Club-Remis in Stuttgart: Alles eine Frage der Qualität

Alexander Aulila

Online-Redaktion

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7.4.2019, 11:35 Uhr
Club-Remis in Stuttgart: Alles eine Frage der Qualität

© Sportfoto Zink/DaMa

Es wäre doch eine so schöne Geschichte gewesen: In der 74. Spielminute war Matheus Pereira in Richtung des Stuttgarter Kastens unterwegs. Ähnlich wie beim Sieg gegen Augsburg, als er das vorentscheidende 2:0 erzielt hatte, hätte der Brasilianer für klare Verhältnisse sorgen können. Er, der in Düsseldorf noch nach einer Tätlichkeit vom Platz geflogen und dafür harsch kritisiert worden war, hätte der Unterschiedsspieler sein können, der dem 1. FC Nürnberg im Abstiegskampf noch einmal Hoffnung gibt.

Doch anders als bei seinem exzellent vollstreckten 1:0 fehlte dem 22-Jährigen in der Schlussphase die Coolness, sein Abschluss mit links verpasste den Kasten knapp. Der Rest - ein Angriff der Stuttgarter, der zum 1:1 führte - ist bittere Club-Geschichte. Und wird vielleicht sogar der Moment sein, bei dem man rückblickend sagen wird: Hier war der Abstieg besiegelt.

Viele Anhänger des FCN haderten nach Abpfiff mit dem Videoschiedsrichter, der laut TV-Sender Sky bei der Bewertung einer möglichen Abseitsposition beim 1:1 durch Stuttgarts Ozan Kabak ohne die kalibrierte Hilfslinie auskommen musste. Videoassistent Harm Osmers entschied nach Augenmaß und auf gleiche Höhe. Eine Entscheidung, die - so belegen es später nachgereichte TV-Bilder - wohl korrekt war.

Fehlende Qualität im Abschluss

Am Einsatz hat es beim Club im Abstiegsgipfel einmal mehr nicht gemangelt. Mit 117,33 Kilometern liefen Nürnbergs Klassenkämpfer deutlich mehr als ihre Stuttgarter Konkurrenten (112,91 Kilometer). Zudem entschieden die Profis des neunmaligen Deutschen Meisters etwa 51,4 Prozent der Zweikämpfe für sich.

Das sind Werte, die im Kampf um den Klassenerhalt enorm wichtig sind - doch am Ende nichts bringen, wenn im Abschluss die Qualität fehlt, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Auch Mikael Ishak und Virgil Misidjan war es nicht gelungen, aussichtsreiche Angriffe in ein wichtiges Tor umzumünzen.

Gefahr über links

Zwar hatte der Club nach Spielende sechs Torschüsse vorzuweisen, zwei mehr als die Stuttgarter, ließ aber dennoch die Kaltschnäuzigkeit vermissen. Nach dem 1:0 durch Matheus Pereira konzentrierte sich das Schommers-Ensemble darauf, mit Kontern konsequent Nadelstiche zu setzen und überließ den Stuttgartern so in der Offensive immer wieder Räume. Satte 22 Flanken schlugen die Gastgeber, bei Nürnberg waren es lediglich neun.

Besonders auffällig: Über die von Robert Bauer bewachte linke Angriffsseite des VfB kamen 17 Flanken in den Club-Strafraum geflogen. Eine solche war es beispielsweise, die Stuttgarts Stürmer Mario Gomez in der 61. Spielminute mit dem Knie nur an die Latte lenken konnte. Auch hier hätte sich der insgesamt glückliche Club bereits ein Gegentor fangen können. Mit rund 46 Prozent Ballbesitz zeigte der fränkische Altmeister aber auch, dass er sich nicht verstecken wollte.

Gelingt das "Wunder von Nürnberg"?

So sammelte Nürnberg zwar vier Punkte aus den letzten beiden Spielen, bleibt aber weiterhin vier Zähler hinter dem Relegationsplatz. Bei einem Restprogramm, das unter anderem noch vier Spiele gegen Klubs aus der oberen Tabellenhälfte bereit hält, eine schwere Hypothek. Soll das "Wunder von Nürnberg" gelingen, ist ein Dreier gegen den FC Schalke 04 am kommenden Freitag schon Pflicht.

Immerhin bei einer wichtigen Personalie hat der FCN am Samstag für klare Verhältnisse gesorgt: Nach rund zweimonatiger Suche hat der fränkische Bundesligist am Samstag Robert Palikuca als neuen Sportvorstand vorgestellt.

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