Feuchter Aufruf zum Widerstand

Protest gegen Juraleitung im Nürnberger Land: "Da wird man verrückt"

21.6.2021, 14:10 Uhr
Ein Teil der rund 100 Teilnehmer, die zur Kundgebung gegen die Juraleitung am Feuchter Sparkassenplatz gekommen sind.

Ein Teil der rund 100 Teilnehmer, die zur Kundgebung gegen die Juraleitung am Feuchter Sparkassenplatz gekommen sind. © Daniel Frasch

Noch bis kommenden Donnerstag, 24. Juni, liegen die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren zur Juraleitung P53 im Feuchter Bauamt im Pfinzingschloss aus. Dabei können sich Interessierte anhand der Unterlagen informieren, zur Planung Stellung beziehen und Forderungen geltend machen, was bei der Planung ihrer Meinung nach beachtet werden soll. Die Frist dazu läuft am 16. Juli ab. Für die Feuchter Bürgerinitiative "Ja zum Reichswald – Nein zur Juratrasse" war das Raumordnungsverfahren Anlass, vergangenen Samstagvormittag auf dem Pfinzing- und Sparkassenplatz zu einem Infomarkt über die Juratrasse einzuladen und zu einer Kundgebung aufzurufen.


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Als ersten Redner begrüßte BI-Sprecher Klaus-Dieter Wenzel Feuchts Ersten Bürgermeister Jörg Kotzur. In einer kurzen wie prägnanten Rede verwies er auf die Notwendigkeit, sich gegen geplante Großprojekte wie das ICE-Werk und die Juratrasse P53 zu wehren. "Der Reichswald ist bedroht, obwohl er dem besonderen Schutz eines Bannwaldes unterstellt ist. Vor vier Wochen haben Sie sich an dieser Stelle klar gegen ein ICE-Werk im Bannwald positioniert. Heute wehren wir uns gegen die Planung und Errichtung der Juratrasse und verteidigen auch damit den Bannwald", sprach Kotzur zu den versammelten Bürgern, ehe er konkrete Fragen an die zuständigen Behörden formulierte:

"Wir fragen die Verantwortlichen in der Politik, in der Staats- und in den Bezirksregierungen als Raumordnungsbehörden: Was ist das Bannwaldgesetz noch Wert, wenn mit den Eingriffsbefugnissen so exzessiv Gebrauch gemacht wird, dass von dem Gesetz nichts mehr übrig bleibt, sobald wirtschaftliche Interessen im Spiel sind? Ich frage mich auch nach dem Wert des Landesplanungsgesetzes und des Regionalplans für unsere Region, wenn deren Ziele nur auf dem Papier stehen."

"Lassen Sie uns kämpfen"

Feuchts Bürgermeister, der in seiner Funktion als Standesbeamter im Anschluss seiner Rede noch vier Ehepaare traute, verabschiedete sich unter dem Applaus der Zuhörer mit klaren Forderungen an die Bevölkerung: "An Sie alle appelliere ich, machen Sie von der Möglichkeit Gebrauch, sich im laufenden Raumordnungsverfahren mit Stellungnahmen zu beteiligen und sich einzumischen. Lassen Sie uns für unsere Natur und unseren Wald kämpfen."


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Als zweite Rednerin war Dörte Hamann vom Aktionsbündnis Trassengegner geladen. Neben der Nähe zu Wohnbebauungen kritisierte sie unter anderem die "nicht vorhandenen, unabhängigen Studien zu Kleinstlebewesen im Erdreich, die weiterhin existieren müssen, damit dieser Boden funktioniert." Diese Lebewesen würden durch die Erwärmung der Erdkabel auf "bis zu 70 Grad" zerstört. "Man kann eine unnötige Leitung vergraben, aber sie bleibt dennoch sinnlos", stellte sie klar.

Barthel springt für Mergner ein

Den Abschluss des Redner-Trios bildete Dr. Herbert Barthel vom Bund Naturschutz. Er sprang kurzfristig ein und vertrat den erkrankten Vorsitzenden des Bund Naturschutz Bayern, Richard Mergner. Die nötige Kompetenz brachte Barthel freilich mit, schließlich war er von 2010 bis 2020 Referent für Energie und Klimaschutz und ist daher seit vielen Jahren mit der Thematik vertraut. Er stört sich vor allem an der Fülle der Eingriffe im Reichswald in den vergangenen Jahren.

"Das ist Wahsninn", ruft Dr. Herbert Barthel vom Bund Naturschutz den Teilnehmern zu, als er über die Zahl der Eingriffe im Reichswald spricht. © Daniel Frasch

"Wenn wir schauen, was seit 2019 alles in unserer Region passiert, dann wird man verrückt. Es ist Wahnsinn. Für das Autobahnkreuz A6/A9 wurden große Flächen Wald gerodet. Dann der Sandabbau bei Röthenbach bei Altdorf auf 50 Hektar. Das ICE-Werk bei Altenfurt, ebenfalls auf rund 40 bis 50 Hektar, das Industriegebiet bei Lauf, ebenfalls auf zehn bis 20 Hektar. Jetzt die Planungen der Juraleitung, wo zwischen 50, 100 oder gar 200 Hektar Wald zerschnitten wird. Da muss man sich fragen: Kann es denn sein, dass wir uns mal entschieden haben, den Wald erhalten zu wollen?!

Aber die heutigen Genertaionen nehmen es quasi zu einer Vorhaltefläche für die Industrie. Das kann keine Planung sein. Das ist eine Anti-Natur- und eine Anti-Menschen-Planung. Die können wir nicht akzeptieren. Wir müssen dafür kämpfen, dass dieser Wald erhalten bleibt. Nicht nur für zehn oder 20 Jahre, sondern dass auch die Enkel meiner Enkel diesen Wald noch als Natur- und Erholungsraum zur Verfügung haben. Die grüne Lunge vor den Toren Nürnbergs muss erhalten bleiben", lautete die Forderung Barthels.

Auch Mitglieder anderer Bürgerinitiativen, unter anderem aus Oberreichenbach, waren zur Kundgebung gekommen.

Auch Mitglieder anderer Bürgerinitiativen, unter anderem aus Oberreichenbach, waren zur Kundgebung gekommen. © Daniel Frasch

Nach einer Stunde waren die Vorträge zu Ende, BI-Sprecher Klaus-Dieter Wenzel bedankte sich bei den gut 100 Teilnehmern und kündigte weiteren Widerstand an. Neben der Feuchter Bürgerinitiative waren auch Mitglieder des Nürnberger Bürgervereins Süd-Ost sowie Mitglieder der BI Büchenbach, Kammerstein, Ludersheim und Leinburg anwesend.

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