Erklärungsversuche

0:3 gegen Heidenheim: Mehr als ein Nackenschlag für den planlosen Club

Foto: Eduard Weigert Datum: 27.3.19..Wolfgang Laass....Mitarbeiterportrait
Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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12.8.2022, 22:05 Uhr
Am besten gar nicht mehr hinsehen: Jan-Niklas Beste (re.) gab dem Club mit seinem 3:0 den Rest.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Am besten gar nicht mehr hinsehen: Jan-Niklas Beste (re.) gab dem Club mit seinem 3:0 den Rest.

Das so genannte Schönreden beherrschen sie beim 1. FC Nürnberg schon auch. Da sind in der Vergangenheit hin und wieder Ergebnisse oder Leistungen von Vereinsseite besser bewertet worden als von aufmerksamen Beobachtern, die ja ebenfalls mal daneben liegen können. Nach dem 0:3 vom Freitagabend gegen den 1. FC Heidenheim gab es aber nicht den kleinsten Ansatz, um aus der krachenden Heimniederlage irgendeinen positiven Aspekt ziehen zu können.

Derart planlos und uninspiriert wie gegen Frank Schmidts abgezockte Elf hat man den Club lange nicht erlebt, die sich phasenweise einen Spaß daraus zu machen schien, den großen 1. FC Nürnberg im eigenen Stadion vorzuführen. Mit druckvollem Pressing insbesondere vor der Pause, mit geschickter Raumaufteilung, mit teilweise überfallartig vorgetragenen Kontern, mit großer Spiel- und Einsatzfreude. Also mit all dem, was den Gastgebern abging.

Auch der Trainer wirkte ratlos; seine personellen und taktischen Korrekturen verpufften komplett, auf ein Aufbäumen wartete auch Robert Klauß vergebens. Gutklassigen Zweitliga-Fußball zeigten lediglich die Heidenheimer, insgesamt fast sieben Kilometer mehr unterwegs als die Nürnberger. Die es sich mit ihren 122 Fehlpässen zudem auch selbst schwer machten.

"Klar besser als wir"

"Wir hatten es von der ersten bis zur letzten Sekunde im Griff", lobte Heidenheims Trainer Frank Schmidt seine Jungs und vernichtete er zugleich seinen Ex-Verein. Fünf Punkte trennen die Gegner vom Freitagabend nach vier Spieltagen bereits, in den 90 Minuten war es sogar ein Klassenunterschied.

Wie das aus Nürnberger Sicht passieren konnte, ist die große Frage. "Sie waren heute von der ersten bis zur letzten Minute klar besser als wir", fand nicht nur Robert Klauß, der es hinterher mit seiner Mannschaft vorzog, den geplanten Besuch in die Fan-Kurve angesichts wütender Proteste und Gesten lieber abzubrechen. Knapp drei Wochen nach dem Derbysieg scheint nicht mehr viel Kredit beim Anhang übrig zu sein.

Zu frustrierend ist die Gegenwart. "Ich glaube, dass wir heute auch an unserer eigenen Erwartungshaltung gescheitert sind", meinte Klauß noch, was aber doch einer näheren Erläuterung bedarf. Wer Ambitionen hat, sollte besonders in einem Heimspiel auch etwas dafür tun, aktiv sein - und sich nicht einfach überrennen lassen wie in etlichen Szenen.

Mathenia verhindert Debakel

Gegen den Ball viel zu passiv und mit teils gigantischen Lücken zwischen den Blöcken, mit Ball ohne Ideen, wie der äußerst kompakte und vor allem zweikampfstarke Defensivverbund zu überwinden gewesen wäre. Der Club gab ein erbärmliches Bild ab, wie auch ein Großteil der über 27000 Zuschauer fand. So wie am Freitagabend ist der 1. FC Nürnberg lange nicht mehr ausgepfiffen worden.

Nicht nur Lino Tempelmann hatte Verständnis für die maßlos enttäuschten Anhänger. "So wie heute darf man nicht auftreten", betonte der Mittelfeldspieler, "wir haben weder offensiv noch defensiv einen Fuß auf die Erde bekommen." Es hätte auch locker ein 0:5 oder 0:6 werden können, wenn Christian Mathenia nicht die eine oder andere gute Parade gezeigt hätte.

„Hier in der Art und Weise 0:3 zu verlieren, ist schon ein Nackenschlag für uns", sagte der Torwart, "das hatten wir uns ganz anders vorgestellt."

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