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Streit um Tiertransport: Fränkische Kühe sollen nach Marokko reisen

Tierschützer und das bayerische Umweltministerium schlagen Alarm - 23.04.2021 21:15 Uhr

30 Rinder sollen nach Marokko transportiert werden. Das Bild ist ein Symbolbild. 

31.10.2010 © colourbox.com


"25 hochträchtige Kühe will der Rinderzuchtverband Oberfranken nach Marokko transportieren", heißt es in einer Pressemeldung des Deutschen Tierschutzbundes. "Das Beispiel zeigt, dass bayerische Rinder dank eines Schlupflochs weiter in Drittstaaten gekarrt werden dürfen – obwohl ihnen spätestens nach Verlassen der EU-Grenze Qualen und Leid bevorstehen", erklärt Ilona Wojahn, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern.


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Georg Hollfelder, Vorsitzender der Rinderzuchtverbandes Oberfranken, kann die Aufregung jedoch nicht verstehen. Er sieht es anders: Nach aktueller Rechtssprechung sei dies erlaubt.

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Der Transport der 30 "niedrig tragenden" Tiere (bis zum vierten Monat trächtig) sei langfristig geplant. Landwirte in Marokko wollten damit eine Herde aufbauen, heißt es. "Die Zielbetriebe sind uns bekannt, unsere Tiere haben dort ein genauso gutes Leben wie hier in Deutschland", sagt Hollfelder, der für das oberfränkische Fleckvieh wirbt. Das sei eine Zweinutzungsrasse, was bedeutet, dass die Rinder sowohl für die Milcherzeugung als auch für die Zucht geeignet sind. "Wir haben aus der ganzen Welt anfragen", sagt er. Für den Landwirt lohnt sich der Verkauf: "Normalerweise bekommt er unter 1000 Euro für ein Rind, für diese Rinder wurden 1300 bis 1400 Euro bezahlt." Die Betriebe in Marokko würde ein Tier am Ende 2000 bis 2300 Euro kosten.

Über 3000 Kilometer transportiert

Der Transport, der rund 3,5 Tage dauert, - von Bayreuth nach Marokko sind es über 3000 Kilometer - sei aus seiner Sicht kein Problem.

Das Bayerische Umweltministerium, das für Tiertransporte zuständig ist, sieht dies jedoch anders: "Tiere von Oberfranken nach Marokko zu transportieren, ist völlig inakzeptabel", erklärt der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), der selbst aus Oberfranken stammt. Aus Bayern seien keine Tiertransporte direkt in Drittländer erlaubt. "In Bayern wurde bereits Anfang 2019 eine Liste mit inzwischen 18 Staaten erstellt, bei denen erhebliche Zweifel bestehen, dass europäische Tierschutzstandards durchgehend bis zum Zielort eingehalten werden", teilt das Ministerium mit. Auf dieser Liste steht auch Marokko.

Der aktuell geplante Transport geht jedoch nicht direkt nach Marokko, sondern erst nach Niedersachsen und von dort weiter. "Wir sind dann nicht mehr zuständig und Niedersachsen muss den Transport abwickeln", erklärt das bayerische Umweltministerium.

30 Tage in Quarantäne

Der Deutsche Tierschutzbund unterstellt den Zuchtverbänden und Händlern, dass sie solche Schlupflöcher schamlos ausnutzen: "Weil sich das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz seit Jahren bemüht, Tiertransporte in eine Reihe von Drittländern – darunter auch Marokko - zu unterbinden, werden Umwege über andere Bundesländer - darunter auch Niedersachsen - gewählt." Dies bestreitet der Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes: "Wir transportieren erst nach Niedersachsen, weil dort die Quarantäne-Station ist", sagt Hollfelder. Aus seiner Sicht sind laut aktuellen Urteilen des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und des Bayerischen Verwaltungsgerichts in München auch Tiertransporte direkt aus Bayern in Drittländer möglich.

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Aktuell stehen die 30 Rinder, die aus Betrieben in Oberfranken stammen, in Niedersachen. Vor der langen Fahrt müssen sie 30 Tage in Quarantäne. Geben die Behörden grünes Licht, geht die Reise nach Marokko laut Hollfelder übernächste Woche los. Laut Umweltministerium ist dies aber noch nicht sicher: "Das Land Niedersachsen wurde gebeten, den Transport nicht abzufertigen."


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