Center Parcs: Bürgerinitiative bleibt bei ihrer Kritik

23.3.2021, 11:49 Uhr
In einem Sitzungsmarathon hat Center Parcs den Masterplan für die geplante Anlage bei Langlau vorgestellt (im Bild Landrat Manuel Westphal bei der Präsentation im Kreistag). Die „Bürgerinitiative Seenland in Bürgerhand“ bleibt weiterhin bei ihrer Kritik an dem Ferienpark.

In einem Sitzungsmarathon hat Center Parcs den Masterplan für die geplante Anlage bei Langlau vorgestellt (im Bild Landrat Manuel Westphal bei der Präsentation im Kreistag). Die „Bürgerinitiative Seenland in Bürgerhand“ bleibt weiterhin bei ihrer Kritik an dem Ferienpark. © Foto: Robert Maurer

"Sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht ist der vorgestellte Masterplan nicht überzeugend", schreibt die BI in einer Pressemitteilung. Nach Lesart der Bürgerinitiative bleiben Fragen wie die verkehrsmäßige Erschließung unbeantwortet. Auch werde der bisherige Charakter des Seenlandes zerstört. Statt eines "naturnahen Naherholungsgebietes" entstehe auf dem Muna-Areal Konsum-Tourismus.


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An den Präsentationen, die Vertreter von Center Parcs und der beauftragten Planungs- und Ingenieursbüros vergangene Woche in drei Veranstaltungen präsentiert haben, hat die Bürgerinitiative etliches zu kritisieren. Das macht die BI beispielsweise an den veränderten Flächenangaben fest. Ursprünglich war von 155 Hektar die Rede, nun stehen im Masterplan sowohl 169 als auch 165,5 Hektar als Fläche, die zur Verfügung steht.

Abweichende Zahlen

Diese abweichenden Zahlen hatte Robin Wildhagen von Center Parcs in der Vorstellung des Masterplans allerdings erläutert. Die Gesamtfläche der Muna umfasst 169,7 Hektar. 4,1 Hektar sind an das Wasserwirtschaftsamt verkauft worden, damit im Uferbereich des Brombachsees ein zusätzlicher Weg entstehen kann und Radfahrer und Fußgänger sich nicht mehr einen Weg teilen müssen.

Außerdem hatte ursprünglich das THW einen Bedarf von 10,3 Hektar angemeldet, will inzwischen aber nur noch eine Fläche von 1,7 Hektar nutzen. Das ergibt 163,9 Hektar für Center Parcs und 165,6 Hektar, wenn man die THW-Fläche dazu nimmt.

Die touristischen Berechnungen von Dieter Popp von der Firma Futour zweifelt die Bürgerinitiative ebenfalls an. Popp ist der Überzeugung, dass es im Sommer nur etwa 200 Parkgäste am Tag an die Seen ziehen wird. Deshalb sah er keine Gefahr einer Überlastung der Infrastruktur im Seenland. Popp berief sich bei seinen Ausführungen auf Erkenntnisse aus anderen Center-Parcs-Einrichtungen.

Vergleich mit Anlage am Bostalsee

Die Bürgerinitiative verweist auf Mitarbeiter der Center-Parcs-Anlage am Bostalsee. Diese hätten gegenüber der BI bestätigt, dass an Sommertagen alle Gäste am See sind. Das wären dann mindestens 3000 Besucher. Allerdings gibt es einen Unterschied: Center Parcs plant in der Anlage am Brombachsee einen eigenen 2,7 Hektar großen See zu schaffen. Einen solchen gibt es in der Anlage Bostalsee nicht.

Die Bürgerinitiative zweifelt aber auch die von Popp angenommene Gästezahl an. Er ging in seiner Präsentation von jährlich 234 000 Gästen im Center Parcs im Fränkischen Seenland aus. Auch hier zieht die BI die Anlage Bostalsee als Vergleich heran und verweist darauf, dass dort im Saarland im Winter so wenige Gäste seien, dass "große Teile der Gastronomie im Umfeld von November bis Februar schließen".

Was die Verkehrserschließung angeht, kritisiert die BI, dass die zugrunde liegenden Zahlen an einem Freitagnachmittag im Dezember erhoben worden sind, als bereits wieder Gastronomie und Hotels geschlossen waren. "Zu diesem Zeitpunkt gab es kaum Straßenverkehr", befindet die BI. 


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Auch ohne die Pandemie habe es in den Wintermonaten im Seenland kein Problem mit dem Verkehrsaufkommen gegeben. Die Gutachter gaben zwar an, die Pandemie und den Zeitpunkt einkalkuliert und die Zahlen entsprechend hochgerechnet zu haben, doch wie das geschehen ist, führten sie nicht weiter aus.

Fundierte Stellungnahme

"Wir möchten festhalten, dass es eine Zeit dauern wird, alle uns vorliegenden Unterlagen auszuwerten und dazu fundiert Stellung zu beziehen", stellte die Bürgerinitiative in ihrer Pressemitteilung fest. Die Präsentationen seien eine äußerst stark verkürzte und für das Vorhaben optimierte Zusammenfassung vieler komplexer Themenfelder gewesen.

Erst am Vorabend der Masterplan-Präsentation habe die BI Unterlagen vom Landratsamt zu Verfügung gestellt bekommen. "Eine Sichtung und Vorbereitung, um zum Beispiel erste Sachfragen diskutieren zu können, war daher nicht gegeben."

Kritik üben die BI-Vertreter auch, weil in den Sitzungen des Zweckverbands Brombachsee, des Kreistags und des Gemeinderates Pfofeld kaum Fragen gestellt wurden. Lediglich Felix Goldhorn (Die Linke) und Reinhard Ebert (ÖDP) hatten im Kreistag Detailfragen an die Gutachter.


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"Bei einem derart großen Projekt, das über Monate schon gärt und für viel Unmut und Verdruss in unserer Region sorgt, hätten wir uns etwas mehr Engagement unserer Volksvertreter*innen gewünscht", schreibt die BI. Vielen Kommunalpolitikern sei offenbar noch immer nicht bewusst, welch tiefgreifende Einschnitte und Veränderungen diese riesige Ferienanlage für das gesamte Fränkische Seenland mit sich brächte.

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