Todesfalle: Mähroboter können Igeln zum Verhängnis werden

23.4.2021, 20:22 Uhr
Mähroboter sind eine tödliche Gefahr: Sie erkennen Igel nicht als Hindernis.

Mähroboter sind eine tödliche Gefahr: Sie erkennen Igel nicht als Hindernis. © Martina Gehret/LBV

Es sind Bilder, die man sich nicht gerne ansieht. Bilder von klaffenden Wunden, blutigen Schnauzen oder fehlenden Pfoten. Und doch sollte man genau diese Bilder vor Augen haben, wenn man sich für den Einsatz eines Mähroboters im Garten entscheidet.

Denn, so praktisch die automatischen Schneidgeräte auch sind, sie können für Igel und andere Kleinlebewesen wie Kröten oder Eidechsen zur tödlichen Falle werden. Igel sind besonders gefährdet, weil sie bei Gefahr nicht weglaufen, sondern sich einrollen. Sie werden von den Geräten oft nicht als Hindernis erkannt und tragen schlimme Schnittverletzungen oder Verstümmelungen davon, von denen sie sich meist nicht erholen.

Vorderpfote abgetrennt

Bettina Wolst hat dies erleben müssen. Im Frühjahr letzten Jahres hatte die Nürnbergerin ein Igelpärchen aus einer Fürther Auffangstation aufgenommen und bei sich draußen in Laufamholz einquartiert. Das Weibchen musste in der Nachbarschaft unter die Messer eines Mähroboters geraten sein, Wolst fand es eines Tages ohne Vorderpfote, Fliegen hatten sich bereits in der Wunde eingenistet. Das Tier musste eingeschläfert werden. „Es war schrecklich“, sagt die 51-Jährige.

Ein Igel im Garten. Da die Stacheltiere vor allem nachts unterwegs sind, sollte man seinen Mähroboter nur tagsüber einschalten. 

Ein Igel im Garten. Da die Stacheltiere vor allem nachts unterwegs sind, sollte man seinen Mähroboter nur tagsüber einschalten.  © Armin Weigel, dpa

Kein Einzelfall. „Jedes Jahr sterben deutschlandweit hunderte von Igeln durch Verletzungen, verursacht durch motorisierte Gartenwerkzeuge“, warnt der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Ebenfalls gefährlich seien Freischneider und Fadenmäher, mit denen Rasenkanten und Gras unter Hecken und Büschen geschnitten werden. Häufig beliebte Schlafplätze von Igeln.

Zwar haben einige Hersteller laut einer Untersuchung von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2020 ihre Mähroboter auch in Sachen Sicherheit verbessert. Es gebe im Vergleich zum Test aus 2018 etwa weniger Lücken unter den Gehäusen für mehr Schutz.


Was macht das stachelige Tier im Winter?


Einige Exemplare bieten Ultraschallsensoren, die Hindernisse auch ohne Berührung erkennen sollen. „Das tun sie auch, aber leider keine flach auf dem Boden ausgestreckten Kinderarme“, so Stiftung Warentest. Getestet wurde die Sicherheit zum Beispiel mit einem vier Zentimeter dicken Prüfstab als Simulation für einen Kinderarm. Bis auf eines der insgesamt elf getesteten Modelle „rollten alle über den Holzstab mit ihren Messern hinweg“.

Nur tagsüber laufen lassen

Von den automatischen Helfern geht also durchaus immer noch eine große Gefahr aus. Für Kinder, Hunde, Katzen und wild lebende kleine Gartenbewohner. Unsere Gärten sind für den Igel ein wichtiger Lebensraum. „Die meisten Meldungen von Igel-Beobachtungen bekommen wir aus dem Siedlungsbereich“, so der LBV. Umso wichtiger ist es, die Verantwortung für die Stachler und andere Kleintiere im Blick zu haben, wenn man einen Mähroboter zum Einsatz bringt. Vor allem nachts sollte man die Geräte nicht laufen lassen, denn gerade dann sind Igel unterwegs auf Futtersuche und geraten schnell unter die Räder.

Große Unwissenheit

Bettina Wolst möchte in ihrer Nachbarschaft über die Gefahren von Mährobotern aufklären. Damit zu den oben genannten schlimmen Bildern möglichst keine neuen dazukommen.

Unter www.igel-in-bayern.de informiert der LBV und gibt Tipps für einen igelfreundlichen Garten. Auch Igelbeobachtungen können online gemeldet werden.

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