Samstag, 07.12.2019

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Der Weg der Schülerzeitung in die Zukunft

Inmitten der Digitalisierung hat das medienpädagogische Projekt nicht ausgedient - 29.11.2019 09:12 Uhr

Im Newsroom von Nürnberger Nachrichten, Nürnberger Zeitung und nordbayern.de findet eine Pressekonferenz für Jugendliche statt, die Schülerzeitungen herstellen. Das Thema: die U18-Wahl. © Foto: Michael Matejka


Das sagen die Zahlen: Allein in Bayern erschienen laut einer Erhebung des Kultusministeriums 2014 rund 850 Exemplare in allen Schularten. Nur 30 waren digital, weitere 30 erschienen sowohl online als auch auf Papier.

Die Grund: Mediennutzung und konkret die Zeitung sind Bestandteile des Lehrplans. In der Jahrgangsstufe 8 des Gymnasiums sollen Schüler beispielsweise folgendes Grundwissen erwerben: "Tageszeitung, Boulevardblatt, Ressort, Schlagzeile, Impressum und Datenschutz, Nachricht, Bericht, Reportage, Interview, Kommentar und Glosse kennen". "Medien nutzen und reflektieren" heißt ein Themengebiet.

Schüler, die Macher sind

Gerade diese Kompetenz ist in Zeiten digitaler Informationsflut wichtiger denn je. Schülerinnen und Schüler (und nicht nur sie) müssen lernen, Fake News von Qualität zu unterscheiden. Und, der klassische Ansatz: Die Schülerzeitung als Teil der Schülermitverantwortung (SMV) ist ihr ureigenes Sprachrohr. Wo kann man Recherche, Meinungsbildung, Schwerpunktsetzung – Journalismus also – besser und eigenständiger ausprobieren als in seiner eigenen Zeitung? "Die einen schreiben gern, die anderen organisieren lieber und dritte haben Spaß am Layouten. Es finden sich an jeder Schule Leute, die Macher sind", sagt Ralf Kaulfuß. Der Ministerialrat im Kultusministerium leitet die Geschäftsstelle Stiftung Bildungspakt Bayern.

So sehen Gewinner des bayerischen Schülerzeitungspreises Die Raute aus, der von der Hanns-Seidel-Stiftung vergeben wird. Die Schülerzeitung Egon der Realschule Hilpoltstein wurde schon mehrfach ausgezeichnet. © Werner Schalk


Doch natürlich macht die veränderte Mediennutzung vor der Schülerzeitung nicht halt. "Printpublikationen werden mit Sicherheit zurückgehen", sagt Kaulfuß. "Die Schulen erfüllen immer mehr die technischen Voraussetzungen, haben die Geräte, die Infrastruktur und die Medienkompetenzen, um eine digitale Zeitung erstellen zu können."

HummelNews heißt die Schülerzeitung der Nürnberger Mittelschule Hummelsteiner Weg. Auch sie gehört zu den Gewinnern des Schülerzeitungspreises 2019. Gewürdigt wurde ihr Artikel über Rassismus. © Gabi Weber


Die digitale Entwicklung birgt aber neue Herausforderungen: Gerade wird im Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München (ISB) an einem Manual für Onlinezeitungen gearbeitet, das in diesem Schuljahr fertiggestellt werden soll. Denn was den Datenschutz anbelangt, Persönlichkeits- und Urheberrechte, brauchen junge Redaktionen konkrete Anleitungen und Schulleitungen sowie Betreuungsfachkräfte verbindliche Richtlinien zur Orientierung. "Letztlich dient auch die digitale Schülerzeitung der Jugend, um sich auf dem digitalen Weg nicht zu verlieren", sagt Kaulfuß.

Die größte Herausforderung wird sein: die Rückmeldekultur zu steuern. Sie ist online eine ganz andere als analog, niedrigschwelliger und schneller. Einen direkteren Kontakt zu den Lesenden zu haben, ist gut – aber auch aufwendig. Kommentare laufen Tag und Nacht ein und müssen entsprechend moderiert werden.

Ralf Kaulfuß bedauert den Niedergang der gedruckten Zeitung. Nicht nur, weil er selbst klassischer Nutzer ist. Sondern auch, weil "die Herstellung einer Zeitung ein ganz anderes Maß an Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordert". Von der Gestaltung über die Anzeigenakquise bis zu Inhalt und Bildauswahl: ein gedrucktes Produkt nimmt ganzheitlicher in Beschlag. Das Online-Pendant ist kostengünstiger, aktueller, direkter – aber eben auch: flüchtiger.

Wer eine Schülerzeitung gründen möchte, kann sich hier informieren. 

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