Zwei Jahre ohne Saison

American Football in Nürnberg: Wie geht es Rams & Co.?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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29.6.2021, 11:28 Uhr
Als Footballspiele noch möglich waren: Hier stehen sich die Sportler der Rams und der Crusaders Chemnitz gegenüber.
 

© Sportfoto Zink / DaMa, Sportfoto Zink / DaMa Als Footballspiele noch möglich waren: Hier stehen sich die Sportler der Rams und der Crusaders Chemnitz gegenüber.  

Wer nachvollziehen wollte, wie dieser Boom aussieht, von dem immer alle reden, der musste nur mal bei den Nürnberg Hawks vorbeischauen. Vor vier Jahren starteten die Footballer zum ersten Mal mit einer Mannschaft in der so genannten Aufbauliga, es war für viele Vereine ein Testlauf, ob sie es tatsächlich dauerhaft hinbekommen, ein Team zu stellen.

Denn American Football wurde zu dieser Zeit in Deutschland immer beliebter. Die Einschaltquoten auf Pro7 wurden gefühlt jede Woche besser, es gab viele Menschen, die spät in der Nacht noch vor dem Fernseher saßen, um sich Spiele aus der nordamerikanischen Profiliga NFL anzuschauen. Für manche blieb es nicht beim Konsum, sie wollten selbst mal auf den Rasen, einen Ball werfen, fangen, rennen oder einen Gegner "tacklen".

500 Zuschauer bei Heimspielen

In Nürnberg entstanden bereits 2015 neben den etablierten Rams die Hawks, außerdem gründeten sich die Silverbacks. Drei Football-Mannschaften in einer Stadt - konnte das gut gehen? Es konnte. Wer bei einem Heimspiel der Hawks auf dem Sportplatz der DJK Eintracht Süd vorbeischaute, sah eine volle Tribüne, glückliche Menschen und ein ganz großes Fest. Teilweise kamen bis zu 500 Zuschauer in das "Hawks Nest", bei den Rams, die lange in der zweiten Bundesliga spielten, waren es sogar noch mehr.

Im vergangenen Jahr wollten die Hawks endlich von der Landes- in die Bayernliga aufsteigen, es sollte der nächste Schritt einer wohlüberlegten Planung sein. Doch dann kam Corona und wirbelte alles durcheinander. Die Saison 2020 wurde abgesagt, den Aufstieg mussten die Hawks also verschieben. "Das letzte Spiel war unser 42:0-Sieg bei den Ingolstadt Dukes II am 20. Juli 2019", sagte Vorstand Bastian Brezinski im März 2021. Er äußerte da noch die Hoffnung, dass es im Sommer wieder möglich sein wird, Football zu spielen - und dann alles zu geben, um aufzusteigen.

Andere Länder spielen

"Die Perspektive für dieses Jahr ist auf jeden Fall da", bekannte Brezinski. Ein paar Monate später aber kam die Nachricht, die keiner hören wollte. Der Verband sagte nach der Saison 2020 auch die für 2021 geplante Spielzeit ab - für Brezinski und seine Hawks zu einem "unglücklichen Zeitpunkt", da eine Woche nach der Bekanntgabe in ganz Deutschland gelockert wurde. In anderen Bundesländern soll in diesem Jahr auch noch gespielt werden, in Bayern hingegen nicht.

© Sportfoto Zink / ThHa, Sportfoto Zink / ThHa

Derzeit planen sie bei den Hawks einen alternativen Spielbetrieb mit anderen Vereinen, "wir wollen etwas Gutes daraus machen und die Zeit nutzen", so Brezinski. Ende August soll es losgehen, dann auch hoffentlich mit vielen Zuschauern, "das ist extrem wichtig, um die Spannung aufzubauen und auch für die ganzen Ehrenamtlichen". Inzwischen trainieren sie wieder in größeren Gruppen. Es sind zuletzt sogar einige neue Spieler dazugekommen - trotz der Aussicht, dass erst 2022 wieder regulär gespielt wird.

Hoffnung für die Rams

Auch bei den Silverbacks, die in der Aufbauliga starten wollten, wird inzwischen wieder trainiert, es gibt eine Jugendmannschaft, im Sommer wollen sie sich zumindest in Freundschaftsspielen mal wieder messen. Der vermeintliche Trend ist also womöglich gar keiner mehr, vielmehr hat sich Football in Deutschland etabliert und andere Sportarten auf der Beliebtheitsskala überholt. Trotz zwei Jahren ohne Ligaspiele.

Für die Nürnberg Rams hingegen gibt es noch ein bisschen Hoffnung. In der Regionalliga soll und muss gespielt werden, weil die Liga einen Aufsteiger in die GFL2 bestimmen muss. Bislang hat Miguel Kögel, der neue Vorstand der Rams, aber noch keine genaueren Informationen, wie das genau ablaufen soll. Bis zum 30. Juni sollen die Vereine Näheres erfahren, "es hieß aber, dass die Teams bis zum Saisonstart mindestens sechs Wochen trainiert haben sollen", so Kögel. Vor Ende Juli, Anfang August wird es also nichts.

In die Saison werden sie jedenfalls ohne den eingeplanten Headcoach Thomas Evans gehen, weil der im Spätsommer an der Highschool in den USA gebunden ist. Das ist für Kögel aber auch gar nicht schlimm, sie werden den Ausfall wohl intern auffangen. "Dieses Jahr redet niemand über Auf- und Abstieg", sagt er. "Das wäre pures Geldversenken, was sich niemand leisten kann."

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