Vier Gegentore nach Standards

Club-Keeper Mathenia hadert mit Eckendebakel: "Da muss ich dazwischenhauen"

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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24.4.2022, 19:16 Uhr
Club-Keeper Christian Mathenia erlebte beim 2:4 gegen Sandhausen einen gebrauchten Tag.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Club-Keeper Christian Mathenia erlebte beim 2:4 gegen Sandhausen einen gebrauchten Tag.

Wie genau das Auswahlverfahren läuft, welche Spieler nach dem Schlusspfiff zum Interview in der Mixed Zone vorstellig werden, ist beim 1. FC Nürnberg ein gut gehütetes Geheimnis. Gezwungen wird dazu allerdings niemand, soweit man weiß. Insofern nötigte am Sonntag doch Respekt ab, dass sich nach der extrem bitteren 2:4-Niederlage gegen den SV Sandhausen just jene zwei Profis stellten, die nicht unbedingt als völlig unbeteiligt am Verlauf dieses frustrierenden Nachmittags im Max-Morlock-Stadion gelten durften.

"Es ist ja augenscheinlich, dass wir durch die Standards verloren haben. Da haben wir nicht gut verteidigt", begann Christian Mathenia seine Ursachenforschung und schloss sich selbst gleich mit ein: "Auch ich habe das heute nicht gut gemacht, deshalb bin ich persönlich sehr enttäuscht und werde heute Nacht sicher nicht gut schlafen." In der Tat hatte der in dieser Saison sonst zu zuverlässige Keeper bei den Gegentoren zwei bis vier nicht gerade die beste Figur abgegeben. "Prinzipiell kamen die Bälle ja im Fünfer runter, da muss ich dann schon dazwischenhauen", räumte Mathenia zerknirscht ein, so aber habe er "komplett den Rhythmus des Spiels gebrochen. Das war der Knackpunkt, das hat man auch im Stadion gemerkt".

Dabei habe die Mannschaft ja um diese Stärke der Gäste gewusst und das Verteidigen während der Woche "auch explizit trainiert", wie Mathenia betonte. Helfen sollte es nichts, im Gegenteil: Vier Gegentore nach vier Eckbällen, das hatte auch Robert Klauß "so noch nicht erlebt, und da habe ich auch keine Worte dafür". Ein paar Worte fand der Trainer dann aber doch noch: "Die Konter haben wir gut verteidigt, die Standards miserabel. Fakt ist, dass wir zu wenig Körper gebracht haben. Wir waren zu passiv, was die Blockarbeit anging", analysierte Klauß. Dass seine phasenweise drückend überlegene Elf gegen biedere, aber eben extrem effiziente Sandhäuser auch noch wie schon beim 1:1 gegen Dresden eine Vielzahl von Großchancen vergeben hatte, mache die Niederlage "in der Summe extrem bitter", gestand der 37-Jährige, "wir sind brutal enttäuscht, leer und traurig".

Valentinis fataler Fehlschuss

Dem Spiel eine andere Richtung geben können hätte Rechtsverteidiger Enrico Valentini, doch der etatmäßige Kapitän war vier Minuten nach seiner Einwechslung mit einem freilich höchst fragwürdigen Foulelfmeter am grandiosen SVS-Keeper Patrick Drewes gescheitert (76.). "Ich habe eigentlich geschossen wie immer, diesmal hat er ihn leider gehalten", befand Valentini, war sich der Tragweite seines Fehlversuchs aber durchaus bewusst: "Vier Standard-Gegentore sind mindestens drei zu viel, dann noch der verschossene Elfmeter. Das sind alles Dinge, wo ich in den Spiegel schauen muss und weiß: Da sind wir selbst dran schuld."

Ob der Club nun noch eine Minimalchance hat im Finish des Aufstiegsrennens, darüber gingen die Meinungen auseinander. "Wir können auch die Tabelle lesen und wissen, dass wir mit drei Punkten da oben ordentlich Druck gemacht hätten", bemühte sich Mathenia nach dem "herben Rückschlag" erst gar nicht, angesichts des Abrutschens auf Tabellenplatz sechs und nun vier Zählern Rückstand auf den Relegationsrang Zweckoptimismus zu verbreiten, auch wenn zumindest rechnerisch bei drei ausstehenden Spieltagen noch ein Fünkchen Hoffnung bleibt: "Diese Liga ist so verrückt, deshalb: Sag niemals nie. Aber du musst natürlich deine Hausaufgaben machen", sagte Mathenia.

Kollege Valentini hingegen weigerte sich, schon die weiße Flagge zu hissen: "Wir müssen jetzt nur auf St. Pauli gucken und schauen, dass wir das Bestmögliche herausholen. Wenn wir da gewinnen, spricht die Tabelle schon wieder eine andere Sprache. Wir wären ja doof, wenn wir nicht mehr daran glauben würden", gab sich der 33-Jährige kämpferisch. Eine pragmatische Herangehensweise, die auch sein Trainer bevorzugt. "Ich find’s gut, dass wir direkt Freitag spielen und eine kurze Woche haben", sagte Klauß: "Da bleibt wenig Zeit für Trauer." Und vielleicht gibt es dann in der Mixed Zone am Millerntor ja schon wieder fröhlichere Gesichter zu begrüßen.

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