U2 wird nicht nach Stein verlängert

24.9.2013, 12:00 Uhr

© Günter Distler

Nur wenn die Linie in den 1980er Jahren gleich als Verbindung zwischen dem Nürnberger Plärrer und Stein beziehungsweise Deutenbach geplant worden wäre, hätte das Projekt eine gute Chance auf Realisierung gehabt. Die nachträgliche Erweiterung um 2,6 Kilometer aber ist in den Augen von Martin Arnold vom Münchner Ingenieurbüro Intraplan wirtschaftlich derart ungünstig, dass sich nicht einmal mehr die Kosten für eine detaillierte Analyse lohnen. Ohne die und einen darin nachgewiesenen Nutzen-Kosten-Faktor von über 1,0 können aber keine Zuschüsse von Bund und Land beantragt werden.

Damit bleiben als Verbindung von und nach Stein auch in Zukunft nur der Bus oder eine Autofahrt auf der stark befahrenen Bundesstraße 14. Sehr zum Bedauern von Landrat Matthias Dießl und Steins Erstem Bürgermeister Kurt Krömer. „Dieses Ergebnis habe ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet“, so Krömer. Und mit ihm schüttelten auch zahlreiche Stadt- und Kreisräte bei der Präsentation der Studie den Kopf. Doch an den Fakten, die für das Gutachten angesetzt wurden, ändert das nichts.

Bereits 1994 wurden mehrere Planungsvarianten für eine Verlängerung der U-Bahn südwestlich von Nürnberg detailliert untersucht. Im Gespräch war damals sowohl eine 3,7 Kilometer lange, zweigleisige Strecke mit fünf Haltestellen zwischen Röthenbach und Deutenbach für rund 160 Millionen Euro und die kürzere und günstigere Variante bis Stein. „Der Kosten-Nutzen-Indikator lag damals, je nachdem, zwischen 0,33 und 0,66“, so Arnold: deutlich zu niedrig.

Hohe Baukosten

Heute käme selbst eine optimierte, teilweise nur eingleisige Trasse mit einer Endhaltestelle Weihersberg nahe des Gymnasium und des Freizeitbades Palm Beach mit geschätzten Baukosten von mindestens 112 Millionen Euro nicht auf einen Indikator über 1,0, so Arnold. Und das nicht nur wegen der hohen Bau- und Unterhaltskosten. Vor allem die Strukturentwicklung hätte nach Berechnungen des Gutachters keinen positiven Effekt bei einer wirtschaftlichen Neubewertung des Vorhabens.

Anders als vor 20 Jahren angenommen, erhöhte sich die Bevölkerungszahl in Stein nicht, sondern stagnierte. Ebenso die Zahl der Beschäftigten. Die Anzahl der Schüler ist tendenziell aufgrund des demografischen Wandels ohnehin rückläufig. Dazu kommt, dass auch die Verkehrsentwicklung auf der B14 in den letzten Jahren konstant verlief. Rund 35.000 Fahrzeuge sind hier an einem Tag unterwegs. Gleichzeitig hat sich auch die Zahl derjenigen, die das eigene Auto stehen lassen und in den Bus steigen, „nicht dynamisch entwickelt“, so Arnold. Mit anderen Worten: Selbst mit der U-Bahn bis Stein würde sich an der Belastung durch den Autoverkehr wohl nur geringfügig etwas ändern und mit einem Ansturm von Fahrgästen wäre nicht zu rechnen.



Ohne Aussichten auf Förderung müsse die Verlängerung zu den Akten gelegt werden, so Landrat Dießl. Nach diesem Ergebnis und „großen Anstrengungen“ in den letzten Jahren müsse es künftig dennoch darum gehen, „den öffentlichen Personennahverkehr in Stein weiter zu optimieren“.
 

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