"Echtes Grün ist meistens Orange"

Bayreuther Naturschützer geht für die ÖDP ins Rennen

7.9.2021, 12:00 Uhr
Der ÖDP-Bundestagskandidat Dominic Hopp mit einem Bier, seinem Lieblingsgetränk, auf dem Eichelberg in Bayreuth. Im Gegensatz zu den Grünen verzichtet die ÖDP auf das Einnehmen von großen Spenden.

Der ÖDP-Bundestagskandidat Dominic Hopp mit einem Bier, seinem Lieblingsgetränk, auf dem Eichelberg in Bayreuth. Im Gegensatz zu den Grünen verzichtet die ÖDP auf das Einnehmen von großen Spenden.

Es ist die Natur, um die sich ein großer Teil von Hopps Leben dreht. Im Beruf, wenn er durch Wald und Flur streift, wertvolle Biotope sucht und kartiert. Und in der Politik. "Weil es unsere Aufgabe ist, die Natur zu schonen und die Welt für nachfolgende Generationen zu erhalten", sagt er. Politik müsse "enkeltauglich" sein. Die ÖDP habe dafür die schlüssigsten Konzepte parat. Deswegen ist er seit 2018 Mitglied.

"Echtes Grün ist meistens Orange." Damit wirbt seine Partei ÖDP im Wahlkampf für sich. Warum? Das kann Hopp ganz einfach erklären: Die Grünen hätten einfach ihre Glaubwürdigkeit verloren. Weil sie das, was im Wahlprogramm steht, nicht umsetzten.

Als Beispiel nennt er den Grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg. Den hat Hopp selbst gewählt, als er in Tübingen lebte und gerade im Bachelor studierte. Und er ist bitter enttäuscht worden. "Sobald die Grünen regieren, müssen auch sie Bäume fällen und Straßen bauen."

Die Grünen würden außerdem Spenden von großen Konzernen annehmen, die ÖDP aber nicht. Die ÖDP möchte weg vom Wachstum und den Wohlstand neu definieren. Heißt: Maßeinheiten sollen nicht mehr nur Einnahmen und Vermögen sein, sondern auch die Zufriedenheit der Bürger und soziale Gerechtigkeit.

Spannender Wahltag

Dennoch bleiben die Grünen die größten Konkurrenten der ÖDP, dem ist sich der 31-Jährige bewusst. Chancen malt er sich für seine Partei bei der Bundestagswahl trotzdem aus. Garantiert sei der Einzug in den Bundestag zwar nicht – aber möglich. "Es gab schon lange keine Wahl mehr, die so offen und spannend war."

Das Thema "Klimawandel stoppen" hat Dominic Hopp mit seiner persönlichen "Prio 1" versehen. Fünf vor zwölf, das sei längst Geschichte, weil die aktuelle Regierung schlichtweg verpennt habe, rechtzeitig etwas zu unternehmen. Inzwischen schlage es schon zehn nach zwölf. Ein Lösungsansatz der ÖDP, für den auch Hopp steht: eine CO2-Steuer gekoppelt mit einem Klimageld. Konkret heißt das, dass die Einnahmen aus der CO2-Steuer wieder an die Bevölkerung ausgezahlt werden.

Wer klimaneutraler lebt, bekommt mehr zurück. Wer mehr CO2 verprasse, weniger. Er selbst ist übrigens auch nicht immer mit seinem Fahrrad unterwegs. Das lassen die weiten Wege zu seiner Arbeitsstelle im Landkreis Amberg-Sulzbach nicht zu.

"Entlastung" für Pflegekräfte

Ein weiterer Wahlkampf-Dauerbrenner: Corona und das Gesundheitssystem. Deutschland brauche eine Gesundheitsreform. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass das Gesundheitssystem ein "verletzliches Konstrukt" sei. "In meiner Familie und in meinem Bekanntenkreis arbeiten viele Pflegekräfte. Sie haben nicht nur Anerkennung durch Applaus verdient, sondern müssen entlastet werden", sagt der Biologe.

Seine Lösung: mehr Pflegekräfte anstellen. Von der viel diskutierten Impfpflicht als Weg raus aus der Pandemie hält Hopp nichts. Er ist klar für das Impfen, aber eine Pflicht sei nicht zielführend. Man müsse eben noch mehr Anreize schaffen.

Für ihn ist es eine Frage der Solidarität, sich gegen Corona impfen zu lassen.

So viel zur Politik. Aber wie ist der Mensch Dominic Hopp? Kurz zusammengefasst: vielseitig. Auf der einen Seite ist da der Naturwissenschaftler, der auch in seiner Freizeit gerne Sachbücher liest und sich Fachvorträge anhört. Auf der anderen der Kreative, der Belletristik-Fan ist. Am liebsten mag er Thriller- und Horrorbücher.

Und er schreibt selbst. Denn: Dominic Hopp ist Poetry-Slammer. Er stand schon oft auf der Bühne im Zentrum. Als Ausgleich, "um sich mal kreativ auszutoben", sagt er. Wobei seine Texte schon auch politisch und gesellschaftskritisch werden können.

Und dann wäre da noch die Musik. Er bevorzugt Metal und kleidet sich dementsprechend gerne schwarz. Auch zum Termin mit der Presse ist er ganz in Schwarz gekommen.

Aber der gebürtige Marktredwitzer wäre nicht der vielseitige Naturwissenschaftler mit der kreativen Ader, wenn da nicht noch mehr wäre.

Seine schwarzen Klamotten tauscht er gerne mal durch ein historisches Gewand aus. Zusammen mit seiner Frau geht er "gewandet", wie er es nennt, zu Mittelalter-Lagern. Um möglichst nahe dran zu sein am damaligen Leben, steht vorab Recherche in Museen oder Bibliotheken an. Danach schneidert das Paar seine Mittelalter-Outfits selbst. "Living history" nennt sich dieses Hobby.

Genuss ganz oben

Jetzt aber zurück zum eingangs erwähnten Bier, dem Bier, das der Direktkandidat der ÖDP extra für das Presse-Foto mit auf den Eichelberg genommen hat und sich während dem Presse-Gespräch mit Blick über Bayreuth schmecken lässt. Warum ist Bier denn nun das Lieblingsgetränk von Dominic Hopp?

"Für Bier gilt das Gleiche wie für die Natur und die Gesellschaft: Am schönsten ist die Vielfalt. Gerade in Franken gibt es da immer etwas zu entdecken, was man noch nicht kennt."

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