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Club-Retter Schleusener: Das schönste Tor aller Zeiten

Wie der Freiburger ein sehr wichtiger Spieler der FCN-Geschichte wurde - 14.07.2020 10:39 Uhr

Die wohl wichtigste Grätsche seines Lebens: Fabian Schleusener stocherte den Ball in der Nachspielzeit an FCI-Torwart Knaller vorbei.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr


Fabian Schleusener weiß nicht mehr, wo er war, als Kristiansen getroffen hat. Bis zum Samstag war der Däne Jan Kristiansen der Spieler, der das berühmteste Tor der Neuzeit für den 1. FC Nürnberg geschossen hat. 26. Mai 2007, DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart, 109. Spielminute: Jan Kristiansen schießt aus 25 Metern, der Ball landet im Winkel, 3:2, die Entscheidung. Es war der einzige Pflichtspieltreffer, den Kristiansen je für den Club erzielt hat. Wo er oder sie war, als dieses 3:2 fiel, weiß jeder Club-Fan, der oder die damals schon auf der Welt war.

Wo sie waren, als Schleusener sein erstes Pflichtspieltor für den 1. FC Nürnberg schoss, wissen seit dem Samstag auch alle. Sechste Minute der Nachspielzeit, Sportpark Ingolstadt, Patrick Erras schaufelt den Ball ein letztes Mal in den Strafraum, Schleusener grätscht zum Ball, der kullert ins rechte untere Ecke, 1:3, die Entscheidung.


"Gefühlschaos"! Schleusener stochert sich zum FCN-Helden


"Ein sehr wichtiger Spieler der Vereinsgeschichte", sagt Schleusener zwei Tage nach seinem Tor, das in letzter Sekunde den Abstieg in die dritte Liga vermeiden half. Er meint nicht sich, er spricht über Kristiansen. Schleusener war 15 Jahre jung, als Kristiansen traf. "Wissentlich", sagt er, hat er, der Junge aus Freiburg, dem der 1. FC Nürnberg damals nichts bedeutete, dieses Pokal-Finale nicht gesehen. Erst jetzt haben ihn Menschen an Kristiansen erinnert, an die schöne Parallele mit dem ersten Pflichtspieltor zum wichtigsten Zeitpunkt. Fabian Schleusener ist jetzt auch ein wichtiger Spieler der Vereinsgeschichte.

Dass er es werden würde, hatte man vorab nicht unbedingt erwarten müssen. Ein Jahr ist es her, dass sich Schleusener im Sportpark von Ingolstadt das Schienbein brach. Er spielte damals noch für den SV Sandhausen und galt als treffsicherer Angreifer.

Beinahe wie Mintal

Deshalb hatte ihn Robert Palikuca, der Sportvorstand des Clubs, nach Nürnberg geholt. Potenziell treffsichere Angreifer, auch wenn sie gerade verletzt waren, fand Palikuca, konnte man in Nürnberg immer brauchen. "Dankbar", sagt Schleusener, war er für das Angebot vom FCN, weil es nicht selbstverständlich ist, wenn einer sich gerade schwer verletzt hat.

Im Herbst konnte Schleusener dann erst sein Pflichtspieldebüt für den Club feiern. Es war beim Derby in Fürth. Schleusener bereitete beinahe den späten Siegtreffer vor, aber Iuri Medeiros schoss nach seinem Pass neben das Tor.

Mit dem Neben-Das-Torschießen machte dann auch Schleusener in den kommenden Wochen und Monaten Bekanntschaft. Er war damit nicht alleine. "Keine gute Saison" habe man gespielt, sagt Schleusener deshalb. Daran ändere auch die späte Rettung nichts, "wir sind da reflektiert". Dass seine miserable Saison auch damit zusammenhing, dass er selten auf den Positionen spielen durfte, auf denen er sich wohlfühlt, diese Diskussion hat Schleusener mitbekommen. Kann man jetzt nicht mehr ändern, sagt er, hält aber für die Zukunft fest: "Meine favorisierten Positionen sind im Zentrum oder auf der linken Außenbahn."

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Jubel, Trubel, Rudelbildung! In der sechsten Minute der Nachspielzeit spitzelt der eingewechselte Fabian Schleusener den Ball ins FCI-Tor und rettet den Club dadurch vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. Noch nie wurde eine Niederlage so schön bejubelt - und hier sind die Bilder dazu!


Am Samstag hat er sich auch in der Nachspielzeit im Zentrum bewegt. "Zwischen den Linien lauern", sagt er, sei vor seiner Einwechslung die Arbeitsplatzbeschreibung gewesen. Er hat dann lange umsonst gelauert, bis er das Tor schießen durfte, das für ihn "immer das schönste Tor bleiben wird". Der lange Ball von Mathenia, dann sein Kopfball, der "witzigerweise wegspringt vom Tor", dann Patrick Erras, der mit "seinem zwei Meter hohen Bein" den Ball zurück in den Strafraum bringt, wo immer noch Schleusener wartet. "Ich muss alles reinwerfen", sagt Schleusener über seinen Gedanken vor dem Abschluss. Er warf alles rein, und es hat sich gelohnt, auch wenn es ihm vorkam wie "eine halbe Ewigkeit", bis der Ball dann über die Linie gerollt war.

Glücklich beim Club: Fabian Schleusener. © Foto: Daniel Marr/Zink


Es war das wichtigste Tor seines Lebens, sagt Schleusener, der natürlich wusste um die Wichtigkeit des Spiels. Sie alle wussten das. "Das baut sich schon Tage vorher auf, was dieses Spiel bedeutet für alle, die den Club gerne haben", sagt er. Zwei von denen, die den Club gerne haben, hatten sie auf die Partien vorbereitet. Schleusener betont den Wert, den es gehabt hat, dass Marek Mintal und Michael Wiesinger vor der Relegation als Trainer-Duo übernommen hatten. "Die haben uns aufgezeigt, was das bedeutet", sagt Schleusener.

Von Mintal schwärmt er sogar ein bisschen mehr. "Der hat im Training Abschlüsse, da sagst du nur wow." Und in diesem Augenblick denkt man sich beim Zuhören, dass das früher ein sehr typisches Mintal-Tor hätte sein können, das jetzt eben Schleusener geschossen hat. Passt ja auch, schließlich war Marek Mintal auch ein sehr wichtiger Spieler in der Geschichte dieses Vereins. Als Kristiansen traf, war dieser Mintal übrigens gerade auf dem Rückweg aus dem Krankenhaus ins Berliner Olympiastadion. Aber das weiß in und um Nürnberg ja sowieso jeder.

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