Startschuss: Siemens Mobility baut neue Nürnberger Straßenbahnen

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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7.12.2020, 19:17 Uhr
So wird sie aussehen, die neue Straßenbahn vom Typ Avenio. Das erste Fahrzeug möchte Siemens Mobility im Sommer 2022 liefern.

So wird sie aussehen, die neue Straßenbahn vom Typ Avenio. Das erste Fahrzeug möchte Siemens Mobility im Sommer 2022 liefern. © Peter Trautwein

Siemens Mobility hat den Auftrag Ende 2019 erhalten und baut die Fahrzeuge nun, nachdem die Bau- und Designpläne verabschiedet sind, im Siemens-Werk in Kragujevac in Serbien. Die Basisbestellung umfasst zwölf Bahnen vom Typ Avenio. Das erste Fahrzeug soll im Sommer 2022 geliefert und anschließend in Betrieb gesetzt werden.

Bis 2023 werden den Planungen zufolge alle Fahrzeuge ausgeliefert. Sie sollen vor allem das bisherige Angebot verstärken. Der Auftrag an Siemens beinhaltet auch verschiedene Optionen für den Bau von weiteren 75 Fahrzeugen, die bis Mitte der 2030er Jahre beauftragt werden können.

Beim Avenio handelt es sich laut VAG-Angaben um ein bewährtes Modell, das 100 Prozent Niederflur ist und damit einen stufenlosen Zugang ermöglicht. Auch im Fahrzeuginnenraum ist es komplett stufenlos und damit barrierearm. Lediglich die Sitze über den Rädern sind erhöht.

Flottes Ein- und Aussteigen

Auch wenn Nürnbergs neue Straßenbahn auf der Plattform des Siemens-Avenio aufsetzt, konnte die VAG eigene Vorstellungen und Bedürfnisse realisieren. So versprechen die Verkehrsbetriebe mehr Raum für ein zügiges Ein- und Aussteigen, aber auch ausreichend Abstellmöglichkeiten für Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühle und in Nebenverkehrszeiten auch für Fahrräder. Gleichzeitig hofft die VAG, bei ihren Kunden damit zu punkten, dass die Fahrzeuge ganzjährig klimatisiert und mit WLAN ausgestattet sind.

Und so sieht der neue Avenio von innen aus - mit genügend Platz für Rollstuhlfahrer.

Und so sieht der neue Avenio von innen aus - mit genügend Platz für Rollstuhlfahrer. © VAG

Tim Dahlmann-Resing, Vorstand Technik und Marketing der VAG, möchte trotz des erheblichen Rückgangs der Fahrgastzahlen infolge der Corona-Pandemie am Ziel festhalten, "der Verkehrswende in Nürnberg einen ordentlichen Schub zu geben". Dafür investiere die VAG in neue U-Bahnen, neue Straßenbahnen und in die E-Mobiltät im Busbereich, zusätzlich zu vielen anderen Investitionen von Stadt und VAG in den ÖPNV. "Wir brauchen einen starken ÖPNV, um unsere Kunden zurückzugewinnen, und um die richtige Antwort auf den Klimawandel zu geben", betont Dahlmann-Resing.

Mehr Verbindungen anbieten

Auf den bestehenden Linien möchte die VAG künftig mehr Verbindungen anbieten. Insbesondere dort, wo die Nachfrage in den nächsten Jahren erwartungsgemäß steigen wird. Dazu gehören unter anderem die Verbindung vom Hauptbahnhof in Richtung Business Tower sowie verschiedene Linien, die in der Südstadt unterwegs sind. Der Bedarf dürfte deutlich steigen, wenn erst die dortigen Schulstandorte bis Mitte der 2020er Jahre ausgebaut sind.

Geplant ist zudem, den neuen Stadtteil an der Brunecker Straße und die dort geplante neue Universität mit der Straßenbahn an den ÖPNV anzubinden. Eventuell, teilt die VAG mit, könnte die Straßenbahn von dort aus auch zur Messe fahren.

Darüber hinaus hat sich die VAG bereits Gedanken um den Ersatz für die aktuelle Flotte gemacht, die 48 Fahrzeuge umfasst und um das Jahr 2035 herum das Ende ihrer Einsatzzeit erreichen wird. Schließlich ist es einfacher, wenn nur ein Fahrzeugtyp in der Werkstatt gewartet und instandgehalten werden muss.

Ein Meilenstein

Albrecht Neumann, Leiter Schienenfahrzeuge bei Siemens Mobility, spricht zum Produktionsstart von einem "Meilenstein", um den Avenio zuverlässig und termingerecht in Nürnberg auf die Schiene zu bringen: "Der Avenio Nürnberg wird ein hochmodernes Fahrzeug, das ein innovatives Innenraumdesign und höchsten Fahrgastkomfort bietet."

Auch wenn die Straßenbahnen in Serbien gebaut werden, hätten sie ihre Wurzeln in der Region, wie Neumann betont: "Denn mit dem Bau der Motoren und Umrichter in Nürnberg sowie der Konstruktion und Projektleitung in Erlangen liegt auch ein Großteil der Wertschöpfung im Raum Nürnberg.“

Dank der großen Stückzahl hat die VAG auch für den Basisauftrag einen Preis in Höhe von 44 Millionen Euro bekommen. Der Freistaat Bayern fördert die Beschaffung der ersten zwölf Straßenbahnen mit rund 14 Millionen Euro. Die Förderung kommt aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und dem Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung des Freistaates Bayern.

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