeschworene Gemeinschaften." Geöffnet bleiben die sechs Wertstoffhöfe in der Stadt. Hier hat das sofort nach der Ausgangsbeschränkung einsetzende kollektive Ausmisten für Chaos gesorgt. Weil plötzlich jeder Zeit hatte, Keller und Dachboden zu entrümpeln, habe es "erhebliche Staus" gegeben, die ASN nun mit einer blockweisen Abfertigung verhindert.

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Notfallpläne greifen

Die Menschen können so ausreichend Abstand halten, wenn sie alte Möbel, Kühlschränke und Matratzen entsorgen, so das Kalkül. Reinhard Arndt bittet um ein schnelles Ende des Entrümpelungsrausches: "Fahrten zum Wertstoffhof sind zurzeit eigentlich gar nicht erlaubt." Nur wer dringend umziehen oder die Wohnung eines Verstorbenen schnell räumen müsse, dürfe 5 10 15 20 25 30 35 40 45 kommen – oder sogar die kommunalen Entrümpler nach Hause bestellen.

Wie läuft`s bei der Gelben Tonne? Der dafür zuständige Entsorger Hofmann in Büchenbach gibt Entwarnung. Man arbeite "in normalem Umfang", auch wenn Notfallpläne greifen. Dass das Geschäft mit Altpapier und weltweit gehandelten Sekundärrohstoffen durch Corona nicht einfacher wird, deutet Hofmann auf seiner Internetseite an: "Sobald Lieferketten unterbrochen werden, Abnehmer und/oder Lieferanten ausfallen, gerät das Marktgleichgewicht außer Balance." Das werde sich auch auf die Preise auswirken.


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