Verschärfungen für Ungeimpfte

Testpflicht bei Friseur- und Kinobesuch: "Dann sperrt uns lieber ganz zu"

16.8.2021, 08:41 Uhr
Wenn die Inzidenz steigt, tritt die 3G-Regel in Kraft - Kunden dürfen dann nur noch zum Friseur, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind.

Wenn die Inzidenz steigt, tritt die 3G-Regel in Kraft - Kunden dürfen dann nur noch zum Friseur, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. © Christophe Gateau/dpa

Rainer Rossmann weiß, was ihn erwartet. "Das letzte Mal mit Testpflicht hat uns aus dem Stegreif 50 Prozent Umsatz gekostet." Rossmann, Friseur aus Nürnberg und Obermeister der dortigen Innung, sieht schwere Zeiten auf die Branche zukommen.

Mehr Aufwand, weniger Kunden

"Furchtbar" findet er die Entscheidung, die in der Ministerpräsidentenkonferenz am vergangenen Dienstag getroffen wurde: Wer weder geimpft noch genesen ist, muss ab dem 23. August bei Sport, Veranstaltungen oder körpernahen Dienstleistungen in Innenräumen einen negativen Test vorlegen - und zwar dann, wenn die Inzidenz mehrere Tage bei 35 oder höher liegt. Nürnberg liegt aktuell bei 31,1. Tendenz steigend. Der Tag X könnte also schneller kommen, als manchen lieb ist.

Dazu kommt, dass es ab Oktober keine kostenlosen Bürgertests mehr gibt. Wer einen PCR- oder Schnelltest machen will, muss also zahlen; nur Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, sind davon nicht betroffen. Rossmann befürchtet, dass mit der 3G-Regel viele Ungeimpfte kaum noch zum Friseur kommen. A

uch der bürokratische Aufwand - schließlich müssen Impfnachweise oder Testergebnisse kontrolliert und erfasst werden - sei ein Belastung. Dazu das unangenehme Gefühl, in einem leeren Laden Absagen entgegennehmen zu müssen oder Kunden davon zu überzeugen, doch noch zu kommen. "Dann sperrt uns lieber ganz zu", sagt Rossmann. Dann könne man die Mitarbeiter wenigstens in Kurzarbeit schicken und mit den staatlichen Hilfen über die Runden kommen.

Um keinen Preis wieder schließen wollen die Fitnessstudios. "Wir werden alles dafür tun, um das zu vermeiden", heißt es von der RSG Group, zu der die Fitnesskette McFit gehört. Auch beim Franchise-Unternehmen Clever Fit hält man die Testpflicht für machbar. "Wir haben ganz brave Mitglieder, die meisten waren sehr kooperativ", berichtet Pressesprecherin Christiane Enzelberger von den Erfahrungen im Frühjahr, als die Studios auch nur mit Testpflicht öffnen durften.

"Viele Studios werden zumachen"

Doch das gilt nicht für alle Muckibuden. "Wir werden natürlich kontrollieren, aber es wird schwer für uns." Alexander Awdijan betreibt das Alex Sportzentrum, das zwei Standorte in Nürnberg hat - eigentlich. Die Filiale in der Rothenburger Straße hat wegen Corona momentan bereits geschlossen. "Das werden viele Leute nicht machen", fürchtet er mit Blick auf die Testpflicht, "wer will 35 Euro pro Test zahlen jeden Tag". Wie viel die Schnelltests kosten werden, ist derweil noch nicht klar. Vor den kostenlosen Bürgertests konnten die Teststellen selber entscheiden, die Preise variierten stark. Awdijan kenne viele Kunden, die sich nicht impfen lassen wollen - "die werden kündigen". Schon jetzt mache er monatliche Verluste im mittleren fünfstelligen Bereich. "Viele Studios werden zumachen", fürchtet er.

Mit gemischten Gefühlen sehen auch die Kinos die neuen Einschränkungen. Kontrollen von Impfausweisen und Testergebnissen seien in einem großen Kinokomplex schon eine Herausforderung, sagt Wolfram Weber vom Cinecitta. Allerdings habe man bei der letzten Testpflicht gute Erfahrungen gemacht, "die Leute machen das gut mit". Damals gab es eigens ein Testzentrum vor Ort, Besucher konnten nur über die Eingangshalle ins Gebäude und wurden dort kontrolliert. Allerdings sind die Beschränkungen für Kinos jetzt schon hart: "Wir haben circa 30 Prozent Auslastung pro Kinosaal", so Weber.

Das bestätigt auch Matthias Damm vom Casablanca. Schuld sind die Abstandsregeln. Wenn die von 1,50 Meter auf einen Meter gesenkt werden würden, hätte man auf einen Schlag 50 bis 70 Prozent Auslastung. Momentan muss jede zweite Reihe im Kino freibleiben. Die Nachfrage ist da, viele Vorstellungen seien ausverkauft. Prinzipiell steht Damm auch hinter der Idee, Impfanreize zu schaffen. Dass für den Kinobesuch aber darüber hinaus so strenge Regelungen gelten, kann er nicht nachvollziehen.

Routiniert läuft die Vorbereitung auf die neuen Regelungen bei den Nürnberger Bädern. Ein externer Anbieter soll hier im Fall der Fälle bei der Kontrolle helfen, außerdem gibt es Testmöglichkeiten vor Ort. "Wir haben das schon üben können in den Freibädern", sagt Verwaltungsleiterin Manuela Schneider. Das System ist also erprobt und sowohl für Südstadt- als auch Langwasserbad einsatzbereit.

Hotels und Restaurants sind noch nicht ganz so weit - hier hofft man, dass der Kelch doch noch an einem vorübergeht oder zumindest vergoldet wird. Warum ist allein die Inzidenz ausschlaggebend, werden im Gegenzug für die Testpflicht andere Regeln gelockert? Diese Fragen sind laut Hotel- und Gaststättenverband Bayern (Dehoga) noch offen. "Mehr Kosten, mehr Personal", das sei zu erwarten, sagt Landesgeschäftsführer Thomas Geppert. Und das, obwohl Restaurants und Hotels im vergangenen Jahr auch ohne weitere Auflagen öffnen durften - auch wenn es da noch keine Impfung gab. "Irgendwann ist es nicht mehr wirtschaftlich."