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Der BN bleibt beim Nein zu Center Parcs

Der Bund Naturschutz lehnt den Ferienpark auch nach Vorliegen des Masterplans klar ab - 07.04.2021 16:15 Uhr

Der Bund Naturschutz lehnt das Center-Parcs-Vorhaben auf dem Muna-Areal bei Langlau weiterhin ab. Die Naturschützer sehen zu viele Schäden für die Natur.

07.04.2021 © Foto: Privat


Die stellvertretende Kreisvorsitzenden Brigitte Löffler und Karl-Heinz Schork, der im BN für die Themen Wirtschaft und Energie zuständig ist, erklären im Interview, warum der Umweltschutzverband weiterhin vehement gegen den Freizeitpark ist.

 

Herr Schork, die beiden CSU-Abgeordneten Artur Auernhammer und Alfons Brandl haben mitgeteilt, dass sie den Bund Naturschutz wegen seiner komplett ablehnenden "radikalen" Haltung beim Thema Center Parcs nicht mehr als seriösen Gesprächspartner betrachten. Warum lehnt der BN den Park noch immer komplett ab, obwohl inzwischen doch vonseiten des Investors auch viele Zugeständnisse gemacht wurden und viel gewachsener Wald stehen bleiben darf?

Schork: Ich weiß nicht, warum man unsere Haltung als radikal bezeichnet. Denn wenn wir die vorhandene Gesetzeslage hernehmen, zum Beispiel den Paragrafen 1 des Bayerischen Naturschutzgesetzes, dann steht da alles schon drin, was wesentlich ist: Der Freistaat Bayern verpflichtet sich zur dauerhaften Sicherung und Entwicklung der Artenvielfalt in Flora und Fauna und wirkt darauf hin, deren Lebensräume zu erhalten und zu verbessern, um einen weiteren Verlust von Biodiversität zu verhindern. Wir wollen nur, dass der Paragraf 1 beachtet und vollzogen wird. Wenn man diese Bestimmungen in die Tat umsetzt, dann würde sich die Diskussion schon erübrigen, denn sie schließt einen Ersatz eines so hochwertigen Biotops, das durch die Untersuchungen wissenschaftlich belegt ist, eigentlich aus. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass ein Wald dieser Dimension ein gewachsenes Biotop ist und man deshalb auch keine Teilnutzung erlauben kann.

Center Parcs: Naturschützer fordern mehr Transparenz

Jetzt wurde durch den Masterplan ja bekannt, dass auch Center Parcs anerkannt hat, dass es etliche schützenswerte Flächen auf dem Muna-Gelände gibt, die tabu sind und nicht überbaut werden. Warum darf man denn nicht einmal auf den bereits versiegelten Flächen etwas errichten?

Karl-Heinz Schork und Brigitte Löffler, die stellvertretende Kreisvorsitzende, erklären, warum der BN die Center-Parcs-Ansiedlung nach wie vor ablehnt.

07.04.2021 © Foto: Markus Steiner


Schork: Man tut so, als könnte man eine derart gigantische Baustelle über Jahre betreiben, ohne die vorhandenen Arten zu stören. Die Untersuchungen haben ja sehr wohl ergeben, dass schützenswerte Arten, von denen bislang nur die Zeigerarten benannt sind, fast gleichmäßig über das ganze Gelände verteilt sind. Der vorgelegte Plan lässt sich aber mit der Karte der schützenswerten Arten überhaupt nicht in Einklang bringen. Und mit der Karte der nicht schützenswerten Arten schon gleich überhaupt nicht. Wir vom Bund Naturschutz sehen es als unsere Berufung, alle Arten zu schützen, nicht nur Rote-Liste-Arten. Wenn ein Tier erst einmal auf der Roten Liste ist, dann ist es ja schon zu spät. Wir wollen, dass die vorhandenen Arten erst gar nicht auf der Roten Liste landen. Deshalb sind wir gegen den Plan, weil es bereits eine ganze Reihe an Arten auf dem Gelände gibt, die auf der Vorliste stehen. Es gibt auch jede Menge Pflanzen, die selten und schützenswert sind. Wer ein bisschen etwas von Biologie versteht, muss zur Kenntnis nehmen, dass man Pflanzen und Bäume nicht einfach so verpflanzen kann.

Bund Naturschutz stemmt sich gegen Center Parcs

Jetzt weiß inzwischen jeder, dass im Rahmen des Genehmigungsverfahrens am Ende der Marktgemeinderat Pfofeld entscheidet, ob der Bebauungsplan für den Park genehmigt wird oder nicht. Dabei spielen sicher die Vor- und Nachteile eines Center Parcs für die Gemeinde Pfofeld eine große Rolle. Welche Rolle spielt dabei Ihrer Meinung nach der Natur- und Umweltschutz?

Schork: Wenn der Gemeinderat entscheidet, ist die naturschutzrechtliche Prüfung ja schon erfolgt. Die findet ja auf höherer Ebene statt, das heißt der Gemeinderat entscheidet ja vor allem aufgrund ökonomischer Gesichtspunkte. Da spielt der Naturschutzaspekt höchstens noch im Gewissen der Gemeinderäte eine Rolle. Aber in der Gemeinderatsabstimmung hat der Naturschutz kein messbares Gewicht mehr. Deshalb muss jedem bewusst sein, dass Umweltsünden, die man in der Vergangenheit gemacht hat, nur noch mit viel Geld repariert werden können.

Wie lautet denn, kurz zusammengefasst, das Fazit des Bund Naturschutz zum vorgestellten Masterplan von Center Parcs?

Löffler: Wir bleiben bei unserem Nein zu Center Parcs, weil es viel zu viele Schäden für die Umwelt gibt, die die wirtschaftlichen Vorteile nie aufwiegen können.

Sie haben beide bereits in der Vergangenheit wiederholt gesagt, dass der Bund Naturschutz nichts generell gegen Center Parcs habe. Ich höre da ein Aber heraus . . .

Löffler: Aber eben nicht an dieser Stelle. Der Wald und die Artenvielfalt in diesem Wald sind viel zu wertvoll.

Schork: Es geht um den Verlust eines Lebensraums für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten im großen Ausmaß. Das ist unser Thema. Ein Center Parc mag an anderen Stellen nützlich und schön sein. Aber nicht hier in einem wertvollen Biotop, das verloren ginge.

INTERVIEW: MARKUS STEINER

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