Beim Startelf-Debüt

Castrop macht den Club aggressiv

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

E-Mail zur Autorenseite

26.7.2022, 05:56 Uhr
Dynamik für den Club: Jens Castrop gefällt im Derby.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Dynamik für den Club: Jens Castrop gefällt im Derby.

Als das Max-Morlock-Stadion am Samstagnachmittag beinahe schon leer war nach dem Derby des 1. FC Nürnberg gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth, da entstand am Fuß der Haupttribüne doch noch ein kleines Gedränge. Am Ende eines weitestgehend friedlich verlaufenen Derbytages stritten sich Kinder um ein Stück Stoff - in den Farben vereint, in der Sache getrennt.

Den kleinen Club-Fans ging es um das Trikot von Jens Castrop. Dass der darauf hinwies, gar kein Trikot mehr zu tragen, sondern nur eines der Trainingsshirts, tat nichts zur Sache. Also schmiss Castrop das Trikot und lachte fröhlich. Er konnte sich in dieses Gedränge wahrscheinlich hineinversetzen, er ist ja selbst noch so jung, dass er vor nicht allzu langer Zeit noch unter den Fan-Kindern hätte stehen können. 18 Jahre alt ist Castrop und seit Samstag ein Derbysieger.

Es war sein erstes Spiel in der Startelf des 1. FC Nürnberg - man kann sich dafür kleinere Bühnen aussuchen, aber Trainer Robert Klauß stellte die Leihgabe vom 1. FC Köln nach bislang genau 53 Zweitligaminuten des Clubs eben gegen Fürth von Anfang an auf. Überraschend? Nein, sagte Klauß nach dem Spiel. Das habe sich in der Trainingswoche schon angedeutet: "Wir haben mit Jens einen Spieler, der über eine hohe Aggressivität verfügt und der direkte Duelle für sich entscheiden kann."

Dass der Club das Aufbauspiel der Spielvereinigung vor allem im ersten Durchgang so selten sich entfalten ließ, lag auch an Castrop. Die Nürnberger störten früh und behalfen sich im Notfall auch mal mit einem Foul. Laufintensiv und anstrengend war dieser Ansatz und so war es nicht sonderlich überraschend, dass die Kräfte nach der Pause nachließen. Auch für Castrop war nach 71 Minuten und jenem Dreierwechsel, mit dem Klauß die Partie entschied, Schluss. "Das ist normal, dass er im ersten Startelfeinsatz diese Intensität nicht über 90 Minuten hochhalten kann. Er hat heute gezeigt, dass er in so einem Spiel wichtig sein kann für die Mannschaft", sagte Klauß.

Der Ersatz für Krauß?

Dass er wichtig für die Mannschaft werden kann, davon sind sie beim Club im Winter ausgegangen, als sie ihn sich für zweieinhalb Jahre vom 1. FC Köln ausgeliehen haben. Er war damals schon eingeplant für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass eine andere Leihgabe im Sommer weiterziehen würde. So kam es: Tom Krauß spielt demnächst mit dem FC Schalke 04 Erstliga-Fußball.

Castrop soll sein Nachfolger werden und deutete an, dass er das auch schaffen kann. Er scheint jetzt angekommen zu sein im Erwachsenen-Fußball, den er als 17-Jähriger erstmals so richtig kennen lernen durfte. Damals ist er mit den Profis des 1. FC Köln ins Trainingslager gefahren. Castrop hat davon erzählt, als er in diesem Sommer mit dem Club in Südtirol war, um sich auf die Saison vorzubereiten.

Essen für die Standfestigkeit

In Natz hatte er sich längst an die Abläufe gewöhnt, die es in so einem Trainingslager gibt - und an die Intensität der Übung, die Geschwindigkeit der anderen. Bei seiner Premiere mit Köln war das noch anders, kaum hatte er den Ball, war er schon wieder weg. Jetzt ist er ein Balleroberer. Auch weil er ein paar Kilogramm zugenommen hat - für mehr Standfestigkeit. Jetzt bringt er die anderen auf den Boden.

Erstmals über einen längeren Zeitpunkt gesehen hat man das in Nürnberg zum Abschluss der alten Saison, als Castrop gegen Schalke knapp 20 Minuten mitspielen durfte. Er überzeugte und war beeindruckt von der Kulisse. "Man hat den Ball nicht gehört, wenn er den Fuß verlassen hat", erinnerte sich Castrop in Südtirol an die Atmosphäre im Max-Morlock-Stadion. Im Derby hat ihn das nicht mehr irritiert.

Verwandte Themen


19 Kommentare