19°

Montag, 19.08.2019

|

Tumulte am Jamnitzerplatz: "Bin froh, dass es nicht eskaliert ist"

Einsatz in Gostenhof sorgt weiter für Diskussionen in der Stadt - 09.07.2019 05:57 Uhr

Auf dem Jamnitzer Platz feierten in der Nacht auf Samstag bis zu 200 Menschen - unangemeldet. © privat


Auch drei Tage nach den nächtlichen Tumulten am Jamnitzerplatz in Gostenhof wird vor Ort heftig über die Vorkommnisse diskutiert. "Wann passiert hier endlich was, damit wir Anwohner wieder in Ruhe und Frieden leben dürfen?", meint Hans Ulrich Haase. Er fragt sich wie andere Nachbarn, warum Feuerwehr und Polizei zwar vor Ort waren, aber nichts gegen das Lagerfeuer inmitten des stillgelegten Brunnens und die lautstarken Provokationen von 200 Autonomen und ihrer Sympathisanten unternommen haben.

Es gibt jedoch auch Anwohner wie Juliane Müller, die den Abend als friedlich empfunden haben und deshalb den Einsatz der Polizei mit USK-Einheiten kritisch sehen. Sie findet: "Der 'Jamnitzer' ist und war schon immer ein belebter und damit lauterer Platz, daran werden auch die ständigen Kontrollen nichts ändern. Ich als Anwohnerin schätze das sehr und nutze den Platz gerne."

"Wir alle passen aufeinander auf"

Gespräche direkt vor Ort ergeben auch kein einheitliches Bild. Die 43-jährige Sophia Enggäßer, die aus Trinidad stammt und seit 15 Jahren regelmäßig im Jamnitzerpark ist und Freunde trifft, betont: "Wir alle passen aufeinander auf – egal, von welchem Land wir sind. Jung und Alt. Und wir nehmen auch den Müll mit."

Durch die Polizeikontrollen in den letzten Wochen habe sich das Klima am Platz verändert. "Es sind weniger Kinder da, auch die Seniorengruppe kommt nicht mehr." Zudem seien "mehr Drogensüchtige vom Bahnhof" hierher gewechselt.

Im Oktober 2018 begann am Jamnitzerpark die Beteiligung für die Umgestaltung der Grünanlage. Klein und Groß wünschen sich zum Beispiel neue Wasserspiele. In der stillgelegten Brunnenanlage wurde kürzlich ein Lagerfeuer angezündet. © Athina Tsimplostefanaki


Die Vorkommnisse am vergangenen Freitag hat sie erlebt. Gegen den Protest der Autonomenszene gegen die fortschreitende Gentrifizierung im Viertel habe sie grundsätzlich nichts, doch an dem Abend sei es "zu viel gewesen". Die zunehmende Aggressivität habe sich auf die spielenden Kinder übertragen, berichtet Enggäßer. Sie lobt die Polizei dafür, nicht durchgegriffen zu haben, sondern beobachtend am Rand geblieben zu sein: "Ich bin froh, dass es nicht eskaliert ist."

Treffpunkt im Stadtteil

"Man soll die Leute, die hier sind, in Ruhe lassen", wünscht sich Patrick Stanke (38), der in Gostenhof wohnt und mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter regelmäßig im "Jamnitzer" ist. Dass er gern etwas lauter Musik hört und ein Bier trinkt, räumt er ein. Doch es gebe keinen anderen Ort als Treffpunkt im Stadtteil. Deshalb wünscht er sich mehr Toleranz auch von den angrenzenden Anwohnern. "Durch Provokationen verbessert sich nichts."

Bilderstrecke zum Thema

Ein Viertel im Wandel: Gostenhof bevor es GoHo wurde

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das coole Szeneviertel Gostenhof nicht mehr als ein Dorf. Dann galt es lange als das "Glasscherbenviertel" Nürnbergs. Unsere Bildergalerie zeigt, wie es in Gostenhof aussah, bevor es hip wurde, dort zu wohnen.


Dass die Autonomenszene, die am Rand des Jamnitzerparks ihre Anlaufstelle "Schwarzen Katze" hat, die Grünanlage gern für sich reklamiert, ist auch im Rahmen des Beteiligungsprozesses für die Umgestaltung deutlich geworden, die im Oktober 2018 gestartet ist. Vertreter waren bei Treffen mit der Start sehr präsent – auch mit ihren Wünschen für die Zukunft.

Umbau im Frühjahr 2021

Dies wertet Heinz-Claude Aemmer, Vorsitzender des Bürgervereins Gostenhof, positiv. Grundsätzlich findet er aber, dass hier weder Betuchte noch Autonome das Sagen hätten, sondern die Interessen aller Nutzer im Stadtteil im Mittelpunkt stehen.

 

 

 

Gleicher Ansicht ist Bürgermeister Christian Vogel. Er appelliert eindringlich an "Rücksicht und Fairness – es geht nur miteinander". Nach der Aktenlage hält er es für richtig, dass die Feuerwehr nicht gelöscht hat, "da keinerlei Gefährdung bestand" und die Polizei "besonnen" blieb.

Am Mittwoch, 17. Juli, wird die geplante Umgestaltung des Jamnitzerparks im Werkausschuss Sör behandelt. Laut Zeitplan soll im Herbst 2019 die Objektplanung beschlossen werden und im Frühjahr 2021 der Umbau beginnen. 

31

31 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg, Gostenhof