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Wegen Corona: Gartenmärkte werfen massenhaft Pflanzen weg

Lieferservice deckt nur geringen Teil des Verlusts ab - 04.04.2020 19:12 Uhr

Viel Arbeit und Herzblut hat man in der Gartenwelt Dauchenbeck in Atzenhof in die Pflanzen für den Frühling gesteckt. Nun muss man den Großteil davon wegwerfen. © Hans-Joachim Winckler


Die Kassen sind mit einem Spritzschutz abgeschirmt, überall prangen Abstandsmarkierungen, die Mitarbeiter tragen rote Anstecker mit der Aufschrift „Bitte Abstand halten!“. Zusätzlich sind die Einkaufswagen genau abgezählt und limitiert. Nur wer einen Wagen hat, darf auch ins Marktgebäude – und das auch nur als Einzelperson, ohne Begleitung.


Kommentar: Öffnet die Gartenmärkte wieder!


Pflanzen Kölle hat jede Menge Sicherheits- und Hygienemaßnahmen installiert, um zu garantieren, dass die eigenen Gartenmärkte weiter offen bleiben können. Nicht in Bayern zwar, wo sie seit dem 21. März geschlossen bleiben müssen, wohl aber in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg und Hessen, wo das Unternehmen weitere Märkte hat – und diese auch weiterhin aufsperren darf.

Ein Teil geht an die Nürnberger Tafel

"Natürlich müssen wir jederzeit darauf vorbereitet sein, dass auch die anderen Märkte geschlossen werden müssen“, sagt Katja Frye, Kölle-Vertriebsleiterin für Süddeutschland. Vor allem die Mitarbeiter waren nach dem plötzlichen Beschluss der bayerischen Staatsregierung, auch Garten- und Baumärkte zu schließen, geschockt. "Wir wollten auf keinen Fall Mitarbeiter ausstellen, das war uns sehr wichtig", betont Frye. Die meisten Mitarbeiter sind jetzt allerdings in Kurzarbeit komplett zuhause.

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"Die Schließung hat sehr weh getan. Da ist natürlich viel im Müll gelandet. Viele Beet-, Balkon- und Zimmerpflanzen sind halt schnell aufgeblüht und können dann nicht mehr verkauft werden", verdeutlicht Frye. Ein paar Pflanzen gingen an Mitarbeiter, ein paar an die Nürnberger Tafel, die derzeit eine Ausgabestelle im Gartenmarkt in der Geisseestraße hat. Doch der größte Teil der verderblichen Ware musste weggeschmissen werden.

Einige Mitarbeiter können zumindest in Teilzeit weiterarbeiten, dem neu eingeführten Lieferservice "Pflanzen Kölle bringt‘s“ sei Dank. "Das lief ein bisschen schleppend an, läuft jetzt aber von Tag zu Tag besser“, sagt Frye.

Viel Aufwand für wenig Geld

"Unser Haus ist voll mit Frühling. Wir haben unsere Pflanzen ein halbes Jahr lang wachsen lassen – und jetzt sollen wir alles wegschmeißen“, klagt Mirja Dauchenbeck-Barth, die mit ihrer Familie die beiden großen Dauchenbeck-Gartenmärkte in Fürth-Atzenhof und Stein leitet.

Etwa 180 Lieferanfragen kommen derzeit, 70 bis 80 schaffen die Mitarbeiter, an guten Tagen 100. „Wir sind einfach nicht darauf ausgelegt. Der Durchschnittsbestellwert liegt auch nur bei 30 Euro. Das hilft uns natürlich, und wir müssen auch nicht so viel wegschmeißen. Aber das große Geld ist es nicht“, sagt Dauchenbeck-Barth.

"Die Frauen kann ich doch nicht in Kurzarbeit schicken"

Die Steiner Mitarbeiter sind nun in Kurzarbeit. In Atzenhof arbeiten aber noch fast alle Angestellten, schließlich muss sich auch jemand um die vielen Pflanzen kümmern und die Lieferungen abwickeln. „Außerdem habe ich so viele Frauen in Teilzeit. Die kann ich doch nicht in Kurzarbeit schicken, das reicht nicht für die. Im März habe ich sie noch voll bezahlt“, sagt Dauchenbeck-Barth.

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Dass die Gartenmärkte zu bleiben müssen, kann sie überhaupt nicht verstehen. "Wir waren keine Infektions-Hotspots. Ich wäre zu jeder Auflage bereit gewesen. Wir haben pro 100 Quadratmeter nur einen Einkaufswagen herausgegeben – da kann man sich sehr gut aus dem Weg gehen“, betont sie.

Als Ministerpräsident Markus Söder am 20. März die abrupte Schließung verkündete, waren Obst- und Gemüsepflanzen und Schnittblumen für den nächsten Tag schon bestellt und unterwegs. "Für frische Ware kann man nicht nur ein paar Stunden Vorlauf geben. Das stand am nächsten Tag alles da und musste weggeschmissen werden“, beklagt sich Dauchenbeck-Barth.

Kontaktlose Abholstraße nicht genehmigt

"Die Leute haben schon keinen Besuch an Ostern, sie wollen jetzt wenigstens schöne Pflanzen, die der Seele gut tun“, meint die Gartenmarkt-Leiterin. Der Markt in Stein ist derzeit trostlos und leer, das ganze Geschäft läuft vom Stammsitz in Atzenhof aus. Das Unternehmen hat sogar eine kontaktlose Abholstraße beantragt – bei der derzeitigen Allgemeinverfügung war das aber unmöglich.

Einen Lieferservice gibt es auch bei Obi in Lauf. "Man muss aber natürlich sagen, dass das alles sehr einfach abläuft. Wir haben einfach nicht die Infrastruktur dafür“, sagt Marktleiter Christof Schneider. Auch hier mussten viele Pflanzen weggeschmissen werden. "Zum Glück hat uns aber auch Edeka viel abgekauft. Das hat uns sehr geholfen", erzählt Schneider. Pflanzen werden ohnehin kaum bestellt. Viel dringender brauchen die Kunden Waren aus dem Baumarkt, in dem immerhin noch Handwerker mit Handwerkskarte einkaufen dürfen.

"Wir sind im freien Fall"

Mit dem Rücken zur Wand stehen sie derzeit aber alle. "Wir sind im freien Fall. Wenn das so weitergeht, gehen wir daran kaputt", meint Mirja Dauenbeck-Barth. Zwar könne sie jetzt 50.000 Euro Soforthilfe vom Freistaat bekommen. "Aber das reicht nicht mal, um die Sozialversicherungsbeiträge für meine 180 Mitarbeiter in den kommenden Monaten zu zahlen“, sagt sie.


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