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Samstag, 19.10.2019

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Frauenmuseum sucht Vorbilder aus der Region

Naturwissenschaftlerinnen bekommen eine eigene Ausstellung - 30.07.2019 18:28 Uhr

Sie planen die neue Ausstellung des Nürnberger Vereins "Frauen in der Einen Welt": Gaby Franger und Gudrun Cyprian. © Frauen in der Einen Welt


Maria Clara Eimmart hat den Mond gezeichnet. Wie er abnimmt und zunimmt. Ganz detailliert. Auch die Krater, die bei Vollmond zu sehen sind. Sie hat Planeten, Kometen und eine Sonnenfinsternis beobachtet und gemalt, was sie sah. Marias Vater leitete die Sternwarte auf der Nürnberger Burg und sie war seine Assistentin. Er unterrichtete die Tochter in Astronomie, Mathematik, Sprachen und Malerei. Rund 250 ihrer Mond-Zeichnungen sind bis heute erhalten, die Eimmart in den Jahren von 1693 bis 1698 angefertigt hat.

"So eine darf in unserer Ausstellung natürlich nicht fehlen", sagt Gaby Franger. Die Sozialwissenschaftlerin ist eine der Vorsitzenden des Nürnberger Vereins "Frauen in der Einen Welt" und des Museum Frauenkultur Regional-International in Fürth-Burgfarrnbach. Dort wird ab Samstag, 9. Mai 2020, eine Schau zu sehen sein, die Frauen in Naturwissenschaften und Technik in Mittelfranken würdigt. "Dafür suchen wir nach technisch-versierten Frauen aus der Vergangenheit und Gegenwart, an die bislang noch niemand gedacht hat."

Das kann eine selbst entwickelte Kartoffelschälmaschine der Urgroßmutter sein, die es nicht bis zum Patent geschafft hat, die erste Pilotin in der Familie oder eine Lehrerin, die sich besonders dafür einsetzt, dass Mädchen Mathe und Physik mögen. Erfinderinnen, Pionierinnen und Anwenderinnen von Naturwissenschaft und Technik. "Wer eine kennt oder sich an sie erinnert, die unbedingt gewürdigt werden sollte, kann sich gerne bei uns melden."

Studenten helfen mit

Studierende aus den Fächern Technikjournalismus und Technik-PR an der Technischen Hochschule Nürnberg und Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg übernehmen im Wintersemester ab Oktober die Aufarbeitung für die Ausstellung. Sie führen Interviews und schreiben Porträts, machen Fotos und drehen Videos, die dann im Museum zu sehen sind.

Das Gemälde einer Sonnenfinsternis von Maria Clara Eimmart. © Foto: Staatsbibliothek zu Berlin


"Wir arbeiten immer historisch und aktuell und wollen Geschichten anhand konkreter Frauenporträts erzählen", erklärt Gudrun Cyprian, emeritierte Professorin für Soziologie und Familienforschung an der Uni Bamberg, die die Ausstellung mit plant. Auch passende Objekte oder Fotos, die sie im Museum zeigen können, sind willkommen.

Verschiedene Perspektiven sollen Anreiz zu Diskussionen geben. Oft besuchen Schulklassen und Gruppen das Museum, am Wochenende gibt es Workshops. "Wir brauchen viele technische Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen der Zukunft", sagt Franger. "Dazu müssen wir noch mehr Mädchen stärken, ihre Gedanken, in die Gesellschaft mit einzubringen." Die Frauen in der Ausstellung können Vorbilder sein. Es hat sich gezeigt, dass etwa der Frauenanteil in technischen Studiengängen wächst, sobald es um konkretere Anwendungen geht. Medizininformatik studieren mehr Frauen als reine Informatik.

Das Frauenmuseum in Fürth ist seit 2003 das erste seiner Art in Bayern und eines von sechs Stück in Deutschland. Seit 2006 ist es im Marstall des Schlosses Burgfarrnbach untergebracht. Es hat von Mai bis Oktober geöffnet und etwa 2000 Besucher im Jahr.

Wer einen Tipp hat, wendet sich an den Verein "Frauen in der Einen Welt" Postfach 210421 in 90122 Nürnberg. Per E-Mail an muse-f@web.de oder 09 11/5 98 07 69.

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