Zurück zum Optimismus

Tränen und Zuversicht: Der 1. FC Nürnberg glaubt wieder an sich

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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16.5.2022, 11:42 Uhr
Einsatz bis zum letzten Spiel: Nürnberg wird Tom Krauß vermissen. Umgekehrt ist es genauso.

© Daniel Karmann, dpa Einsatz bis zum letzten Spiel: Nürnberg wird Tom Krauß vermissen. Umgekehrt ist es genauso.

Man sah nicht nur Freudentränen am Sonntagnachmittag, an dem sich der FC Schalke 04 mit einem 2:1 (1:0)-Erfolg beim 1. FC Nürnberg nach nur einem Jahr wieder aus der zweiten Liga verabschiedete. Abschiede gab es ja auch beim Club. Unter anderem Tom Krauß verlässt den Verein nach zwei Jahren, die die Leihgabe von Red Bull Leipzig offensichtlich tiefer berührt haben.

Als Krauß in der 81. Minute Platz machen musste für Manuel Schäffler, da stand er gerade vor der Gegengerade des ausverkauften Stadions. Gute Gelegenheit auf eine letzte Abschiedsrunde vorbei an seinen Fans auf Zeit, dachte sich Krauß offenbar und machte sich auf den Weg. Als er in der Nordkurve angekommen war, kamen die Tränen. Dass einem Ausnahmetalent wie Krauß der Abschied aus Nürnberg nicht leicht fällt, ist vielleicht die größte Auszeichnung für diesen Verein, der am Ende einer guten Saison doch ein bisschen zerknautscht daher kommt.

Dass sie bis drei, vier Spieltage vor dem Ende noch hätten aufsteigen können, das hatte ja keiner erwartet, als Krauß vor zwei Jahren als Neuzugang vorgestellt wurde. Gemeinsam aber haben Krauß und der Club in diesen zwei Jahren etwas geschaffen, was vielleicht noch wichtiger ist als ein Aufstieg schon in diesem Jahr. Sie haben das Vertrauen wieder hergestellt, dass dieser Club etwas mehr kann, als jene Peinlichkeiten zu produzieren, mit denen er in den drei Jahren zuvor Fußball-Deutschland in Atem gehalten hatte.

Auch deshalb waren 50000 Menschen zu diesem letzten Spiel gekommen (und natürlich auch, weil vor Wochen, als die Karten in den Handel kamen, viele noch an den Aufstieg glaubten). Das Vertrauen ist zurück und begleitet wird es von einem für diesen Verein eher untypischen Optimismus, dass da in nicht allzu ferner Zukunft Dinge gelingen können, wie sie diesmal den feiernden Schalkern gelungen sind. Die bekamen vor der Haupttribüne die Zweitliga-Meisterschale überreicht von DFL-Chefin Donata Hopfen und verlagerten dann die Feierlichkeiten vom Rasen in den Zug zurück nach Gelsenkirchen.

Engagiert bis zum Ende

Zurück blieben die Nürnberger, wo sich natürlich alle Beteiligten ärgern, dass ihnen da am Ende die Luft ausgegangen ist und sich im Aufstiegsrennen die Mannschaften durchgesetzt haben, von denen man es erwartet hat. Gesehen hat man das unter anderem am Trainer Robert Klauß, der auch dieses bedeutungslose Spiel zum Abschluss so ernst genommen hat wie das erste.

Klauß hat mit dem Schiedsrichter gestritten und Gelb gesehen, er hat ungläubig das Schalker Traumtor zur Führung verfolgt, als Rodrigo Zalazar aus 58 Metern ins Netz traf. Klauß hat gejubelt, nachdem Lukas Schleimer spät der Ausgleich gelungen war für engagierte Nürnberger (86.) und er hat sich maßlos geärgert, als dieser Ausgleich nur zwei Minuten später durch eine Unachtsamkeit, die Simon Terodde den Siegtreffer erlaubte, wieder hergeschenkt worden war. Verpasst hatten sie dadurch den sechsten Platz in der Schlusstabelle, der von Klauß vorab noch einmal zum letzten Saisonziel erklärt worden war.

Der neue Optimismus

Aber Klauß war es, der erst kürzlich, als sie auf Sankt Pauli den Aufstieg endgültig absagen mussten, beobachtet hatte, wie sich die Betrachtung des Vereins verändert hat. Zuspruch, sagte Klauß damals, hätten sie erlebt. Und aus diesem Zuspruch wollen sie jetzt Kraft ziehen, auch wenn Krauß nicht mehr mithelfen kann und in die erste Liga wechselt. Der Club will irgendwann nachkommen. Bis dahin behält ihn Krauß in guter Erinnerung.

„Es hat mich sehr gefreut, wie alle geklatscht haben, als ich ausgewechselt wurde“, sagte er in seiner Abschiedsrede, „das zeigt, dass ich zwei Jahre lang meine Leistung gebracht habe.“ So ähnlich kann man das über den ganzen Club sagen, der sich aus den Tiefen des Relegationsdramas gegen Ingolstadt wieder nach oben gespielt hat. „Viele wundervolle Momente bleiben hängen“, sagte Krauß noch, „ich glaube, ich sehe nichts Negatives.“ Und damit hatte er dem 1. FCN gleich noch ein passendes Motto für die Saison 2021/22 gegeben. Das für die kommende Saison kennt man in einem Jahr. Irgendetwas mit Freudentränen würde allen gefallen.

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