Die Mut-Tour

Stopp in Nürnberg: Radler treten für mehr Offenheit bei Depression ein

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Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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23.8.2021, 16:00 Uhr
Die Teilnehmer der

Die Teilnehmer der "Mut-Tour" radelten an der Wöhrder Wiese weiter Richtung Regensburg. © Max Söllner, VNP

Im Nieselregen auf dem Tandem unterwegs, das kann ganz schön trist sein. Aber: Die sechs Frauen und Männer, die bei der "Mut-Tour 2021" durch Deutschland radeln und dabei in Nürnberg Station machen, lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie wollen eine Botschaft im Umgang mit Depressionen weitergeben. "Redet offen und sucht euch Hilfe", sagt Silke Schumacher.

"Ich war völlig ausgebrannt"

Die IT-Fachfrau durchlebte vor vier Jahren selbst eine depressive Phase: "Ich war völlig ausgebrannt, habe nur mehr für die Arbeit gelebt und keine Kontakte gepflegt." Die 56-Jährige dachte, mit einem erholsamen Urlaub werde sich alles wieder ausgleichen. Aber sie machte immer mehr Überstunden und merkte irgendwann: Es geht nicht mehr.

Doch nicht nur sie spürte das, auch ihre Kinder nahmen ihre psychische Not wahr. "Hol dir Hilfe", riet die Tochter. Und Silke Schumacher hat sich dazu durchgerungen: Sie erhielt starke Unterstützung durch die Sozialberatung ihrer Firma, durch die Krankenkasse und durch therapeutische Begleitung.

"Depression ist noch fast ein Tabu-Thema", meint Sozialarbeiter Leon Schwall, der ebenfalls an der "Mut-Tour 2021" teilnimmt. "Es ist ein Stigma. Wenn man sich einen Arm bricht, dann ist das was ganz anderes als eine Depression. Diese Erkrankung ist bis heute nicht gesellschaftsfähig."


Krisendienst in Mittelfranken ist gefragt


Daher hält es der 31-Jährige für wichtig, auf der mehrtägigen Reise nicht nur in die Pedale zu treten und die Natur zu erleben. Die Gruppe sucht Kontakte zu den Medien, um über sie den Menschen Mut zu machen, die unter Depressionen leiden.

Während ihrer Fahrt von Jena über Nürnberg nach Regensburg treffen sie aber nicht nur Pressevertreter. Auch Passanten sind während ihrer Rad-Stopps auf die Tandems mit Plakaten aufmerksam geworden und suchen das Gespräch. "Die Reaktionen waren durchwegs positiv", berichtet Silke Schumacher, "die Menschen öffnen sich und erzählen ihre eigene Leidensgeschichte."

"Optimismus behalten"

Für die IT-Betreuerin ist es die erste "Mut-Tour" und obwohl die akute Depression vorüber ist, weiß sie: "Ich muss jeden Tag daran arbeiten, meinen Optimismus zu behalten."

Kurze Stopp am Schönen Brunnen: Mit dem

Kurze Stopp am Schönen Brunnen: Mit dem "Smiley" symbolisiert die Mut-Tour-Gruppe alle Betroffenen, die es sich nicht erlauben können, ihre Depression öffentlich zu machen. © Max Söllner, VNP

Auf der Website der "Mut-Tour" steht: Manche Depressionsformen sind so gut wie komplett heilbar – andere kann man lediglich gut in den Griff bekommen. Über die Ursachen meinen die Organisatoren der Mut-Tour: Einigen Menschen sei die Neigung zu psychischen Krisen als Veranlagung “in die Wiege gelegt” worden. Depression könne genetisch bedingt sein. Andere Menschen hätten eine Depression in Folge eines traumatischen Erlebnisses oder von anhaltender Überlastung entwickelt.

"Die Radtour ist keine Therapiemaßnahme"

"Die gemeinsame Radtour ist aber keine Therapiemaßnahme, sondern Öffentlichkeitsarbeit", unterstreicht Sozialarbeiter Schwall. Daher ist die Fahrt nicht für Menschen mit akuten, schweren Depressionen geeignet.

Die täglichen Streckenabschnitte von etwa 50 Kilometern sind gut zu bewältigen. Übernachtet wird meist im Zelt. Wegen des starken Regens haben die Tour-Beteiligten diesmal in zwei Nächten bei Privatpersonen übernachtet.


Weitere Informationen gibt es im Internet unter: mut-tour.de. Unterstützung bietet unter anderem das "Nürnberger Bündnis gegen Depression", Tel.: (0911) 398-37 66. Das Regionalzentrum für Selbsthilfegruppen Mittelfranken "Kiss" kann ebenfalls weiterhelfen, Telefon: (0911) 234 94 49. Als bundesweite Ansprechstelle dient das "Info-Telefon Depression" (0800 - 33 44 533) und die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111).

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