Softwareprobleme: Nürnbergs Corona-Inzidenz unter 200

11.1.2021, 12:43 Uhr
Gerade in den Nachtstunden ist Nürnberg wegen der geltenden Ausgangssperre wie ausgestorben. 

Gerade in den Nachtstunden ist Nürnberg wegen der geltenden Ausgangssperre wie ausgestorben.  © Michael Matejka

Null. Das Robert-Koch-Institut meldete für Nürnberg am Sonntag keine Neuinfektionen. Das Landesamt für Gesundheit zeigte dort, wo die Veränderung zum Vortag angezeigt wird, nur einen Strich. Was auf den ersten Blick beruhigend wirkte, bildete auf den zweiten aber eben nicht das Infektionsgeschehen im Stadtgebiet ab. Die Nicht-Meldung hat einen simplen Grund: Aus Nürnberg wurden am Wochenende keine neuen Zahlen übermittelt. Dementsprechend sank die Sieben-Tage-Inzidenz, der Wert, der für schärfere Maßnahmen und Lockerungen im Freistaat maßgeblich ist.

"Unsere Meldung wurde wohl am Samstag nicht an das LGL weitergegeben", sagt Nürnbergs Gesundheitsreferentin Britta Walthelm. Nach aktuellen Erkenntnissen der Stadt Nürnberg berücksichtigt der Inzidenzwert der Stadt nicht die vom Nürnberger Gesundheitsamt an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gemeldeten Infektionszahlen für den 8. und 9. Januar. Das Problem liegt an den Datenbanken des LGL, die aufgrund von Softwareproblemen die übermittelten Werte nicht verarbeiten können. Die Softwarefirma ist mit der Überprüfung und Behebung des Problems beauftragt worden, so die Stadt am Montag.

In der Nacht auf Montag (Stand: 0 Uhr) lag der Inzidenzwert, der für die Bewegungseinschränkung maßgeblich ist, bei 129,1 - und damit erstmals seit Monaten wieder unter dem kritischen Wert von 200. Nürnberg ist, zumindest nach bayerischer Definition, damit vorübergehend kein Hotspot mehr. Die Betonung liegt aber auf: vorübergehend. Die Nachmeldungen, die wohl zum Wochenstart an das RKI übermittelt werden, dürften die Inzidenz erneut in die Höhe schnellen lassen. Simple Mathematik.

Ob Nürnberg dann durch die Nachmeldungen wieder über den Schwellenwert von 200 springt, lässt sich nicht sicher sagen. Entwarnung kann Walthelm keinesfalls geben. "Ich gehe davon aus, dass wir sehr schnell wieder über den Wert von 200 kommen", sagt die Gesundheitsreferentin. Die Stadt Nürnberg rechnet mit Nachmeldungen in den nächsten Tagen und einem Inzidenzwert, der wieder über 200 liegen dürfte.


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Konkrete Auswirkungen hat das Unterschreiten der Grenze aber in jedem Fall. Zum Wochenstart gilt in Bayern der sogenannte 15-Kilometer-Bewegungsradius. Menschen aus einem Hotspot dürfen sich für Tagesausflüge nicht weiter als 15 Kilometer von der Außengrenze ihrer Kommune entfernen. Der Stichtag ist dabei erstmalig der Montag, wie das Innenministerium mitteilt - der Tag, an dem Nürnberg bei der Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 liegt. Dabei gelten die Zahlen, die um 0 Uhr dem RKI übermittelt werden. Die neue Maßnahme wird also zumindest vorerst nicht für das Stadtgebiet gelten.


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Andere Maßnahmen in Nürnberg bleiben bestehen

Sollte Nürnberg kommende Woche durch die Nachmeldungen den Grenzwert von 200 wieder überschreiten, wird der Weg zur Lockerung aber deutlich länger. Verwaltungsbehörden, so heißt es in der Änderung zur entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, können das "Außerkrafttreten der Regelungen (...) anordnen, wenn der (...) Inzidenzwert seit mindestens sieben Tagen in Folge unterschritten worden ist". Heißt: Nürnberg muss eine ganze Woche unter der Inzidenz von 200 liegen, damit der Radius wieder abgeschafft wird.

Trotz der gesunkenen Zahl der Neuinfektionen: Alle anderen Maßnahmen wie die nächtliche Ausgangssperre bleiben auch zum Wochenstart unberührt. Erst dann, wenn die Inzidenz in sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 200 liegt, kann die Stadt hier Lockerungen beschließen.