0:3 gegen Ludogorez Rasgrad

Verpatzte Trikotpremiere: Bulgariens Meister bremst harmlosen Club aus

Uli Digmayer
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Sportredaktion

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26.6.2022, 18:34 Uhr
Der junge Linksverteidiger Nathaniel Brown hatte im Zweikampf mit Alex Santana Schwerstarbeit zu verrichten.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Der junge Linksverteidiger Nathaniel Brown hatte im Zweikampf mit Alex Santana Schwerstarbeit zu verrichten.

Der Anreisetag ins einwöchige Trainingslager in Südtirol verlief für die Profis des 1. FC Nürnberg etwas holprig. Weil der Mannschaftsbus im Stau stand, konnte das Testspiel im österreichischen St. Johann gegen Ludogorez Rasgrad erst mit halbstündiger Verspätung angepfiffen werden.

Auch die Partie selbst geriet dann zu einer eher zähen Angelegenheit. „Wir wollen vor dem Trainingslager sehen, was wir können und was noch nicht und welche Spieler in den verschiedenen Systemen harmonieren", hatte Robert Klauß angekündigt. Aufgrund dieser Erkenntnisse wollte der Chefcoach "in die Details und Feinarbeit gehen“. Auch wenn Testspiele in dieser frühen Phase der Vorbereitung kaum große Aussagekraft besitzen, zumal gegen einen Gegner, der schon kurz vor dem Saisonstart steht, scheint es in Natz-Schabs doch einiges zu tun zu geben für Klauß und seine Fußballer.

Kein Debüt von Kwadwo Duah

Wie schon im ersten Test beim Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg (2:0) durften sich im Koasastadion fast alle aktuell zur Verfügung stehenden Feldspieler 45 Minuten lang bewähren. Noch etwas gedulden musste sich allerdings Neuzugang Kwadwo Duah: Der erst am Freitag vom FC St. Gallen gekommene Stürmer übte individuell mit Rekonvaleszent Felix Lohkemper auf einem Nebenplatz. Der angeschlagene Lino Tempelmann (Kniereizung) versuchte sich derweil durchaus erfolgreich als Co-Kommentator für das vereinseigene Club-TV.

Die knapp dreistündige Busfahrt schien den Club-Profis noch etwas in den Gliedern zu stecken. Der bulgarische Serienmeister dominierte von Beginn an das Geschehen gegen eine Nürnberger Elf, die in ihren brandneuen Trikots zwar recht fesch aussah, aber spielerisch mit der schicken Optik nicht so ganz mithalten konnte.

Gerade mal acht Minuten dauerte es bis zur ersten guten Chance, doch klärte Nathaniel Brown gerade noch mit dem Rücken einen Schuss zur Ecke. Kurz darauf musste der junge Linksverteidiger aus dem Perspektivkader nach einem Foul kurz behandelt werden - und der Gegner nutzte Nürnbergs Unterzahl prompt zu seinen Gunsten. Nach einer Flanke von links köpfte der freistehende Spas Delev den Ball über Keeper Christian Mathenia hinweg ins lange Eck (9.). Auch danach setzte sich Rasgrad, das sich jüngst von der Spielvereinigung Greuther Fürth mit 1:1 getrennt hatte, immer wieder vor allem über Nürnbergs rechte Abwehrseite durch und kam im Strafraum gefährlich zum Abschluss. So strich eine Direktabnahme von Alex Santana nur knapp am Tor vorbei (13.).

Nennenswerte Offensivaktionen des Zweitligisten blieben aus einer zerfahrenen, von vielen kleinen Unterbrechungen geprägten ersten Hälfte kaum in Erinnerung, auch weil die Stürmer Manuel Schäffler und Manuel Wintzheimer die Bälle vorne zu selten festmachen konnten. Dafür ging es in den Zweikämpfen teils übertrieben hart zur Sache. Kurz vor der Pause löste eine bulgarische Grätsche gegen Brown sogar eine Rudelbildung am Nürnberger Strafraum aus.

Zur zweiten Halbzeit hatten sich die Gemüter wieder beruhigt, und die komplett neuformierte Club-Elf präsentierte sich deutlich aktiver und mit mehr Zug zum Tor. Ein Schuss des erst 17-jährigen Niklas Jahn wurde aber noch vor der Linie geklärt (47.), Erik Shuranov scheiterte mit einem abgefälschten Schuss am bulgarischen Keeper (59.). Auf der Gegenseite verhinderte Carl Klaus per Fußabwehr gegen Mathias Tissera das 0:2 (71.) und parierte auch stark im Eins-gegen-Eins gegen Cauly Souza (74.). In der 78. Minute war Mathenias Vertreter machtlos, als Claude Consalves nach einem Missverständnis zwischen Fabian Nürnberger und Christopher Schindler das Geschenk dankend annahm und aus kurzer Distanz präzise abschloss. Ein Konter bescherte Ludogorez in der Schlussminute sogar noch das 3:0 durch Rick Jonathan.

"Der Gegner ist schon deutlich weiter, das hat man schon gemerkt. Sie haben auch mit ihrer besten Elf gespielt. In zehn Tagen haben sie ihr erstes Champions-League-Quali-Spiel", sagte Klauß, räumte aber auch ehrlich ein: "In der ersten Halbzeit waren wir klar unterlegen, das müssen wir anerkennen und das werden wir auch aufarbeiten. Ich glaube, es ist trotzdem ein guter Test gewesen, der uns Hausaufgaben für das Trainingslager aufgibt."

Nürnberg, 1. Halbzeit: Mathenia - Gyamerah, Hübner, Sörensen, Brown - Geis, Castrop - Duman, Wintzheimer, Ilic - Schäffler / 2. Halbzeit: Klaus - Valentini, Schindler, Fofana, Handwerker - Schleimer, Nürnberger, Jahn, Wekesser - Vonic, Shuranov / Tore: 0:1 Delev (9.), 0:2 Consalves (78.), 0:3 Jonathan (90.).

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