Ein 6:4 gegen Lilien?

Darmstadt-Dramatik: Als Weyerich für den FCN wertvoll wurde

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Online-Redaktion, Sport

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28.10.2021, 17:46 Uhr
Eiskalt vom Elfmeterpunkt: Horst Weyerich schießt im Oktober 1977 Darmstadt ab.

Eiskalt vom Elfmeterpunkt: Horst Weyerich schießt im Oktober 1977 Darmstadt ab. © Foto: Rainer Fechter

Freundlich erklärt der ehemalige Libero, der den Club ab 1974 ein Jahrzehnt lang prägen sollte, sein Schweigen: "Ich möchte über mich öffentlich kein Wort verlieren, im Hintergrund bleiben." In den Auseinandersetzungen mit dem SVD war das anders - der Defensivspezialist immer vorne mit dabei.

Ihren Anfang nahm Weyerichs Lilien-Liaison - für Darmstadt eine meist schmerzhafte Begegnung - am 28. Oktober 1977. Vor exakt 44 Jahren also. Beim irrwitzigen 6:4-Heimsieg, an dem der gebürtige Nürnberger erheblichen Anteil hatte. In einer Partie, in der der 1. FC Nürnberg 3:0 führte, zwischenzeitlich aber das 4:4 schlucken musste. Doch auf Weyerich war Verlass. Hatte dieser den weit unterhalb seines Schnauzers beheimateten Torinstinkt bereits benutzt, um mit einem präzisen Schuss vom Punkt auf 2:0 zu stellen, wiederholte er sich in der Schlussphase. Angeschlagen ins Spiel gegangen, versenkte der damals 20-Jährige die Kugel zwei weitere Mal aus elf Metern.

Seine guten Darmstadt-Erfahrungen erweiterte Weyerich, der 445 Mal für Nürnberg verteidigte, am 10. März 1979. Eine Spielklasse höher, in der Bundesliga. Am Böllenfalltor glückte in dieser Saison der erste Auswärtssieg. Noch besser: der erste seit einem Jahr und einer Woche. Der Standard-Experte war es, der den ersehnten Erfolg auf den Weg brachte. Sein Freistoßhammer schlug im Gamberla ein - 1:0 für die Gäste! Dank Detlev Szymanek, der Darmstadts Ausgleich mit zwei Treffern konterte, hieß es am Ende 3:1 für den Weyerich-Club. Der Strafstoßspezialist - bis heute mit ligaübergreifend 13 verwandelten Elfmetern der Beste in dieser Kategorie - leistete sich in der Nachspielzeit sogar den Luxus, den Ball bei seiner Lieblingsübung am Tor vorbeizuschießen.

"Jetzt höre ich mit dem Fußball auf"

Nicht gut lief es für den Langhaarfreund - als Kriegsdienstverweigerer hatte der Abwehrchef auch neben dem Platz Strahlkraft - am 24.10.1981. In der 14. Minute zückte Referee Franz-Josef Hontheim glatt Rot. Im üblichen Positionskampf vor einem Freistoß hatte der Club-Verteidiger Bodo Mattern eine mitgegeben – ob mit der Faust, der Hand oder dem Ellbogen, lösten auch die Fernsehbilder nicht auf. In einer spontanen Reaktion nach der Partie entfuhr ihm ein: "Jetzt höre ich mit dem Fußball auf."

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