0:2 gegen den Letzten! Der Club ist im Keller angekommen

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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30.11.2019, 14:53 Uhr
Abturn in der Anfangsphase: Wiesbadens Torgarant Manuel Schäffler stellte in Nürnberg früh auf 1:0 für die Gäste.

Abturn in der Anfangsphase: Wiesbadens Torgarant Manuel Schäffler stellte in Nürnberg früh auf 1:0 für die Gäste. © Sportfoto Zink / DaMa

Ein bisschen himmlischer Beistand kann nicht schaden, erst recht im Kampf gegen den Abstieg aus der 2. Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg ist tief gesunken, so dass das Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden am Samstagnachmittag überraschend bedeutsam sein sollte nach den jüngsten Ergebnissen. 

Aufsteiger stutzt dem Christkindles-Club die Flügel 

Nur ein Sieg aus den vergangenen elf Punktspielen ließ den Druck extrem ansteigen, genau das hat der neue Trainer Jens Keller auch seiner Mannschaft erzählt. Im weißen Sondertrikot, optisch angelehnt an das Gewand des Christkinds, sollte es unbedingt klappen mit dem zweiten Heimsieg der Saison. 

Tatsächlich sind dem Club, um im vorweihnachtlichen Bild zu bleiben, mal wieder ordentlich die Flügel gestutzt worden, diesmal vom bisherigen Tabellenletzten. Mit 0:2 (0:1) verlor der phasenweise wieder desolate Absteiger gegen den couragierten Aufsteiger und befindet sich damit weiter im freien Fall. 

 

Seit Samstagnachmittag ist der einst stolze 1. FC Nürnberg auf dem drittletzten, dem Relegationsplatz notiert. Schäffler erzielte bereits in der 3. Minute die Führung, Kyereh kurz nach dem Seitenwechsel und einem Stellungsfehler von Dornebusch das 0:2. 28.167 maßlos enttäuschte Zuschauer trauten ihren Augen nicht. 

Im Vergleich zum Derby nahm Trainer Keller zunächst nur eine Änderung vor; für Sorg (muskuläre Probleme) rückte Handwerker in die Startelf und verteidigte links hinten, Valentini rückte wieder auf die rechte Seite. Eben jener hob in der dritten Minute das Abseits auf, als Schäffler im Nürnberger Strafraum auftauchte – das 0:1 hatte sich abgezeichnet, bereits wenige Augenblicke zuvor hatte der Torjäger eine scharfe Hereingabe des Ex-Nürnbergers Dittgen nur ganz knapp verpasst. 

Überrumpelt und spät aufgewacht 

Wie schon beim Debakel gegen Bielefeld ließ sich der Club gleich zu Beginn überrumpeln, konnte aber diesmal wenigstens den Schaden begrenzen. Die Verunsicherung wuchs dennoch von Minute zu Minute; teils unerklärliche Fehlpässe (Handwerker, Kerk, Sörensen) provozierten bereits nach einer Viertelstunde höhnischen Applaus, genauso klatschten die Menschen nach einem missratenen Kopfballs Dovedans, diesmal aber durchaus anerkennend.

Bis zur ersten wirklich gefährlichen Torannäherung dauerte es sage und schreibe 36 Minuten; Lindner im Wehener Kasten ließ einen Schuss von Geis abprallen, Frey stocherte den Ball im Nachsetzen aber am rechten Pfosten vorbei. Der nominelle Favorit blieb bis zur Pause am Drücker und kam dem Ausgleich sogar ziemlich nahe; Kerk, schön eingesetzt von Dovedan, scheiterte an Lindner, nach dem folgenden Eckstoß klärte Dams in höchster Not vor Sörensen.

Unter Druck gegen Wehen 

Dovedan durfte in der Kabine bleiben, für ihn stürmte fortan Lohkemper, trotzdem stand es nach 48 Minuten 0:2; Kyereh hob die Kugel über den etwas planlos wirkenden und falsch postierten Dornebusch hinweg ins verlassene Tor. Schlimmer hätte es wahrscheinlich nicht kommen können für den FCN, der immerhin um eine Antwort bemüht war. Geis‘ Hammer zischte denkbar knapp rechts oben vorbei, Handwerker scheiterte wenig später an Lindner. 

Eine erschütternde Blamage 

Wehen war dem 0:3 dennoch näher als Nürnberg dem 1:2; Schiedsrichter Stegemann nahm nach gut einer Stunde auf Anraten des Videoassistenten sogar einen Foulelfmeter (Mühl an Kyereh) wegen Handspiels zurück, was aber kaum noch Reaktionen hervorrief. Die Nordkurve hatte da längst die Unterstützung eingestellt, so dass auch atmosphärisch nicht mehr viel an Zweitliga-Fußball erinnerte. 

Die Gäste hatten alles Griff und ließen den Club bis zum Strafraum gewähren, wo nicht mehr viel anbrennen sollte. In der 90. Minute erschütterte ein wuchtiger Kopfball von Michael Frey nach einer Hack-Hereingabe noch einmal den Querbalken des Gäste-Gehäuses. Erschüttert waren alle, die es mit dem Club auf und neben dem Platz halten, an diesem Tag da aber eh schon. Am Tag, als sich der 1. FC Nürnberg in seinen weißen Sondertrikots gegen den SV Wehen blamierte. 

1. FC Nürnberg: Dornebusch - Valentini, Sörensen, Mühl, Handwerker (83. Medeiros) - Geis, Behrens - Hack, Dovedan (46. Lohkemper), Kerk (62. Schleusener) - Frey

SV Wehen Wiesbaden: Lindner - Chato, Dams, Mockenhaupt - Niemeyer, Ajani (83. Guthörl) - Titsch-Rivero (76. Lorch), Mrowca - Dittgen, Kyereh - Schäffler

Tore: 0:1 Schäffler (4.), 0:2 Kyereh (48.) | Gelbe Karten: Hack - Mrowca | Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel) | Zuschauer: 28.167. 

+++ Hier ist der Live-Ticker zum Nachleiden +++

 

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