Emotionale Rückkehr nach Gelsenkirchen

Geis: "Natürlich wollen wir auf Schalke gewinnen“

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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7.12.2021, 16:34 Uhr
Schalke und der FCN: Johannes Geis lebt die Fanfreundschaft auf seine Weise. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Schalke und der FCN: Johannes Geis lebt die Fanfreundschaft auf seine Weise. 

Plötzlich haben sie im Umfeld des FC Schalke wieder Interesse an Johannes Geis. Gleich zwei Journalisten aus Gelsenkirchen und Umgebung hatten sich für Dienstag und eine telefonische Medienrunde beim 1. FC Nürnberg angemeldet, das ist nicht alltäglich. Natürlich wegen des Fußballspiels am Freitagabend in der Arena.

Seine Verpflichtung im Sommer 2015 galt bereits eineinhalb Jahre später als sündteures Missverständnis. Neue Chefs, andere Ideen. Andre Breitenreiter ließ den Zehn-Millionen-Mann zunächst regelmäßig spielen, sein Nachfolger Markus Weinzierl irgendwann nur noch sporadisch, sein Nachfolger Domenico Tedesco gar nicht mehr. "Einerseits lag’s an mir", sagt Geis rückblickend, "andererseits auch an dem einen oder anderen Trainer."

Wenn ein Verein nicht mehr weiß, wohin mit einem Profi, wird er verliehen, so auch Geis. 2017/18 an den FC Sevilla, im Januar 2019 noch für ein halbes Jahr an den 1. FC Köln, zwischendurch U23. Immerhin kann Geis von sich behaupten, mal die TuS Haltern am See 2:1 geschlagen zu haben, in der fünftklassigen Oberliga Westfalen 2018/19.

Somit hat Geis nicht nur schöne Erinnerungen an den traditionell aufgeregten FC Schalke; "ich habe es komplett unterschätzt", sagt Geis, damals, als junger Bursche, "obwohl ich wusste, zu welchem Verein ich komme." Übermorgen sieht man sich wieder, das erste Mal seit der Trennung im Juni 2019. Für den defensiven Mittelfeldspieler, der sich vergangene Woche mit dem Club darauf verständigt hat, "längerfristig" zu bleiben, keine Begegnung wie viele andere.

"Einer der begehrtesten jungen Spieler"

Nein, Geis und der FC Schalke, das ist schon eine sehr spezielle Geschichte. Erst gefeiert, später nicht mal mehr geduldet. "Wir sind sehr froh, dass sich einer der begehrtesten jungen Spieler für unseren Club entschieden hat", so schwärmte der damalige Manager Horst Heldt im Juni 2015 von seinem Neuzugang, der mit 20 zwischenzeitlich Kapitän war beim FSV Mainz und als kommender Nationalspieler galt. Mindestens.

Seine Standards, seine Mentalität, seine Spielintelligenz – der Jungstar sollte die Königsblauen auf ein höheres Niveau heben. Und stürzte selbst ab. Während seiner Zeit in Sevilla verpflichteten sie mit Omar Mascarell und Suat Serdar einfach zwei andere für seine Position. Auch, um Geis noch mehr zu verunsichern. Und vorzeitig loszuwerden. "Natürlich macht das was mit einem", sagt Geis, "die Zeit hat mich aber auch reifen lassen." Gelernt hat er unter anderem, "dass man im Leben auch auf die Fresse fliegen kann".

Trotzdem blieb Geis vier Jahre beim FC Schalke angestellt. Er brauchte lange, um sich davon zu erholen. Der Club holte ihn vor zweieinhalb Jahren aus der Arbeitslosigkeit und steht mit ihm in der Tabelle jetzt vor dem Hamburger SV, vor Werder Bremen – und vor dem FC Schalke. Der am Freitag nicht nur Torjäger Simon Terodde ersetzen muss, sondern auch Kapitän Danny Latza und sehr wahrscheinlich Marius Bülter.

Nürnberg wittert seine Chance. "Es freut mich, dass ich als Stammspieler zurückkehre", stichelt Geis doch noch ein bisschen, und, ganz klar, "natürlich wollen wir auf Schalke gewinnen." Was dann los wäre, beim Ex- und beim aktuellen Verein, das mag man sich kaum vorstellen. Genugtuung würde Geis trotzdem nicht empfinden, eher Stolz auf seinen Club: "Hier wächst was zusammen, hier entsteht was." Ohne den ganz großen Druck. Das hat Geis auch schon ganz anders erlebt in seiner Karriere.


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