Zengers Taktiktafel

Hofmann und noch mehr: Die Analyse zu Club-Gegner Karlsruhe

27.8.2021, 06:00 Uhr
Dreh und Angelpunkt im Karlsruher Spiel: Stürmer Philipp Hofmann (links), hier beim Jubel nach seinem Tor zum 3:0 gegen den SV Darmstadt.

Dreh und Angelpunkt im Karlsruher Spiel: Stürmer Philipp Hofmann (links), hier beim Jubel nach seinem Tor zum 3:0 gegen den SV Darmstadt. © Uli Deck, dpa

Wer steht an der Seitenlinie?

Mit Christian Eichner trifft der FCN erstmals in dieser Saison auf einen Trainer, der auch vor Juli 2021 schon für die Mannschaft verantwortlich war, mit der er auf den Club trifft. Eichner ist seit Februar 2020 für die Profimannschaft des KSC verantwortlich. Vorher war er mehr als 100 Spiele Co-Trainer seines Vorgängers Alois Schwartz. Allerdings war Eichner das nicht nur unter Schwartz, sondern auch unter dessen Vorgängern - und so verwunderte es nicht, dass er nach der Amtsübernahme auch auf Distanz ging: "Ich war vor Alois Schwartz beim KSC und nicht der klassische Co-Trainer, der mit einem bestimmten Chefcoach unterwegs ist. Daher war ich unabhängig von Schwartz."

Der Unterschied zu Schwartz ließ sich auch auf dem Platz feststellen. Statt Schwartz‘ defensiv und vorsichtig ausgerichteten Fußball, ließ Eichner offensiver agieren und schaffte so in der Saison 2019/20 den Klassenerhalt. Auch auf Kosten des 1. FC Nürnberg, der dank des Karlsruher Siegs in Fürth am letzten Spieltag in die Relegation gegen den FC Ingolstadt musste. Nach dem Saisonende 2019/20 beendete Eichner seine Ausbildung zum Fußballlehrer, schloss diese dem Vernehmen nach mit 1,0 ab – allerdings im Gegensatz zu Robert Klauß ohne Auszeichnung als Jahrgangsbester, denn der DFB gibt den Besten seit 2019 nicht mehr bekannt.

Mit der Lizenz in der Tasche stabilisierte Eichner den KSC weiter und baute das Spiel der Karlsruher weiter nach seinen Vorstellungen um. Die Saison 2020/21 schloss der KSC als Sechster ab. Im Jahr 2021 ist er der Zweitligist, der nach dem FC St. Pauli die zweitmeisten Punkte geholt hat. Seit Anfang März 2021 hat der KSC – wie der Club - nur zweimal verloren, in dieser Saison – auch wie der FCN – noch gar nicht.

Wie wird gespielt?

Die Standardformation des KSC ist das 4-3-3, im jüngsten Spiel gegen Bremen wechselte Eichner dann zu einem 4-2-3-1. Auch um die Bremer mehr unter Druck zu setzen. Gleich zu viert liefen die Badener Werder im Aufbau an, taten das sogar leicht asymmetrisch, indem sie rechts etwas höher standen als links. Auch wenn gleiches Vorgehen gegen den FCN nicht zwingend zu erwarten ist, zeigt es, dass Eichner immer wieder flexibel auf Stärken oder Schwächen des Gegners reagieren kann.

Die Grundpfeiler des Karlsruher Spiels sind ganz unabhängig vom Gegner in der eigenen Kopfballstärke angelegt. Auch wenn die Zahl der Flanken in dieser Saison geringer ist als in der Vorsaison, ist die Hereingabe von Außen weiterhin ein gern gewähltes Mittel des KSC. Das hängt viel mit der Person Philipp Hofmann zusammen. Der Angreifer ist kopfballstark und wird deshalb oft von seinen Mitspielern per Flanke gesucht. Das schlägt sich dann auch darin nieder, dass zwar 82 Prozent der Karlsruher Angriffe auf den Flügel beginnen, aber 71 Prozent der Angriffe zentral abgeschlossen werden. Zum Vergleich: Beim Club beginnen 76 Prozent der Angriffe über Außen, 41 Prozent werden dann auch von dort abgeschlossen.

Hofmann spielt aber auch immer dann, wenn der KSC den langen Ball im Aufbau wählt, eine wichtige Rolle. Der KSC ist schließlich nach Rostock und Heidenheim die Mannschaft, die nach vier Spielen bislang die meisten langen Pässe gespielt hat. Der Ball landet dann oft bei Hofmann, der per Kopf auf die nachrückenden Außenstürmer – Cueto, Kaufmann, Schleusener oder Kother – ab. Diese nehmen den Ball auf oder legen ihn auf einen mitlaufenden Außenverteidiger – meist Heise und Jung – ab. Dabei läuft das Spiel insgesamt häufiger über links als über rechts.

Wer sind die Schlüsselspieler?

An Philipp Hofmann kommt man, das zeigt die Erklärung des Spielstils, nicht vorbei, auch wenn die Hofmann-Zentrierung des Spiels durch die Reduzierung der Flanken im Vergleich zum Vorjahr etwas abgenommen hat. Die leichte Linkslastigkeit hat in den bisherigen Spielen auch einem anderen Ex-Cluberer eine besondere Rolle zukommen lassen: Philip Heise. Der ist als Linksverteidiger gesetzt und kommt im bisherigen Saisonverlauf bereits auf zwölf Schlüsselpässe, also auf kreative Pässe, die zu einem Torabschluss führen. Damit befindet Heise sich knapp hinter Sarpreet Singh, der mit 14 solchen Pässen bisher die Rangliste anführt. Das hängt sicher zum Teil mit Heises Flankenfrequenz zusammen, doch auch mit seinen flachen Zuspielen hat Heise schon für Gefahr gesorgt.

Zum Erfolg des KSC trägt darüber hinaus Keeper Marius Gersbeck bei. Der ließ schon im Vorjahr nur 44 Gegentore bei statistisch 51 erwartbaren zu und auch jetzt hat der KSC schon wieder vier Treffer weniger kassiert als per Expected Goals zu erwarten gewesen wäre – auch wenn dies teilweise daran liegt, dass die Gegner das Tor verfehlten. Gersbeck zeichnet aber nicht nur seine Fähigkeit, Tore zu verhindern, aus, der 26-Jährige unterbindet mit überdurchschnittlicher Strafraumbeherrschung oft auch gefährliche Situationen im Ansatz.

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