1:3 trotz Kracher-Tor! Der VfB fesselt den Club im Keller

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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9.12.2019, 22:12 Uhr
Leider drin! Stuttgarts Sturm-Chef Mario Gomez sorgte dafür, dass es nach Nürnbergs Führung auf einmal 2:1 für die Hausherren stand.

Leider drin! Stuttgarts Sturm-Chef Mario Gomez sorgte dafür, dass es nach Nürnbergs Führung auf einmal 2:1 für die Hausherren stand. © Sportfoto Zink / DaMa

  Furchtlos und treu, so lautet seit ein paar Jahren das offizielle Motto des VfB Stuttgart. Bloß keine Angst haben, soll das wohl heißen, auch in weniger erfolgreichen Zeiten wie diesen. Und ja immer schön ergeben bleiben.

Feuer Frey und Drehmomente 

Das ist nicht in jeder Lage einfach; am Montagabend zum Beispiel fingen die ersten schon nach einer Viertelstunde an zu pfeifen auf ihre Mannschaft, zur Halbzeit stimmten mehrere Tausend mit ein. Immerhin führte der 1. FC Nürnberg da noch, weil Frey in der zehnten Minute seinen über Wochen angestauten Frust in einen mächtigen Schuss gelegt hatte. Die Antwort der Stuttgarter ließ lange auf sich warten, fiel aber drastisch aus.

Wamangituka (58./Handelfmeter) und Gomez (59.) drehten die Begegnung nach knapp einer Stunde binnen weniger Sekunden, Förster sorgte in der 73. Minute nach schönem Doppelpass mit Gomez für den 3:1-Endstand. Der Club hatte lange ordentlich dagegenhalten und auch die eine oder andere Chance, sorgte aber nicht nur anfangs der zweiten 45 Minuten für zu wenig Entlastung.

Furchtlos und treu: Zumindest vor den Nürnbergern hätte der selbst ernannte Aufstiegsfavorit eigentlich keine Angst haben müssen, wenn nicht fünf der vergangenen sieben eigenen Partien verloren gegangen wären, unter anderen in der eigenen Arena gegen Wehen und Kiel. Es läuft auch in Bad Cannstatt eher suboptimal im Herbst 2019, so dass der einst glorreiche Südschlager am 16. Spieltag der Zweitliga-Saison 2019/20 prompt durch allerhand Krisengerede verhunzt werden sollte.

Die einen trotzdem weit oben, die anderen überraschend weit unten; als Tabellen-Sechzehnter ist der Club in die berühmte Mercedesstraße gereist, als Tabellen-Sechzehnter fuhren die Nürnberger spät in der Nacht auch wieder nach Hause. Und mit einem etwas schlechteren Torverhältnis. Das Gefühl, wenigstens vor der Pause ein praktisch ebenbürtiger Kontrahent gewesen zu sein, blieb ein schwacher Trost.

Dabei hatte der Stadionsprecher kurz nach 20 Uhr noch höflich vor dem "angeschlagenen Boxer" aus Franken gewarnt, was aber kaum jemand zu interessieren schien auf den Rängen. Ihr VfB hatte schließlich Wiedergutmachung angekündigt, ja versprochen für die eine oder andere Panne in letzter Zeit und sollte Wort halten. Wenn nicht gegen das zuletzt formschwache Nürnberg, gegen wen dann.

Ein Trio kommt beim FCN neu rein 

Nürnbergs Trainer nahm gleich drei Umstellungen vor, jedoch nicht nur freiwillig. Hack musste mit Magen-Darm-Problemen passen, bei Dovedan und Kerk sprachen die jüngsten Leistungen gegen eine erneute Startelfnominierung. Anstatt ihrer durften Schleusener, Jäger und Lohkemper ihr Glück von Beginn an versuchen, Stuttgart setzte mit Torwart Bredlow, Didavi und Förster unter anderem auf drei Ex-Nürnberger.

Zweikämpfe suchen, Zweikämpfe führen, Zweikämpfe gewinnen, so wollten die Gäste ihre kleine Außenseiterchance von Minute zu Minute etwas größer werden lassen. Die Taktik ging anfangs prächtig auf; Freys 1:0 nach Kopfballvorlage von Geis ließ die Cannstatter Kurve erst mal verstummen, schien dafür aber die lautstarken Nörgler auf der Haupttribüne zu inspirieren.

 

Den Ball wollten die Nürnberger schließlich gar nicht, zumindest nicht da, wo die Pufferzone zum eigenen Strafraum noch ausreichend Schutz versprach. Und nach Ballgewinnen: schnellstmöglich in die andere Richtung. Mit Frey, Lohkemper und Schleusener hatte Trainer Keller durchaus mutig drei nominelle Stürmer aufgestellt, die vor der Pause aber vor allem mit Störversuchen beschäftigt waren.

Auch der vierte Gomez-Treffer zählt nicht 

Die optisch deutlich überlegenen Stuttgarter glichen trotzdem gleich zweimal aus, mussten sich anschließend aber dem Videobeweis beugen. Vor dem ersten 1:1 (Endo, 27.) hatte Gomez seinen mächtigen Körper regelwidrig gegen Behrens eingesetzt, vor dem zweiten 1:1 stand Torschütze Gomez im Abseits. Damit verweigerte der VAR den letzten vier Treffern des früheren Nationalstürmers jeweils nachträglich die Anerkennung – klingt rekordverdächtig.

"Wir wollen euch kämpfen sehen": So begrüßte der Stuttgarter Anhang seine Elf, in der fortan auch Angreifer Wamangituka stand, der mit acht Millionen Euro teuerste Zugang der Zweitliga-Geschichte. Knapp 13 Minuten später zahlte der Kongolese einen Bruchteil seiner Ablöse mit einem verwandelten Elfmeter zurück, verursacht durch Schleuseners Arm nach einem Eckstoß.

Der malträtierte Geis und eine Fehlentscheidung 

Wieder der Videoassistent, der auch ein paar Sekunden später zwingend hätte eingreifen müssen. Endo hatte Geis in der Entstehung des 2:1 mit voller Wucht die Stirn ins Gesicht gerammt, kurz darauf stand Gomez vor Dornebusch - sein fünftes Tor in Folge zählte, obwohl es nicht hätte zählen dürfen.

Lohkemper lässt sich lumpen 

Geis konnte nicht mehr, der Club schon; Lohkemper, glänzend eingesetzt von Frey, vergab die große Möglichkeit zum Ausgleich (67.), Förster ließ wenig später das 3:1 folgen. Und schon hatte der 1. FC Nürnberg, obwohl einigermaßen furchtlos, sein nächstes Spiel verloren.

VfB Stuttgart: Bredlow - Stenzel, Phillips, Badstuber, Sosa (78. Sosa) - Endo, Ascacibar, Castro, Förster, Didavi (46. Wamangituka) - Gomez (81. Al Ghaddioui) 

1. FC Nürnberg: Dornebusch - Valentini, Mühl, Sörensen, Handwerker - Jäger (77. Dovedan) - Behrens, Geis (61. Petrak) - Lohkemper, Frey, Schleusener (71. Kerk)  

Tore: 1:0 Frey (10.), 1:1 Wamangituka (58., Handelfmeter), 1:2 Gomez (59.), 1:3 Förster (72,) | Gelbe Karten: Endo - Sörensen | Schiedsrichter: Schröder (Hannover) | Zuschauer: 48.971.

+++ Hier ist der Live-Ticker zum Nachärgern +++

 

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