Verdiente Niederlage

Pfiffe zur Pause: Der Club enttäuscht gegen Heidenheim

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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12.8.2022, 20:24 Uhr
Trauriger Abend: Heidenheim jubelt, der Club ist bedient.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Trauriger Abend: Heidenheim jubelt, der Club ist bedient.

Am Anfang stand eine schöne Geste - für Tim Handwerker und den Trikotausrüster. In allen ihnen zwischen Heim-, Auswärts- und Ausweichversion zur Verfügung stehenden Hemden liefen die Spieler des 1. FC Nürnberg vor der Partie gegen den 1. FC Heidenheim auf den Platz. Auf dem Rücken stand bei jedem von ihnen die Nummer 29 des neuerdings kreuzbandverletzten Tim Handwerker.

Das Spiel gegen Heidenheim war das erste in einer Reihe von Partien, die Handwerker verpassen wird. Viel versäumt hat er am Freitagabend nicht. Beim 0:3 (0:1) zeigte sich ein mit beinahe allem überforderter Club von seiner schlechteren Seite und wurde zur Pause und nach dem Abpfiff von Pfiffen der 27155 Zuschauer in die Kabine begleitet.

Vorab hatte Trainer Robert Klauß vorsichtshalber schon einmal gewarnt vor den mit sechs Punkten aus drei Spielen gestarteten Heidenheimern. Die seien inzwischen eine Spitzenmannschaft dieser Liga und wüssten das auch. Dummerweise für den Club sah das dann von Beginn an so aus und noch ein bisschen dümmer war, dass der Club selbst nicht annähernd aussah wie eine Spitzenmannschaft.

Lino Tempelmann, Mats Möller Daehli und Kwadwo Duah standen anstelle von Handwerker, Taylan Duman und Manuel Wintzheimer und im Vergleich zur Vorwoche beim SSV Jahn Regensburg in der Startelf. Besser wurde dadurch aber nichts. Heidenheim kontrollierte das Geschehen auf dem Platz, der FCN suchte etwas Struktur im eigenen Tun und fand sie nicht.

Eine Trinkpause nach knapp 20 Minuten nutzte Klauß für den Versuch einiger Korrekturen. Torwart Christian Mathenia eröffnete die Partie nach der Unterbrechung zwar gleich mit einem Abstoß ins Aus, ein wenig besser wurde es im Anschluss aber schon. Duah und Christoph Daferner hatten die ersten Möglichkeiten für den Club, der dem eigenen Plan für dieses Spiel allerdings weiterhin ratlos gegenüberstand. Das lag auch daran, dass genau dieses Sturmduo Duah und Daferner auch zu diesem Zeitpunkt der Saison noch auf der vergeblichen Suche nach Harmonie ist.

Pfiffe zur Pause

Die Folge: Heidenheim ging nach 44 Minuten sehr verdient in Führung. Dennis Thomalla ließ Mathenia aus elf Metern keine Chance. Die Folge davon wiederum: ein gar nicht so leises Pfeifkonzert der Clubfans zur Halbzeit.

Die Pause nutzte Klauß zu weiteren Korrekturen, unter anderem kam Manuel Wintzheimer für Johannes Geis und versuchte der Club jetzt mit zwei Spielern im defensiven Mittelfeld Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Es gelang erst einmal nicht, stattdessen erzielte Adrian Beck mit seiner zweiten Gelegenheit im zweiten Durchgang das 0:2 (49.).

Es gelang dann auch weiterhin nichts, Nürnberg hatte sich spätestens mit dem zweiten Gegentor von diesem Spiel verabschiedet. Zwar simulierten Daferner, dessen Schuss aus elf Metern noch geblockt wurde, und Tempelmann mit einem Versuch aus 20 Metern noch einmal so etwas wie ein Aufbäumen, am Ende aber blieb ein trauriger Eindruck von einer Mannschaft, die ihr Publikum beim Heimspiel zuvor gegen Fürth noch so begeistert hatte.

Nürnberger stolpert, Beste trifft

Auch interessant: Dass das Publikum offenbar nicht gewillt ist, der Mannschaft auch in dieser Saison einen Vertrauensvorschuss zu geben. Stattdessen nahmen die Pfiffe mit fortlaufender Spieldauer noch zu, die Anfeuerung verstummte. Es war wohl eine Vorahnung davon, dass alles noch schlimmer kommen würde. Als Nürnberger im Spielaufbau über den Ball stolperte nutzte Heidenheim in Person von Jan-Niklas Beste diese Einladung zum dritten Treffer an diesem Abend (80.).

Vom Club kam wirklich nichts mehr außer einer Fortsetzung der Aneinanderreihung von falschen Ideen und Fehlpässen. Bereits fünf Minuten vor dem Ende war das Max-Morlock-Stadion erstaunlich leergespielt und stand Robert Klauß sehr einsam vor seiner Trainerbank.

In einer Woche steht der komplizierte Ausflug nach Sandhausen an. In der Form vom Freitagabend dürfte sich der ein oder andere Spieler wünschen, er würde ihn verpassen.

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