Intensiver Pokal-Fight

Eigentor erzwungen, verdient gewonnen: FCN schlägt Mannheim mit 1:0

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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18.10.2022, 20:15 Uhr
Christoph Daferner und Mats Möller Daehli waren zwar in der Nähe, aber nicht die Torschützen des 1:0, das den 1. FC Nürnberg zum Sieg in Mannheim führte.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Christoph Daferner und Mats Möller Daehli waren zwar in der Nähe, aber nicht die Torschützen des 1:0, das den 1. FC Nürnberg zum Sieg in Mannheim führte.

Aus welcher Quelle das Geld stammt, ist den Verantwortlichen beim traditionell klammen 1. FC Nürnberg herzlich egal, Hauptsache die Einnahmen fließen. Der DFB-Pokal ist nicht nur für den Club die zweitbeste Möglichkeit, um kräftig zu verdienen; im Zweitrundenspiel beim SV Waldhof Mannheim ging es am Dienstagabend um eine knappe Million, womit sich schon einiges anfangen lässt.

Für den 1:0 (0:0)-Erfolg musste der Zweitligist in hitziger Atmosphäre freilich wie erwartet an seine Grenzen gehen, setzte sich aber insgesamt verdient durch und steht tatsächlich mal wieder im Achtelfinale – dank eines Eigentores. Der Mannheimer Gerrit Gohlke lenkte den Ball nach einer flachen Hereingabe von Kwadwo Duah unglücklich ab (62.).

So viele Sicherheitskräfte wie am Dienstagabend, verriet ein lokaler Journalist voran, seien vergangene Saison nicht mal im Derby gegen den ungeliebten 1. FC Kaiserslautern im Einsatz gewesen. Die Mannheimer und Nürnberger Fan-Lager sind sich offenbar ebenfalls nicht grün und erschienen überwiegend in Schwarz; etwa Zweieinhalbtausend Gäste-Anhänger drängten sich auf der Gästetribüne und luden die sportliche Auseinandersetzung im engen Carl-Benz-Stadion kräftig mit auf.

Heimstarke Gastgeber

Dass sich der SV Waldhof, aktuell beste Heimmannschaft und zugleich schlechteste Auswärtsmannschaft der Dritten Liga, einiges vorgenommen hatte, spürten die Zuschauer schon in den ersten vier, fünf Zweikämpfen. Die Nürnberger, mental gestärkt vom 1:0-Erfolg in Düsseldorf gut drei Tage zuvor angereist, sahen sich mit einem top-motivierten und aggressiven Gegner konfrontiert, der über seine Physis den nominellen Klassenunterschied wettmachen wollte.

Es schepperte gleich kräftig, der Club hielt aber konsequent dagegen. Trainer Markus Weinzierl hatte seine Startformation auf zwei Positionen umgebaut; Manuel Wintzheimer durfte den zweiten Stürmer geben und Erik Wekesser den linken Verteidiger und sah nach einem höchst überflüssigen Foul früh die Gelbe Karte.

Mit Ball blieben Höhepunkte ausgesprochen rar in der ersten Halbzeit; Mannheims Innenverteidiger Gohlke köpfte knapp drüber (5.), einen hart getretenen Freistoß von Alexander Rossipal aus spitzem Winkel konnte Christian Mathenia mit den Fäusten klären (11.). Ansonsten hielten sie den SV Waldhof weitestgehend von ihrem Strafraum fern, brachten aber selbst ebenfalls kaum durchdachte Angriffe zustande.
Einer der wenigen hätte in der 22. Minute eigentlich das 1:0 zur Folge haben müssen: Nach Wintzheimers Schlenzer kam Wekesser halblinks sieben Meter vor dem Kasten unbedrängt zum Abschluss, traf die Kugel aber nicht richtig. Nach etwa einer halben Stunde hatten die Gäste endlich mehr Zugriff; Duah köpfte eine Wekesser-Flanke rechts vorbei (37.), zwei Minuten später lief Wintzheimer nach direkter Kombination über Tempelmann und Duah allein auf Morten Behrens zu, fiel aber hin.

Duahs Hereingabe bringt den Sieg

Verfolger Gohlke war ihm erst auf die Hacken geplumpst und traf im Fallen auch noch Wintzheimers linkes Schienbein, ein klarer Elfmeter, nur nicht für Schiedsrichter Christian Dingert und sein Gespann. Der Club fühlte sich ziemlich veräppelt und nahm gehörig Frust mit in die Kabine. Dass es nach Wiederbeginn ein Feuerwerk gab, lag aber vor allem am Nürnberger Anhang, der mit seiner Pyrotechnik offenbar jeden Quadratmeter im Block illuminieren wollte.

Die nächste Strafe ist dem 1. FC Nürnberg damit gewiss, der nach dem Seitenwechsel allmählich die Spielkontrolle übernahm. James Lawrence köpfelte vorbei, Mats Möller Daehli prüfte nach schönem Solo Behrens im Kasten – so richtig zwingend war das aber alles nicht. Nach einer guten Stunde mussten Wintzheimer und Wekesser wieder weichen, fortan sollten Nürnberger und Daferner für Impulse sorgen.
Eine gute Minute nach ihren Einwechslungen stand es 1:0, weil Mannheims Gohlke eine Hereingabe von Duah unglücklich ins eigene Tor abfälschte. Die Führung hätte aber nicht lange Bestand haben dürfen, weil Laurent Jans aus fünf Metern den Ausgleich hätte erzielen müssen, aber lediglich das Fangnetz hinter dem Tor traf.

Der Nürnberger Defensivverbund hatte auch danach noch die eine oder andere brenzlige Situation zu überstehen, brachte den Vorsprung aber über die Zeit, Tempelmann verpasste in der Nachspielzeit das 2:0. Trotzdem ist sein Club jetzt um eine knappe Million reicher. Kommt auch nicht so oft vor.

SV Waldhof Mannheim: Behrens - Jans, Gohlke, Seegert, Rossipal (70. Schnatterer) - Wagner, Dörfler (70. Kother), Sommer, Bahn (85. Taz), Riedel (75. Sohm) - Martinovic (75. Keita-Ruel)

1. FC Nürnberg: Mathenia - Gyamerah, Schindler, Lawrence, Wekesser (61. Nürnberger) - Geis, Tempelmann, Castrop (89. Valentini), Möller Daehli (89. Fofana) - Duah (74. Schleimer), Wintzheimer (61. Daferner)

Tore: 0:1 Gohlke (63.; Eigentor) | Gelbe Karten: Riedel, Schnatterer - Wekesser, Schleimer | Schiedsrichter: Dingert (Gries) | Zuschauer: 17.750.

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