Bewegungsmangel bei Kindern: Defizite wegen Corona?

19.5.2021, 09:44 Uhr
Die Bürgermeister Ralph Edelhäußer (Roth, 2.v.l.), Ben Schwarz (Georgensgmünd, 3.v.r.) und Helmut Bauz (Büchenbach, 2.v.r.) ließen es sich im Sommer vergangenen Jahres nicht nehmen, auch selbst aktiv an einem Trainingsvideo für das Projekt „Gecko“ mitzuwirken.

Die Bürgermeister Ralph Edelhäußer (Roth, 2.v.l.), Ben Schwarz (Georgensgmünd, 3.v.r.) und Helmut Bauz (Büchenbach, 2.v.r.) ließen es sich im Sommer vergangenen Jahres nicht nehmen, auch selbst aktiv an einem Trainingsvideo für das Projekt „Gecko“ mitzuwirken. © Privat

Die Hilpoltsteiner Ergotherapeutin Siglinde Lugbauer beobachtet die Entwicklung bei den Jüngsten während des langen Lockdowns mit Sorge: "Die Kinder bewegen sich immens weniger in dieser Zeit. Das ist absolut schädlich und viele leiden darunter." Durch Bewegungsmangel werden Kinder schnell träge. "Wenn die Muskeln nicht regelmäßig beansprucht werden, vermeiden die Kinder alles, was ihnen schwer fällt. Deshalb sitzen ja dann so viele vor irgendwelchen Geräten", erläutert die Ergotherapeutin.

An sich können Kinder keine Bewegungen verlernen. Sie können jedoch das Zeitfenster verpassen, in dem sie motorische Bewegungsabläufe spielend leicht erlernen, erklärt Lugbauer und fügt hinzu: "Später tun sie sich dann einfach schwerer und haben unter Umständen auch Defizite." Diese Defizite äußern sich darin, dass Kinder ungelenkiger, unbeweglicher und auch ungeschickter sind.

Neben der Körperbeherrschung ist auch ein guter Gleichgewichtssinn wichtige Grundvoraussetzung. Beides bekommen Kinder nur durch Bewegung. Weitere Folgen bei Bewegungsmangel seien zudem Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite. "Nach meinen Beobachtungen ist es zunehmend schwieriger, die Kinder bei der Stange zu halten. Sie müssen raus aus der Komfortzone, in der sie nur berieselt werden", sagt Lugbauer deutlich. Bewegungsfreude zu fördern sei daher ungemein wichtig.

Spaß an Bewegung fördern

Bewegungsfreude zu fördern, ist genau das Ziel des Projektes "Gecko" unter Federführung der SpVgg Roth in Zusammenarbeit mit dem TV Büchenbach, TV Eckersmühlen und dem TSV Georgsgmünd. Bereits seit 2018 wird im Rahmen des Settings Gesunde Kommune an den Grundschulen in Roth und Umgebung das Gesundheitspräventionsprogramm durchgeführt.

Vor Corona kamen die speziell weitergebildeten und im Jugendbereich erfahrenen Trainer an die Grundschulen und hielten nach dem Unterricht 90-minütige Bewegungseinheiten ab. Von Homeschooling und Kontaktbeschränkung haben sich die Verantwortlichen jedoch nicht abschrecken lassen. Seit einem Jahr werden fleißig Videos produziert und auf YouTube hochgeladen, in denen die Trainer Übungen vormachen, die die Kinder ganz einfach zu Hause nachmachen können. Dabei wird mit einfachen Utensilien gearbeitet, die jeder daheim hat.

Mit Corona sei die Bedeutung des Projektes sogar noch gewachsen, berichtet der Verantwortliche und zweite Vereinsvorsitzende bei der SpVgg, Andreas Dobler: "Vor allem weil der Präsenzsport in der Schule ausfällt und die Kinder von zu Hause aus unterrichtet werden, steigen die Abrufzahlen der Videos. Manche Lehrer geben sie auch als Sporthausaufgabe auf."


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Mittlerweile gibt es fünf Staffeln. Seit der ersten werden die kleinen Filmchen zunehmend professioneller gestaltet und mit Musik unterlegt. Alles werde in Teamarbeit gemacht. Von der Gestaltung der Übungen bis hin zur Video-Produktion. Immer dienstags und donnerstags um 14 Uhr erscheinen neue Videos. Diese sind auf dem YouTube-Kanal GECKO Roth und auf der Internetseite www.sport-praevention.de sowie der vereinseigenen Website abrufbar.

"Die Rückmeldungen der Eltern sind sehr positiv. Wir bekommen sogar Videos zugeschickt, wie die Kinder Spaß dabei haben oder auch die ganze Familie und sogar die Oma mitmacht", sagt Dobler. Ansonsten seien die Videos so konzipiert, dass die Kinder sie auch ohne Hilfestellung machen können. Über allem stehe auf jeden Fall der Spaß an Bewegung. "Die Kinder müssen nicht irgendwas erreichen. Bei ihnen soll dadurch die Freude an Bewegung und somit gesundheitsförderndes Verhalten gefördert werden."

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