Arbeitender Künstler: So will Schäffler den FCN voranbringen

19.8.2020, 08:24 Uhr
Wie man Tore im Max-Morlock-Stadion schießt, weiß Manuel Schäffler: Hier trifft er trotz der Gegenwehr von Asger Sörensen und Torwart Felix Dornebusch in der Hinrunde der vergangenen Saison.

Wie man Tore im Max-Morlock-Stadion schießt, weiß Manuel Schäffler: Hier trifft er trotz der Gegenwehr von Asger Sörensen und Torwart Felix Dornebusch in der Hinrunde der vergangenen Saison. © Foto: Daniel Marr/Zink

Einen echten Manuel Schäffler bekommt man noch zu angemessenen Preisen. Sagt zumindest Manuel Schäffler. Der 31-Jährige macht Kunst, Pop-Art hat irgendwer darüber geschrieben. Schäffler selbst sagt: "Das ist eher abstrakte Kunst, Lifestyle, Off-White und Supreme." Er sagt etwas konkreter für den Laien: "Ich möchte mit meiner Kunst Freude bereiten."

Es gelingt offenbar hin und wieder, Schäffler hat schon Werke verkauft, auch wenn das nicht der Hauptzweck ist seines Tuns. Schäffler dienen seine Bilder zur Entspannung. Zur Entspannung davon, was er im Hauptberuf macht. Der Künstler Schäffler ist ja in erster Linie: Fußballprofi. Einer, der in den letzten drei Jahren vor allem den Menschen in Wiesbaden Freude bereitet hat. 57 Ligatreffer sind Schäffler in seiner Zeit beim SV Wehen gelungen, in der letzten Saison ist er fast an der Hälfte der Tore seiner Mannschaft beteiligt gewesen.

Abgestiegen ist der SV Wehen Wiesbaden dann trotzdem, was viele schon vorab erwartet hatten. Schäffler sah deshalb die Zeit gekommen, um den "nächsten Schritt" zu machen in seiner Karriere. Dass der 1. FC Nürnberg – der den SV Wehen um ein Haar begleitet hätte in die 3. Liga – aus der Perspektive vieler Vereine in der Fußball-Republik immer noch als nächster Schritt gilt, bestätigt Schäffler gerne. "Nürnberg hat eine Riesen-Außenwirkung", sagt Schäffler.

Er selbst will sie noch steigern, diese Außenwirkung, um die er sich mit Blick auf sich selbst lange nicht gekümmert hat. Schäffler hat schon eine lange Karriere hinter sich, dass er erst in Wiesbaden auffällig geworden ist, sagt er, liegt vor allem an Manuel Schäffler.

Ausgebildet beim TSV 1860 München blieb er dort wie auch bei seinen Stationen beim MSV Duisburg, beim FC Ingolstadt oder bei Holstein Kiel meist nur ein Nebendarsteller. In der Frühphase seines fußballerischen Schaffens nahm Schäffler den Beruf nicht sonderlich ernst – und die Meinung anderer Menschen ebenfalls nicht. "Bis ich 25 Jahre alt geworden bin, habe ich vieles auf andere geschoben. Ich war beratungsresistent", sagt er heute, da er glaubhaft versichert, ein anderer zu sein.


Mutig und aktiv: Klauß' Handschrift lässt sich beim FCN erkennen


"Ich bin ein Spätstarter, das ist richtig", sagt er noch, "ich habe irgendwann den Weg eingeschlagen, auf dem ich an meinen Defiziten arbeiten musste – und das waren viele." Aufgearbeitet sind diese Defizite noch nicht, trotzdem ist Schäffler zu einem der besten Zweitliga-Angreifer der vergangenen Saison gereift. Dass das vor allem deshalb geschehen ist, weil das Spiel in Wiesbaden sehr auf ihn zugeschnitten war, will er so nicht stehen lassen. "Ich habe schon auch Tore geschossen, die man nicht unbedingt machen muss", sagt Schäffler.

In Nürnberg wären sie froh, wenn ihm das noch einmal gelingen würde. Nach den Abgängen von Mikael Ishak und – dem ebenfalls malenden – Michael Frey, haben sie so einen wie Schäffler kein zweites Mal in der Mannschaft. Schäffler ist 1,89 Meter groß, will sich aber nicht auf seine körperliche Robustheit reduzieren lassen. Er ist einigermaßen schnell, macht aber ansonsten das, was man von einem Angreifer seiner Größe erwarten darf. "Ich bin präsent im Strafraum", sagt er, "ich kann lange Pässe festmachen und binde immer wieder mal zwei Gegenspieler."

"Mannschaft mit Qualität"

Helfen sollen diese Zutaten, um aus dem Club einen wieder angesehenen Zweitligisten zu machen. Bei Schäffler selbst hat der Verein ja eh wenig verloren an Ansehen in der letzten Saison. Er freut sich auf eine "Mannschaft mit Qualität", die er in der Kabine unterstützen will, vor allem aber auf dem Platz.

Eine Torquote hat er sich dabei zumindest offiziell nicht vorgenommen. "Ich rede nicht über Zahlen, sondern darüber, wie man Fußball arbeitet", sagt Schäffler, "der mannschaftliche Erfolg war mir immer am wichtigsten." Gelingt alles, was er sich so vorgenommen hat auf einer seiner letzten Stationen im bezahlten Fußball – viele Menschen würden sich freuen.

37 Kommentare